Engagement für eine stärkere Gesellschaft: Senatsvorsitzender Vystrčil vergibt Silberne Medaillen
Am Staatsfeiertag zu Ehren des Heiligen Wenzel, am 28. September, vergibt der tschechische Senatsvorsitzende traditionell die Silberne Medaille an Menschen, die sich für die Werte einer offenen und demokratischen Gesellschaft einsetzen. So auch am Montag. Unter den Preisträgern waren diesmal Menschenrechtler, Wissenschaftler oder etwa Eishockeyspieler David Pastrňák.
„Es passierte, als ich 21 Jahre alt war. Ich wusste nichts von dem Eingriff. Ich hatte meinen zweiten Kaiserschnitt, und dabei führten sie bei mir die Sterilisation durch.“
Ihre Geschichte hat Elena Gorolová schon oft erzählt – nämlich seit sie begonnen hat, sich für eine Entschädigung aller Frauen in Tschechien einzusetzen, die wie sie selbst Opfer einer Zwangssterilisation geworden sind. Dafür bekam die Menschenrechtlerin am Montag vom Senatsvorsitzenden Miloš Vystrčil (Bürgerdemokraten) die Silberne Medaille überreicht. Ihr Kommentar nach der Zeremonie:
„An so etwas habe ich nie gedacht. Ich führe einfach nur den Kampf, damit die Frauen nicht mehr leiden müssen. Aber über den Preis bin ich sehr glücklich.“
Die fünf Zentimeter große Medaille aus reinem Silber wurde am Staatsfeiertag des Heiligen Wenzel in diesem Jahr an insgesamt 17 Persönlichkeiten vergeben. Mit dieser Auszeichnung ehrt der Vorsitzendes des tschechischen Senats schon seit 2007 Menschen, die ein besonders mutiges, gerechtes und demokratisches Engagement bewiesen haben.
Hilfe für Patienten mit Multipler Sklerose
Auf die Bühne gebeten wurden im Prager Wallenstein-Palais am Montag auch die Eishockey-Stars Jakob Voráček und David Pastrňák. Eine Medaille zu bekommen, ist für die beiden Nationalspieler nichts Ungewöhnliches – diesmal ging es aber nicht um ihre sportlichen Leistungen. Vystrčil bedankte sich vielmehr für ihre Unterstützung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS). Diese Krankheit sei 2014 bei seiner Schwester diagnostiziert worden, berichtete Voráček, was ihn zur Gründung einer Stiftung veranlasst habe. Und weiter sagte er gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks:
„Ich möchte von hier aus das Haus für MS-Patienten grüßen. Soweit ich weiß, gibt es davon nur eines in ganz Tschechien. Bei meinen Besuchen dort sehe ich immer, dass die Kapazität zu klein ist und nicht allen geholfen werden kann. Wir wollen den Patienten den Aufenthalt erleichtern und ihnen Bedingungen für ein etwas besseres Leben schaffen.“
Die Abschlussrede der Zeremonie hielt im Namen aller 17 Preisträger Bára Stárek, die Geschäftsführerin des Vereins „Díky, že můžem“ (Danke, dass wir dürfen). Diese Organisation veranstaltet jedes Jahr am 17. November das Festival auf der Prager Nationalstraße, zur Erinnerung an die Samtene Revolution von 1989. Fast 37 Jahre nach diesem Ereignis seien die Menschen erneut Zeugen von autoritären Praktiken in Tschechien, mahnte Stárek in ihrer Ansprache:
„Ich danke den Beamtinnen und Beamten, die den Staat zusammenhalten. Ich danke den NGOs, die jeden Tag unter die Menschen gehen und ihre Arbeit mit ganzem Herzen ausführen. Und ich danke der Kultur, dass sie der Gesellschaft einen Spiegel vorhält und nicht schweigt.“
Für den Kampf um Freiheit zeichnete Vystrčil am Montag auch die Mathematikerin Kamila Bendová und in Memoriam ihren verstorbenen Ehemann Václav Benda aus. Beide waren zu kommunistischen Zeiten in der Bürgerrechtsbewegung Charta 77 und nach der Wende in der Christdemokratischen Partei aktiv. Die Silberne Medaille bekamen ebenso der Theaterregisseur Dušan Pařízek, der Experte für Schuldenprävention Radek Hábl oder etwa Petra Homolová, die Gründerin des Projektes „Sanitka splněných snů“ (Der Krankenwagen der erfüllten Träume).
Mehr als 100 Nominierungen
Für die diesjährige Preisverleihung hatte es über 100 Nominierungen gegeben. Senatschef Vystrčil äußerte im Interview, die Auswahl sei immer eine schwierige Aufgabe:
„Es gab viele Gründe für die Laureaten. Zusammengefasst besteht der Hauptgrund darin, dass sie anderen Menschen ein Beispiel geben. Sie sind das Salz unseres Landes, also des tschechischen Staates. Diese Veranstaltung machen wir, damit diese Akteure nie die Lust verlieren. Und damit sie weiter das Salz, die Hoffnung und Inspiration für andere bleiben.“
Die Silberne Medaille übergab Vystrčil dieses Jahr ebenfalls an die Ukraine-Korrespondentin des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens (ČT), Darja Stomatová, und ihren Kameramann Ján Schürger. Geehrt wurde etwa auch Ivana Součková, die sich seit langem dafür einsetzt, dass gesundheitlich benachteiligte Kinder in ihrem Familienumfeld aufwachsen können anstatt in einer Pflegeeinrichtung.







