Pohodlí bei Litomysl

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Liebe Hörerinnen und Hörer, anlässlich des Jahrestags von Radio Prag haben wir für Sie auch in der Touristensprechstunde eine spezifische Wanderung vorbereitet. Eine weitere Folge der musikalischen Serie, die normalerweise heute gesendet worden wäre, bringen wir in zwei Wochen. Heute besuchen Sie gemeinsam mit Markéta Maurová und Olaf Barth den Ort, von dem die Sendungen von Radio Prag zu Ihnen ausgestrahlt werden. Wir werden nach Litomysl reisen, wo sich unsere Sender befinden.

Zwei Autos, besetzt mit Mitarbeitern von Radio Prag, haben sich kürzlich an einem heißen Sommertag von Prag nach Litomysl begeben. Diese historische Stadt war jedoch diesmal nicht unser Reiseziel. Wir passierten den dortigen länglichen Hauptplatz, ließen die Stadt hinter uns und setzten unsere Reise fort. Ein paar Kilometer weiter, bot sich uns, nachdem wir eine kleine Anhöhe erklommen hatten, der Blick auf ein Gelände, aus dem sich verschiedenste Türme, Masten, Drähte und Antennen zum Himmel erhoben. Wir waren da. In Pohodli, einem kleinen Dorf bei Litomysl, in dem sich die Sendeanlage von Radio Prag befindet. Übrigens "Pohodlí" könnte man etwa mit "Bequemlichkeit" übersetzten. Ob die Arbeit dort wirklich so bequem ist, sollten wir erst während der Besichtigung feststellen, zu der uns die dortigen Mitarbeiter einluden.

Es wäre ein Irrtum zu glauben - und ich muss einräumen, dass es meine Vorstellung war -, dass ein Sender eine einfache Einrichtung, etwa ein Turm irgendwo in der Landschaft ist. Die Anlage in Pohodli erstreckt sich auf einer Gesamtfläche von 160 ha und deren Besichtigung beanspruchte mehrere Stunden. Man findet dort außer den technischen Einrichtungen auch einen Wald, einen Obstgarten mit 4000 Bäumen und mehrere Felder, auf denen Getreide und Gras wachsen. In der Vergangenheit gab es dort sogar Weiden, auf denen Schafe gezüchtet wurden, für die zwei Senner aus der Slowakei sorgten.

Nach der Wende zeigte sich jedoch, dass es billiger ist, Schafswolle aus Australien zu importieren, und so wurde diese Schafzucht aufgehoben.

"Warum ein so großes Gelände?" fragen Sie wohl gemeinsam mit mir. Der wichtigste Grund ist die Sicherheit. Ein Radiosender war nämlich früher ein höchst strategisches Objekt, das vom Militär bewacht wurde. Die umfangreiche eingezäunte Fläche entsprach der strategischen Bedeutung des Senders und verhinderte, dass sich ein Feind der eigentlichen Anlage nähern konnte.

Unsere zwei Autos waren natürlich vorangemeldet, so ließ man uns auf das Gelände und wir wurden in einem Verwaltungsgebäude der Tschechischen Radiokommunikationen in Empfang genommen. Danach begaben wir uns auf einer Nussbaumallee zum eigentlichen Sendegebäude. Während der Besichtigung begleitete uns u.a. der Leiter des Senders, Václav Vomocil. Er arbeitet in Pohodli bereits seit 1959 und weiß daher einiges über die Geschichte des Senders zu erzählen.

"Das Zentrum wurde 1955 in Betrieb genommen. Es gab hier ursprünglich zwei Sender, zweimal 100 kW. Im Jahre 1967 begann ein Umbau, dessen Ergebnis fünf Kurzwellen-Sender waren. 1967-1969 wurde also - bei gleichzeitigem vollen Sendebetrieb - die Renovierung vorgenommen. Diese Kurzwellen-Sender waren von Anfang an für die auswärtigen Sendungen bestimmt. Außerdem gibt es hier noch einen Mittelwellensender, der früher dem Interprogramm diente und über den heute Radio Freies Europa sendet."

Von den fünf Kurzwellen-Sendern werden heute nur noch drei genutzt, ausschließlich für die Sendungen von Radio Prag. Noch vor zwei Jahren hat auch eine deutsche Station, Radio Europa Info, die Anlage in Litomysl genutzt, dies ist jedoch nicht mehr der Fall. In der Zwischenzeit stellten mehrere Bewerber einen Antrag, erhielten jedoch keine Sendeerlaubnis vom Staat. Einige von ihnen waren in der Slowakei erfolgreich, und senden nun von dort aus. Und so dienen die freien Masten heute vor allem dem Mobiltelephonnetz. Doch in der Vergangenheit gab es in dem Areal noch eine weitere wichtige Anlage.

"Und es wurden hier noch die unglücklichen Störungsanlagen gebaut - dort auf der anderen Seite. In Folge dessen, dass man die Kurzwellen nicht lokal stören kann, d.h. dass man hier nicht die Sendungen nach Tschechien stören konnte, wurden die Sendungen von Radio Freiheit und Stimme Amerikas in die damalige Sowjetunion von hier aus gestört. Die Sendungen zu uns wurden wiederum von dort oder aus Polen oder Deutschland gestört."

Herr Vomocil ist der älteste Mitarbeiter auf der Station. Kann er sich an gewisse bedeutende Ereignisse in deren Geschichte erinnern?

"Dramatisch war natürlich das Jahr 1968. Wir sendeten das, was wir in jenen August-Tagen von euch aus Prag bekommen haben. Wir bemühten uns, dies ohne Rücksicht auf unsere Leitung zu verbreiten, bis uns die Polen daran gehindert haben. Die polnischen Soldaten haben uns besetzt. Sie sind an einem Nachmittag mit Hubschrauben gekommen und hielten uns bis zum Abend fest. Wir haben mit ihnen verhandelt und dann sind sie in Ruhe abgeflogen und wir konnten weiter senden. Die Störungsantennen wurden damals nicht zum stören, sondern zur Ausstrahlung des Programms von Radio Prag genutzt."

Die Arbeit der Störungsanlagen wurde nach einer internationalen Vereinbarung im Jahre 1988 eingestellt, d.h. ein Jahr vor der politischen Wende in der damaligen Tschechoslowakei. Dies bedeutete für die Mitarbeiter eine große Erleichterung und das Gelände musste nicht mehr von der Armee bewacht werden.


Gemeinsam mit unseren Begleitern unternahmen wir in Pohodlí den selben Weg, den die Sendungen von Radio Prag unternehmen müssen, um zu Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, zu geraten. Aus Prag gelangt das Signal zunächst in ein kleines Zimmer, in dem sich ein Leitungszentrum der ganzen Anlage befindet. Vaclav Vomocil, der Leiter der Station, erzählte uns mehr:

"Also der Weg, nach dem Sie gefragt haben, ist folgender: Wir bekommen das Signal per Link aus Prag, heute also digital. Das Signal trifft an diesem Ständer ein, dort gibt es einen Verstärker und die Umschaltungseinrichtung. Die Modulation wird mit Hilfe dieses Kreuzfelds zu den einzelnen Sendern weitergeleitet. Es wird hier entschieden, welche Modulation wohin, in welchen Sender gehen soll."

Der Techniker in diesem Raum hat in jenen drei Minuten am Ende unserer Sendung viel zu tun, dann nämlich, wenn die Sprachen gewechselt werden. Er muss einstellen, welcher der fünf Sender in der nachfolgenden halben Stunde arbeiten wird, welche Antenne genutzt wird, auf welcher Frequenz und Modulation. Sollte die technische Anlage die Umschaltung aus irgendwelchen Gründen nicht schaffen, muss der Mitarbeiter hinauslaufen und manuell die Anlage umschalten. Dies passiert glücklicherweise aber nur in Ausnahmefällen. Folgen wir aber weiter dem Weg des Signals. Aus diesem kleinen Operationszentrum geht es durch einen Kabel in den Hauptsaal, in die eigentlichen Sender, weiter.

Ein Laie sieht in dem Saal auf den ersten Blick fünf große Schränke. Sie machen einen ziemlich starken Lärm, doch aus den Lautsprechern ist schon das zu hören, was unsere Hörerinnen und Hörer in der ganzen Welt empfangen können. In den Schränken verbergen sich die eigentlichen Sender, von denen heute - wie bereits erwähnt - drei in Betrieb sind.

"Der Aufbau der Senderzellen wurde 1969 vollendet. Die Anlagen aus dem Betrieb Tesla Hloubetin waren damals sehr modern und auch heute, nach 30 Jahren, erfüllen sie alle Anforderungen. Sie erreichen eine Maximalleistung von 120 kW - wir betreiben sie auf 100 kW, so wie es Radio Prag wünscht. Der Frequenzumfang liegt bei 5 bis 23 Megazyklen, doch bei den höheren Frequenzen ist der Betrieb schon schwieriger. "

Im Sender wird das Signal auf die gewünschte Frequenz multipliziert und wandert weiter zu den Umschaltern. Die ersten befinden sich noch im Hauptsaal, die weiteren in kleinen Häuschen hinter dem Hauptgebäude. Dort wird die richtige der 24 Antennen eingeschaltet und das gewünschte Azimut gewählt. Die Antennen wurden Ende der 60er Jahre installiert, als der Umbau vollzogen wurde. Sie wurden danach aber einer durchgehenden Modernisierung unterzogen. Dabei blieb die Richtung, das Azimut wurde eingehalten, nur die Antennen wurden beseitigt und durch neue, moderne Anlagen ersetzt. Die letzte Antenne wurde vor zwei Jahren eingesetzt. Und welche von allen diesen Antennen trägt unsere Stimmen zu Ihnen, in die deutschsprachigen Länder?

"Für Deutschland nutzen wir überwiegend diese Antenne gleich neben dem Gebäude. Ihr Azimut beträgt 260°. Sie ist so konstruiert worden, dass ihr Strahl sehr breit ist. Sie kann daher ganz Westeuropa erreichen."

Autor: Olaf Barth
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