Playoffs zur WM: Tschechiens Fußballer ohne Patrik Schick und mit vielen Ersatzkräften

Für die tschechische Fußballnationalmannschaft steht die wichtigste Phase des Jahres an. Am Donnerstag bestreitet sie das Halbfinale in den Playoffs zur Weltmeisterschaft. In der Begegnung in Schweden muss Nationalcoach Jaroslav Šilhavý jedoch auf zahlreiche Stammkräfte verzichten. Am schwersten wiegt der Ausfall von Bundesliga-Stürmer Patrik Schick.

Tomáš Souček | Foto: Ondřej Deml,  ČTK

Bisher hat das tschechische Fußballnationalteam nur ein einziges Mal an einer Weltmeisterschaft teilgenommen, und zwar 2006 in Deutschland. Ansonsten ist es seit 1998 insgesamt fünf Mal in der Qualifikation gescheitert. Nun stehen die Tschechen aber in den Playoffs zur WM in diesem Jahr in Katar. Im Halbfinale wartet die schwedische Mannschaft, die Begegnung findet am Donnerstag in Stockholm statt.

Nimmt man die Leistung der Europameisterschaft im vergangenen Jahr, liegt Tschechien sicher auf einer Höhe mit Schweden. Doch das Team um Mannschaftskapitän Tomáš Souček muss auf einen seiner wichtigsten Spieler verzichten. Denn Stürmer Patrik Schick wird nach einer Wadenverletzung nicht rechtzeitig fit für das Halbfinale.

Patrik Schick | Foto: Jan Tauber,  FAČR

„Das schwächt unser Team sehr. Schick ist mit seinen Qualitäten derzeit unser Top-Angreifer und wird uns sicher fehlen“, bedauert Nationalteamkollege und Verteidiger David Zima.

Patrik Schick hat in der aktuellen Saison für Bayer Leverkusen bereits 20 Treffer erzielt. Damit ist der 26-jährige gebürtige Prager derzeit der zweiterfolgreichste Torschütze der Bundesliga hinter Robert Lewandowski von Bayern München. In der tschechischen Nationalmannschaft kommt Schick mittlerweile auf 17 Treffer – und hat damit unter anderem zur Spielerlegende Antonín Panenka aufgeschlossen.

Jaroslav Šilhavý | Foto: Ondřej Deml,  ČTK

Nationaltrainer Jaroslav Šilhavý hat für das Schweden-Spiel insgesamt fünf Stürmer nominiert. Dazu gehören etwa Jan Kuchta von Lokomotive Moskau oder Václav Jurečka vom 1. FC Slovácko, er ist mit zwölf Treffern derzeit der zweitbeste Torschütze der tschechischen Fortuna Liga.

„Ich sehe im Kader keinen klassischen Mittelstürmer, der Patrik Schick ersetzen könnte. Sicher bestehen andere Varianten, aber es gibt nur einen Schick“, sagt der ehemalige Nationalspieler Milan Fukal, der von 2000 bis 2006 für den HSV und für Mönchengladbach in der Bundesliga aufgelaufen ist.

Immerhin könnte Patrik Schick zumindest eine Option sein für das mögliche Play-off-Finale gegen Polen am Dienstag kommender Woche. Petr Šedivý ist Sprecher des tschechischen Fußballverbandes:

Foto: Ondřej Deml,  ČTK

„Wir haben mit Leverkusen verabredet, dass Patrik in dieser Woche wieder ins volle Training einsteigt. Sollten wir uns für das Play-off-Finale qualifizieren, setzen wir uns mit seinem Verein und ihm selbst in Verbindung. Das heißt, es besteht weiterhin die Chance, dass sich Patrik Schick noch vor dem Finale dem Nationalteam anschließt.“

Allerdings muss die Mannschaft auch noch weitere Ausfälle kompensieren – und zwar in der Abwehr. Gleich vier mögliche Startelf-Kandidaten stehen nicht zur Verfügung. Deswegen läuft in Stockholm eine Vierer-Abwehrkette auf, die so noch nie zusammengespielt hat. Zu ihnen dürfte wohl auch der bereits zitierte David Zima gehören. Der 21-jährige ist seit dieser Saison beim FC Turin unter Vertrag.

„Die Zeit zum Einspielen ist zwar kurz, aber wir müssen die Begegnung unter allen Umständen gewinnen. Da kann sich keiner damit herausreden, dass man nicht eingespielt sei. Wir müssen uns einfach auf Tschechisch gut miteinander verständigen, und das wird uns im Zusammenspiel helfen“, so Zima.

Nur im Mittelfeld muss Nationaltrainer Šilhavý am Donnerstag keine Kompromisse eingehen und kann die stärkste Formation aufbieten.

Im Übrigen steht bisher kein einziger Bundesligaspieler im Kader der tschechischen Nationalmannschaft, was selten vorgekommen ist in den vergangenen Jahren. Denn auch Torhüter Jiří Pavlenka vom Zweitligisten Werder Bremen laboriert an einer Verletzung. Und Verteidiger Pavel Kadeřábek sowie Mittelfeldspieler Vladimír Darida haben ihre Nationalmannschaftskarrieren nach der EM im vergangenen Jahr beendet.

Autoren: Till Janzer , Lukáš Michalík
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