Philadelphia Museum gibt Tschechien wertvollen Schild aus Konopiště zurück

Foto: Archiv Philadelphia Museum of Art

Ein wertvoller Rundschild aus der italienischen Renaissance ist seit kurzem wieder Eigentum der Tschechischen Republik. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs von den deutschen Besatzern aus Schloss Konopiště gestohlen und war verschollen. Nach langer Überprüfung seines Ursprungs gibt ihn der gegenwärtige Besitzer, das Philadelphia Museum of Art, nun zurück.

Foto: Archiv Philadelphia Museum of Art
Auf den Rundschild ist der tschechische Historiker Ladislav Čepička gestoßen, der sich schon lange mit Nazi-Raubkunst befasst. Čepička entdeckte den Schild schon im Jahr 2016. Bis man die rechtmäßigen Eigentumsverhältnisse bestätigen konnte, sollte es aber noch eine Zeitlang dauern, so der Historiker:

„Von der amerikanischen Seite wurde eine Reihe von Fragen aufgeworfen, um auszuschließen, dass er nach Philadelphia zurückgebracht wird, falls er nicht nach Konopiště gehört. Deswegen mussten wir in den Archiven nach einer Vielzahl von Angaben suchen.“

Der Schild mit der Registriernummer 1977-167-751 in der Sammlung des Museums konnte schließlich eindeutig in das ehemalige Inventar des Schlosses Konopiště zurückverfolgt werden. Doch wer war der einstige Besitzer?

Ladislav Čepička  (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)
„Es ist ein Schild aus der ursprünglichen Sammlung des Adelshauses d´Este. Einst erbte ihn Kronprinz Ferdinand. Er ließ die gesamte Sammlung dann auf Schloss Konopiště bringen und stellte sie dort aus.“

Und wie sieht der wertvolle Schild eigentlich aus?

„Es ist ein hölzerner, mit Leinen bezogener und Goldpigment bemalter Rundschild. Ein wirklich schönes Stück, das mit Ornamenten reich verziert ist. Er gehört zu einer Sammlung mit weiteren Schilden, die wir in Konopiště haben. Nur war es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gelungen, ihn zu finden.“

Der Schild wurde um 1535 im Auftrag von Isabella d´Este nach einem Entwurf des Malers Giulio Romano vom bedeutenden Kunsthandwerker Girolamo di Tommaso da Treviso für zeremonielle Zwecke gefertigt. Aber wie gelangte er nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika? Ladislav Čepička:

„Wir wissen, dass die nationalsozialistischen Okkupanten während des Krieges Kunstgegenstände aus Konopiště konfiszierten. Die waren ja seit 1920 Eigentum des Staates, den die Nazis vernichten wollten. In der Hauptstadt entstand das sogenannte Heeresmuseum Prag, in dem vorrangig historische Waffen ausgestellt wurden, darunter waren viele Exponate aus Konopiště. Doch dann erschien ein Bevollmächtigter Adolf Hitlers, der dessen Museum in Linz errichten sollte. Es war Professor Ruprecht vom Historischen Museum in Wien. Er ließ die Sachen in das Salzbergwerk Altaussee und nach Wien bringen. Hier verliert sich die Spur im Jahre 1944.“

Foto: Archiv Philadelphia Museum of Art

Foto: Archiv Philadelphia Museum of Art
Historiker Ladislav Čepička aber hat sie vor zwei Jahren wiederentdeckt und seitdem alles darangesetzt, dass der Rundschild in seinen ursprünglichen Besitz zurückkehrt. War der jetzige Durchbruch in den Verhandlungen für ihn eine Genugtuung?

„Ja, eine große, denn ich habe wiederholt darauf hingewiesen, dass der Schild tschechisches Eigentum ist. Lange aber hatte sich nichts getan. Erst als sich Journalisten damit befassten, kam das Ganze ins Rollen. Und schließlich hat sich das Außenministerium gemeldet, von dem aus Diplomat Antonín Hradílek die Sache in die Hand nahm und zwei Jahre lang Verhandlungen mit den Amerikanern führte.“

In diesen Verhandlungen bekam man auch zu erfahren, dass der Schild zwischenzeitlich im privaten Besitz des Waffensammlers Carl Otto Kretzschmar von Kienbusch war, bis er diesen 1976 dem Philadelphia Museum als Teil seiner Kollektion hinterlassen hat. Vagen Schätzungen zufolge soll der Wert des Schildes übrigens bei einer Million Dollar liegen. Doch wird der Wertgegenstand nun auch sofort nach Tschechien zurückgeführt? Historiker Čepička:

Schloss Konopiště  (Foto: Martina Schneibergová)
„Jetzt muss erst einmal der ganze Papierkram erledigt werden. Der Schild gehört zu den Sammlungen von Konopiště, die vom Nationalen Denkmalamt verwaltet werden. Es wäre sicher schön, wenn er zunächst für eine Weile nach Tschechien zurückkehrt, um die Sammlung wieder vollständig zu zeigen. Aber ich hätte auch nichts dagegen, wenn er an das Philadelphia Museum ausgeliehen würde für eine Exposition. Und zwar eine Ausstellung, die zeigt, wie der Kunstraub der Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs auf unserem Territorium abgelaufen ist.“

Autor: Lothar Martin
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