Ostrau geht gegen Werbe-Smog vor

Foto: Stanislav Janalík, Archiv des Tschechischen Rundfunks
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In Ostrau hat man dem sogenannten Werbe-Smog den Kampf angesagt. Aus dem Stadtzentrum verschwinden schrittweise großformatige Werbebanner. Und auch die Geschäftsinhaber sind aufgerufen, ihre Schaufenster angemessener zu gestalten.

Werbe-Smog in der Zámecká-Straße (Foto: Google Street View)

Viele Prag-Touristen kennen das Problem. Das Gesamtbild des historischen und denkmalgeschützten Zentrums stören viele und oft geschmacklose Werbeschilder. Dieser Werbe-Smog findet sich auch in anderen Städten Tschechiens. Im mährisch-schlesischen Ostrava / Ostrau zum Beispiel widmet sich der Magistrat seit dem vergangenen Jahr dieser Problematik. Aktuell wurden im Zentrum großformatige Werbebanner beseitigt, die bisher quer über die Straßen gespannt waren.

„Man muss bedenken, dass hier zum Beispiel auch die Feuerwehr entlangfährt. Das sind große Autos, die brauchen dafür Platz. Sie hatten Probleme, mit den Leitern und Schläuchen durchzukommen“,

so schilderte der Rentner Miroslav seine Beobachtungen gegenüber einem Reporter des Tschechischen Rundfunks. Der Rentner lebt seit mehr als 70 Jahren im Ostrauer Stadtzentrum. In der Zámecká-Straße etwa, direkt im Herzen der Stadt, befanden sich vor ein paar Wochen noch mehrere solcher breiten Banner. Jetzt ist hier wieder ein freier Blick möglich.

Foto: František Tichý, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Eine solche Werbeplane musste auch der Betreiber des Geschäfts- und Freizeitzentrums Horník abnehmen. Jan Sopuch stimmt mit den Maßnahmen prinzipiell überein. Dennoch hat er mit der Beseitigung der Reklame abgewartet, bis die offizielle Aufforderung aus dem Stadtparlament kam.

„Es ist schwierig, diese Entscheidung zu treffen, bevor es eine offizielle Anordnung gibt. Denn die Sache hat mehrere Seiten. Wir tun, was wir können, um unser Unternehmen am Laufen zu halten und unsere Rechnungen zahlen zu können. Werbung ist also wichtig. Aber wir verlegen sie jetzt vermehrt in den Online-Bereich. Wir denken, dass Reklame ins Internet und nicht ins Stadtzentrum gehört.“

Lukáš Jansa (Foto: Archiv der Piraten)

Dutzende solcher Banner sind seit dem vergangenen Jahr aus dem Stadtzentrum verschwunden. Der Stadtrat Lukáš Jansa ist froh über die schnelle Umsetzung. Allerdings sei die Arbeit damit noch nicht getan, sagt der Politiker von den Piraten.

„Der Weg ist lang. Es wird noch einige Jahre dauern, bis in der Stadt hinsichtlich des Werbe-Smogs eine gewisse Ordnung hergestellt ist. Aber ich bin überzeugt, dass wir das schaffen.“

Die Kampagne des Magistrats hat offenbar auf ein Problem hingewiesen, an das viele Einwohner sich schon gewöhnt hatten. Auf einmal würden die Leute bemerken, dass es da etwas gab, das den Gesamteindruck dieses Ortes gestört hat, so Jansa. Rentner Miroslav kann dem nur zustimmen und zeigt sich zufrieden über die Initiative des Rathauses:

„Ich bin dafür, dass die Werbung verschwindet und die Fußwege davon befreit wurden. Jetzt ist mehr und auch Schöneres von Ostrau zu sehen.“

Der Ostrauer Stadtrat will sich nun im nächsten Schritt seiner Kampagne gegen den Werbe-Smog auf die Schaufenster von Geschäften konzentrieren. Deren Inhaber sind aufgerufen, ihre Schauflächen nach den Vorgaben des Rathauses umzugestalten. Das betrifft etwa die Vermeidung aggressiver Farben oder die Überfüllung von Auslagen. Ursprünglich sollte das bis zum Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Wegen der Corona-Krise und ihren Einschränkungen wurde diese Frist nun aber um ein Jahr verlängert.