Parlamentschef Paška: Teilung der Tschechoslowakei könnte Europa als Vorbild dienen

Am 31. Dezember 1992 endete um Mitternacht die Geschichte der Tschechoslowakei, ab dem folgenden Neujahrstag gab es die selbständigen Staaten der Tschechischen und der Slowakischen Republik. Seitdem sind 20 Jahre vergangenen, in denen sich beide Länder und ihre Bürger wieder näher gekommen sind. Das jedenfalls war der Tenor der Konferenz „Tschechen und Slowaken – 20 Jahre Zusammenarbeit zweier unabhängiger Staaten in EU und Nato“, die am Dienstag in Prag stattgefunden hat.

Miroslava Němcová, Milan Štěch und Pavol Paška (Foto: ČTK)
Die Idee zur Ausrichtung der Konferenz hatte der Vorsitzende des slowakischen Nationalrats, Pavol Paška. Der Vorsitzende des tschechischen Senats, Milan Štěch, hat sie aufgegriffen und die Konferenz in seinem Haus – der oberen Parlamentskammer in Tschechien – ausrichten lassen. In seiner Grußansprache sagte Štěch:

„Von der Teilung der Tschechoslowakei werden die Historiker eines Tages vor allem einen Aspekt hervorheben: Dass beide Völker, die sehr friedlich auseinandergingen, gleich danach begonnen haben, intensiv zusammenzuarbeiten, sowohl auf bilateraler Ebene als auch im Rahmen verschiedener Organisationen. Und mit der Vertiefung der europäischen Integration hat die Zusammenarbeit unser Länder noch an Qualität gewonnen.“

Tschechoslowakei (Quelle: Kartografie Praha)
Pavol Paška wiederum hob hervor, dass das Zusammengehen der Slowaken mit den Tschechen nach 1918 sehr wichtig war für die Selbstfindung seiner Landsleute und für das Herausbilden einer eigenen nationalen Identität. Ohne die Tschechen hätte man das nicht geschafft. Auch wenn die Grundidee der tschechoslowakischen Nation vor 20 Jahren zerbrochen sei, so habe das gelebte Miteinander beider Völker doch gerade heute einen Vorbildcharakter für so manches Problem in der Europäischen Union, so Paška:

Die Teilung unseres Staates ist vielmehr für Europa ein klares und vernünftiges Beispiel dafür, wie man Dinge lösen kann.

„Und das nicht nur aufgrund der völlig natürlichen und gewaltfreien politischen, wirtschaftlichen und sozialen Teilung unserer damaligen tschechoslowakischen Föderation. Die Teilung unseres Staates ist vielmehr für Europa ein klares und vernünftiges Beispiel dafür, wie man Dinge lösen kann.“

Paška ging sogar soweit und behauptete, dass die Teilung der damaligen Tschechoslowakei der Europäischen Union als Leitfaden dienen könne. Mit ein wenig Pathos fügte er hinzu:

„Wir haben Europa nicht nur ausgezeichnetes Bier, tolles Eishockey, eine einzigartige Kultur und sehr schöne Frauen zu bieten, sondern wir bieten auch eine Vision, wie das Europa der Zukunft aussehen könnte. Dieses Europa muss auf gegenseitigem Vertrauen, Nähe, Selbstvertrauen und auf spontaner zwischenmenschlicher Zusammengehörigkeit basieren. Das sind die Dinge, die stets unsere beiderseitigen Beziehungen geprägt haben.“

In diesem Sinne sollten Tschechien und die Slowakei aber gerade in der EU noch enger zusammenarbeiten, forderte Štěch. Der Senatsvorsitzende outete sich dabei auch als Gegner der damaligen Teilung:

„Ich selbst gehöre zu denjenigen, denen die Teilung der Föderation bis heute in gewisser Weise leid tut, und sehe es besonders als Fehler an, dass die damaligen politischen Eliten die Bürger nicht nach ihrer Meinung gefragt haben. Trotzdem kann auch ich nicht übersehen, dass die letzte Periode des gemeinsamen Staates sehr kompliziert war.“

Zdeněk Jičínský (Foto: Archiv ČRo 7)
Das bestätigte auch das Mitglied der ehemaligen Föderalversammlung der Tschechoslowakei, Zdeněk Jičínský, als er über die Auflösung des damaligen Parlaments sprach:

„Die Atmosphäre war angespannt. Als die Abstimmung aber vollzogen war, wirkten alle wie befreit und Vizechef Pavel Jajtner begann, auf der Geige zu spielen.“

20 Jahre nach der Trennung lässt sich feststellen: Heute tragen die Tschechen und Slowaken ihre staatliche Trennung mit Fassung und Humor.