Pastrňák zum vierten Mal in Folge bester tschechischer Spieler der Saison

David Pastrňák (Foto: ČTK / Roman Vondrouš)

Die Coronavirus-Pandemie hat im weltweiten Sport vieles durcheinandergewirbelt. Im tschechischen Eishockey aber hat auch sie eines nicht ändern können: Der beste Crack der Gegenwart ist David Pastrňák. Am Donnerstag hat der Angreifer der Boston Bruins zum vierten Mal in Folge den sogenannten „Goldenen Eishockeyschläger“ gewonnen. Die Auszeichnung wird nach einer Umfrage unter Trainern und Verbandsfunktionären für den tschechischen Spieler der Saison vergeben.

David Pastrňák  (Foto: ČTK / Roman Vondrouš)
David Pastrňák  (Foto: Gspeed0689,  Wikimedia Commons,  CC BY 4.0)

Kurz nachdem Pastrňák die 25 Kilo schwere Trophäe in der Hall of Fame des tschechischen Eishockeys in Prag entgegengenommen hatte, sagte der 24-Jährige vor Journalisten:

„Jede Auszeichnung mit dem Goldenen Eishockeyschläger bedeutet mir viel. Gleichzeitig ist sie für mich Inspiration und Motivation für die nächste Saison.“

Bei seinen letzten Worten musste Pastrňák jedoch grinsen, denn ihm wurde bewusst, dass die nächste Saison in der National Hockey League (NHL) noch ein wenig in den Sternen steht. Schließlich wurde die laufende Spielzeit der NHL durch Corona jäh unterbrochen. Die Hauptrunde wurde frühzeitig beendet, und der Stanley Cup soll erst im Sommer bis in den September hinein ausgespielt werden.

In der Hauptrunde hatte sich David Pastrňák als bester Torschütze der Liga hervorgetan, genauso wie der Russe Alexander Owetschkin (Washington) brachte er es auf 48 Treffer. Zusammen mit 47 Vorlagen erzielte Pastrňák insgesamt 95 Scorer-Punkte. Bei noch ausstehenden zwölf Begegnungen hätte er beide persönlichen Bestmarken wohl auch noch weiter ausgebaut. Deswegen zeigte sich Pastrňák ein wenig ernüchtert:

Jaromír Jágr | Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

„Dass ich die 100-Punkte-Marke nicht erreichen konnte, wurmt mich etwas mehr als die Tore. Aber weil ich Tore auch genauso gerne vorbereite, bin ich überzeugt davon, dass ich die Marke in Zukunft noch knacken werde.“

Dann wäre Pastrňák nach dem großen Jaromír Jágr erst der zweite Tscheche, der in einer NHL-Saison über 100 Punkte erzielt. Bei der Umfrage hat er es aber bereits geschafft, mit der Ikone des tschechischen Eishockeys gleichzuziehen: Wie Jágr hat er den Goldenen Eishockeyschläger in vier Spielzeiten hintereinander abgestaubt. In der ewigen Siegerliste konnte er mit der erneuten Auszeichnung zum drittplatzierten Vladimír Martinec aufschließen. Vor ihm liegen nun noch die beiden langjährigen Aushängeschilder des tschechischen Eishockeys: Dominik Hašek mit fünf und Jaromír Jágr mit zwölf Umfragesiegen. Bedeutet das für ihn eine Motivation, in seiner wohl noch langen Karriere zu Jágr aufzuschließen?

Stanley Cup  (Foto: Alexej Tschernyadjew,  Wikimedia Commons,  CC BY 3.0)

„Ehrlich gesagt, so etwas geht mir nicht durch den Kopf. Das ist eine individuelle Auszeichnung, die ich auch schätze, doch ich spiele in einem Mannschaftssport. Meine Gedanken und Ziele drehen sich daher um die Erfolge mit dem Team. Ich möchte eine WM gewinnen und bei Olympia oder im Stanley Cup ganz vorne landen.“

Letzteres wäre ihm schon fast gelungen, denn mit seinen Boston Bruins bestritt Pastrňák in der vergangenen Saison das Stanley-Cup-Finale. Dort unterlagen die Bären allerdings den St. Louis Blues nach packendem Verlauf der Serie knapp mit 3:4. In dieser Saison streben er und seine Teamkollegen dieses Ziel von Neuem an, und bei Abbruch der Hauptrunde lag Boston auch auf dem ersten Platz aller 31 Mannschaften. Nun aber hat Corona den gesamten Wettbewerb auseinandergerissen. Die Profis der noch im Rennen verbliebenen 24 Mannschaften hoffen nun, dass wenigstens der Stanley Cup nach einem modifizierten Modus ausgespielt wird. Dies sei jedoch angesichts der aktuellen Lage kein leichtes Unterfangen, befürchtet Pastrňák:

„Man kann noch so lange im Kraftraum sein oder sich anderweitig fit halten, das allein ist noch keine ausreichende Vorbereitung auf ein Spiel. Auch wenn ich jetzt in Prag in einer Halle schon wieder auf Eis trainiere, wird es schwer, schnell in den gewohnten Rhythmus zu kommen. Die ersten Spiele werden gewiss nicht ansehnlich sein, doch ich hoffe, dass wir nach ein paar Begegnungen erneut in Form sind.“

Wie David Pastrňák hoffen das auch der Zweit- und Drittplatzierte der Umfrage, denn die beiden werden mit ihren Teams ebenfalls im Stanley Cup starten. Es sind die Angreifer Dominik Kubalík aus Chicago und Jakub Voraček aus Philadelphia.

Autor: Lothar Martin
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