In Prag Kokain, in Ostrau Pervitin: Drogenrückstände im Abwasser

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Will man wissen, welche Drogen konsumiert werden, werden normalerweise Polizisten oder Sozialarbeiter zu Rate gezogen. In Tschechien wurde nun eine neue Methode ausprobiert: Chemiker haben in den städtischen Kanalisationen Abwasser auf Drogenrückstände untersucht und so eine Karte des tschechischen Rauschgiftkonsums erstellt.

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks
„Jede Stunde wird eine kleine Probe entnommen und am Ende des Tages hat man zweieinhalb Liter Abwasser für die Analyse zusammen.“

So erklärt Jiří Ježek, der Chef der Brünner Kanalisationsüberwachung, das Verfahren. Die Proben aus zehn tschechischen Städten werden anschließend in das Zentrallabor der Wasserwirtschaftsbetriebe nach Prag geschickt und ausgewertet. Věra Očenášková leitet das Forscherteam im Labor:

„Pervitin haben wir zum Beispiel in Ostrava / Ostrau häufiger als in Prag oder Pilsen entdeckt, in Prag haben wir dagegen mehr Kokain als in den anderen Städten gefunden.“

Michal Miovský (Foto: ČTK)
Pervitin ist die tschechische Bezeichnung für Crystal – außer in Ostrau wird es noch in Ústí nad Labem / Aussig am häufigsten konsumiert. In Plzeň / Pilsen dagegen steht Heroin an der Spitze, in Brno / Brünn nehmen die Abhängigen vor allem Ecstasy.

Diese Methode, den Drogenkonsum zu messen, stößt aber bei jenen Experte auf Kritik, die täglich mit den Suchtkranken arbeiten. Denn die Ergebnisse der Abwasserstudie würden nicht mit den Erfahrungen und Erhebungen der Streetworker und Therapeuten übereinstimmen, sagt Michal Miovský. Er ist Chefarzt für Suchterkrankungen an der Prager Uniklinik:

Foto: Tomáš Adamec, Archiv des Tschechischen Rundfunks
„In der Tschechischen Republik konsumieren geschätzte 200.000 bis 400.000 Menschen Cannabis. Sie nutzen die Droge regelmäßig, es handelt sich dabei nicht um das einmalige Ausprobieren. Daher würde es mich doch sehr interessieren, warum diese Studie das nicht wiedergibt.“

Die Ergebnisse der Studie seien zwar interessant, müssten deswegen aber immer auch mit den Erfahrungen und dem Wissen der Experten vor Ort sinnvoll kombiniert werden, so Miovský. Auch die Chemikerin Věra Očenášková vom Labor der Wasserwirtschaftsbetriebe warnt vor einer Überinterpretation der Ergebnisse:

Věra Očenášková (Foto: ČT24)
„Wir analysieren Abwasser und stellen dort Drogenspuren fest. Der daraus abgeleitete Drogenkonsum, wie zum Beispiel von Heroin, entsteht durch eine sehr komplizierte Berechnung. Ich würde zur Vorsicht beim Umgang mit der Studie raten, weil dort eine ganze Reihe von verschiedenen Faktoren einberechnet sind. Die Ergebnisse sollten als sehr vorläufig gewertet werden.“

Einer Sache ist sich die Wissenschaftlerin aber sicher: Weitere Studien hätten gezeigt, dass sich im Trinkwasser keine Spuren der Drogen nachweisen ließen und daher niemand Angst haben müsse, durch das Trinkwasser abhängig zu werden.