Aus den Spenden der Bewohner erbaut: St.-Adalbert-Kapelle in Senohraby feiert 15 Jahre Weihe

St.-Adalbert-Kapelle in Senohraby

Ein besonderes Fest gab es am Samstagabend in Senohraby. Die Bewohner der mittelböhmischen Gemeinde ließen vor 15 Jahren aus eigenen Spenden eine Kapelle bauen. Anlässlich des Jubiläums ihrer Weihe wurde dort unter freiem Himmel ein Gottesdienst zelebriert.

Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

Einer der ältesten tschechischen Choräle erklang am Samstagabend auf dem Dorfplatz in Senohraby. Die Gemeinde liegt südöstlich von Prag. Es gibt eine gute Bahnverbindung dorthin – mit dem Zug dauert es vom Prager Hauptbahnhof etwa eine halbe Stunde. Und vom Bahnhof Senohraby geht es hinauf in das Dorf. Nach etwa einem Kilometer leuchtet nahe der Hauptstraße auf der rechten Seite ein moderner weißer Sakralbau – und dieser war der Anlass für den feierlichen Gottesdienst am Samstagabend. Vor der kleinen Kapelle versammelten sich dabei viele Menschen, darunter nicht nur die hiesigen Bewohner, sondern auch Besucher aus den umliegenden Orten. Aus Prag kam Erzbischof Stanislav Přibyl, um den Gottesdienst zu zelebrieren. Denn vor 15 Jahren wurde die St.-Adalbert-Kapelle geweiht.

Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

Erzbischof Přibyl begeistert

Nach der Messe wollte fast jeder mit dem Erzbischof sprechen, der erst seit dem Frühjahr im Amt ist. Gegenüber Radio Prag International beschrieb Stanislav Přibyl seine Eindrücke:

Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Ich bin sehr begeistert. Dank einer Bekannten wurde ich nach Senohraby eingeladen. Mir steht besonders nahe, dass die Kapelle dem heiligen Adalbert geweiht ist. Denn ich bin in meinem Amt ein Nachfolger von Adalbert, und zudem ist der Heilige mein Firmungspatron. Es freut mich sehr, dass ich nicht nur große Kirchen besuchen kann, um dort die heilige Messe zu feiern, sondern eben auch kleine Dorfkapellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der heilige Adalbert auf diese Weise die Leute – nicht nur Gläubige – vor 1000 Jahren an verschiedenen Orten Böhmens besucht hat. Ich bin froh, dass ich gekommen bin, denn ich habe hier viele nette Menschen getroffen.“

Erzbischof Přibyl schätzt des Weiteren die Tatsache besonders hoch, dass der Bau der Kapelle von einem Verein aus Senohraby – also von unten – initiiert wurde.

Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

Senohraby sei seit dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel gewesen, und wohlhabende Prager hätten im Ort Sommerhäuser erbauen lassen, erzählt Michal Tomek. Der Maler und Restaurator gehört zu den Hauptinitiatoren der Kapelle und leitete viele Jahre lang den entsprechenden Verein der Kapelle:

„In früherer Zeit gab es hier keine Kapelle. Die Pfarrei befindet sich im nahegelegenen Hrusice, dort steht eine schöne St.-Wenzel-Kirche. Versuche, eine Kapelle in Senohraby zu bauen, gab es erstmals nach dem Kriegsende. Das scheiterte jedoch am kommunistischen Regime. 1968 und kurz nach der Wende von 1989 wurde erneut ein Bau erwogen. Schließlich klappte es erst 2011. Doch dies war ein langer Prozess. Der Impuls kam vom damaligen Bürgermeister, ich habe darauf reagiert und meinte, dass der Bau einer Kapelle zwar gut sei, aber dass sie auch einen Inhalt, eine Botschaft tragen sollte. Schließlich wurde sie erbaut. Ich denke, dass es ein gelungenes Werk ist.“

Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

Geist der Gemeinschaft

Der junge Architekt Petr Šťastný habe den Bau herrlich geschaffen, betont Michal Tomek und ergänzt:

In der St.-Adalbert-Kapelle in Senohraby | Foto: Archiv des Vereins „Kapelle Senohraby,  z. s.“

„Den Glockenturm nebenan und die ovale Form der Kapelle finde ich schön. Und die Sitze sind nicht wie Schulbänke hintereinander gereiht, sondern in einem Kreis angeordnet. Wenn wir hier zusammentreffen, hat es den Geist einer Gemeinschaft, man hat das Gefühl der Zugehörigkeit.“

Der Bau sowie die Glocke wurden laut Michal Tomek ausschließlich aus den Spenden der Bewohner finanziert. Jeden Donnerstag organisiert der Verein ein Treffen in der Kapelle. Und die Mitglieder initiieren auch Konzerte sowie weitere Veranstaltungen und kümmern sich um den Sakralbau. Einmal im Monat wird dort eine Messe gelesen.

Michal Tomek hat zudem ein Bild des heiligen Adalberts für die Kapelle gemalt. Wie er erzählt, haben einige der Bewohner jedoch ein Marienbild im Inneren vermisst.

Michal Tomek | Foto: Milan Baják,  Tschechischer Rundfunk

„Sie fingen an, verschiedene kitschige Porzellanfiguren der Jungfrau Maria herzubringen und wollten diese auf dem Altar haben. Dies habe ich jedoch abgelehnt und entschied mich, eine Jungfrau Maria von Senohraby zu malen. Es ist eine Replik der Madonna von Vyšehrad, zu ihr habe ich jedoch einen Rechen und einen Heuhaufen hinzugefügt.“

Dies ist eine Anspielung auf den Namen der Gemeinde Senohraby: „seno“ bedeutet „Heu“ und „hrábě“ heißt „Rechen“.

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