Auf früherem Militärgelände im Nationalpark Böhmerwald werden Fässer mit Chemikalien beseitigt
Über den Fund von Fässern mit Chemikalien im Nationalpark Böhmerwald hat der tschechische Umweltminister, Igor Červený (Motoristé sobě), am Dienstag auf einer Pressekonferenz informiert.
Die ersten Informationen über Fässer mit gefährlichem Inhalt, die sich im Nationalpark Böhmerwald befinden, waren vom Umweltminister Igor Červený bereits am Montag veröffentlicht worden. Auf einer Pressekonferenz im Verteidigungsministerium hat er einen Tag später die Angaben über die Giftstoffbelastung auf dem früheren Militärgelände Dobrá Voda präzisiert.
„Auf dem Gelände befinden sich rund 1000 Tonnen kontaminierter Erde sowie 200 Fässer mit hochgefährlichen chemischen Stoffen. Wir bereiten derzeit in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungs- und dem Innenministerium Maßnahmen vor, um die Lage zu bewältigen. Unter den Chemikalien sind beispielsweise Dioxine, Quecksilber, Arsen sowie chlorierte Lösemittel.“
Mit einer Sanierung des betroffenen Geländes wird laut dem Umweltminister bald begonnen:
„Die erste Etappe haben wir von Ende September bis Anfang November eingeplant. Zuerst muss das gesamte Material entfernt werden, das heißt die Fässer und die Großraumtanks. In der zweiten Etappe geht es um eine allmähliche Sanierung, die einige Jahre dauern wird. Denn wir müssen kontinuierlich vorgehen und diese 1000 Tonnen kontaminierter Erde wegschaffen. Inzwischen werden Grundwasseruntersuchungen durchgeführt, um festzustellen, ob das Grundwasser verunreinigt wurde. Sämtliche Sanierungsarbeiten sollen im Juni 2028 abgeschlossen werden.“
Der Umweltminister schätzt die Kosten für die Sanierung auf rund 192 Millionen Kronen (8 Millionen Euro). Hinzu kommen laut Červený weitere rund 30 Millionen Kronen (1,2 Millionen Euro) für die Absicherung und Überwachung des Geländes.
Der Umweltminister erklärte, Untersuchungen auf dem früheren Militärgelände Dobrá Voda seien bereits 2023 durchgeführt worden. Seinen Worten zufolge hat die damalige Führung des Umweltressorts vom Sanierungsunternehmen Dekonta Informationen darüber erhalten, welche chemischen Stoffe sich dort befanden. Červený wies auf der Pressekonferenz den von den Journalisten ausgesprochenen Verdacht zurück, dass er sich mit diesem Fall nun darum beschäftigen würde, weil seine Parteikollegin Klára Sovová bei Dekonta tätig war. Sovová kandidiert in den anstehenden Kommunalwahlen für den Posten der Prager Oberbürgermeisterin.
Jiří Unčovský ist Vorsitzender des Verbands der Sanierungsunternehmen. Er äußerte sich im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (ČT) zu den Erklärungen des Umweltministers vom Dienstag. Dort fielen Worte wie „Katastrophe“ oder „Bedrohung“. Unčovský dazu:
„Ich halte diese Begriffe nicht für völlig angemessen. Aber es bleibt keine Zeit zu zögern. Ich stütze mich jedoch ausschließlich auf die Berichte aus den Medien, da mir keine anderen Informationen vorliegen. Daher ist es meiner Meinung nach höchste Zeit, sich der Sache anzunehmen.“
Während der Pressekonferenz wurde außer den Giftstoffen auch scharfe Munition erwähnt. Bereits seit 2014 ist bekannt, dass sich diese auf dem ehemaligen Militärgelände in der Nähe der Gemeinde Prášily befindet. Zu der Zeit war Richard Brabec von der Partei Ano Umweltminister. Damaligen Einschätzungen zufolge hätte die Sanierung viele Milliarden Kronen gekostet, und das ganze Gebiet wäre dadurch zerstört worden. Soll eine Sanierung also überhaupt durchgeführt werden, und wann? Jiří Unčovský dazu:
„Dies ist der Zweck eines Dokuments des Umweltministeriums. Das ist die Machbarkeitsstudie. Sie skizziert die technischen Sanierungsoptionen, die damit verbundenen Vorteile sowie die anfallenden Kosten. Dieses Dokument erläutert, was ökonomisch effektiv und zweckmäßig ist. Natürlich ist es – allgemein gesagt – nicht immer wirtschaftlich sinnvoll, einen kontaminierten Standort zu sanieren, insbesondere wenn die Kosten grenzenlos sein können. In solchen Fällen ist es besser, andere Maßnahmen zu ergreifen, etwa das Gelände einfach ungenutzt zu lassen.“
Das Militärareal Dobrá Voda wurde 1952 entlang der Grenze zu Bayern eingerichtet. Im selben Jahr wurde die Bevölkerung aus dem von der tschechoslowakischen Armee beschlagnahmten Gebiet ausgesiedelt. Die deutschsprachigen Bewohner der Gemeinden waren bereits nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 vertrieben worden, die Dörfer wurden jedoch teilweise neu besiedelt. Mehr als 45 Ortschaften fielen dem Militärgelände zu Opfer. Es wurde zum Ende des Jahres 1991 aufgelöst.







