Prager Buchmesse feiert 30. Geburtstag: Svět knihy startet in Jubiläumsjahrgang

Das Buch auf Prager Buchmese

Am Donnerstag beginnt in Prag die Buchmesse Svět knihy (Welt des Buches). Gastland ist in diesem Jahr Portugal, aber auch die deutschsprachige Literatur ist wieder vertreten.

Die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk aus Polen ist einer der besonderen Ehrengäste der diesjährigen Prager Buchmesse. Die Svět knihy findet bereits zum 30. Mal statt. Radovan Auer ist der Direktor der Messe und sagte gegenüber Radio Prag International:

Radovan Auer | Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Ich freue mich auf jeden Jahrgang gleich, aber dieser ist wegen des Jubiläums natürlich besonders. Wir wollen jedoch nicht nur zurückschauern und uns an früher erinnern. Ja, es wird auch Rückblicke geben. Aber wir wollen vor allem nach vorn schauen, denn mit 30 ist man ja eigentlich noch jung. Für uns bedeutet das, dass wir versucht haben, verstärkt junge Autoren ins Programm zu holen.“

In die Karten spielt dem Team dabei laut Auer auch, dass in diesem Jahr der Literaturpreis der Europäischen Union am Rande der Messe in Prag vergeben wird. Die Auszeichnung wird seit 2009 von der EU an Nachwuchs-Autoren verliehen, die Belletristik verfassen und europaweit bekannter gemacht werden sollen. Die Übergabe findet stets am Rande bedeutender Buchmessen statt, so etwa bereits in Paris, Leipzig und Brüssel.

Frankfurt wirft Schatten voraus

Apropos ausländische Buchmessen: Die tschechische Literaturszene bereitet sich derzeit bereits auf die Großveranstaltung in Frankfurt im kommenden Jahr vor. Dort nämlich wird Tschechien offizielles Gastland sein. Welche Auswirkungen hat das auf die diesjährige Svět knihy? Radovan Auer stellt zunächst die allgemeine Bedeutung des Gastlandauftrittes heraus:

„Gast in Frankfurt zu sein, bedeutet in der Literaturwelt, die Olympischen Spiele auszutragen. Das ist wirklich eine große Nummer, und der heimische Markt muss darauf vorbereitet sein. Wir versuchen, dies durch unseren CEE Book Market zu begünstigen. Dort treffen Agenten, Verleger und weitere Akteure zusammen.“

Man wolle zwar weiterhin eine Messe vor allem für die Leserinnen und Leser sein, so Auer. Das Branchentreffen, das Akteure aus Mittel- und Osteuropa vereint, findet aber bereits zum dritten Mal statt – und es wird wohl auch künftig eine große Rolle spielen. Im vergangenen Jahr hatten sich über 90 Personen angemeldet, und in diesem Jahr sind bereits Registrierungen aus Großbritannien, Deutschland, Ungarn und der Ukraine eingegangen, aber auch aus weiter entfernten Ländern wie Taiwan und Vietnam. Neben dem Netzwerken werden die Verleger und Agenten auch die Gelegenheit haben, Fachvorträgen zu lauschen, bei denen es etwa um die Verfilmung literarischer Werke geht.

Deutschsprachige Literatur im portugiesischen Straßencafé

Das Gastland der Prager Messe ist in diesem Jahr Portugal. 2024 war diese Ehre anlässlich des Kafka-Jubiläums der deutschsprachigen Literatur zuteilgeworden. Radovan Auer blickt zurück:

Foto: Ina Daučíková,  Goethe-Institut

„Die deutschsprachige Literatur – das war ein guter Jahrgang. Es konnten große Namen nach Prag geholt werden. Da sich Österreich, Deutschland und die Schweiz schon seit Langem unter dem gemeinsamen Slogan ‚Das Buch‘ präsentieren, war die Kooperation problemlos. Ich denke, es war einer der besten Durchgänge.“

Unter dem Label „Das Buch“ werden sich die deutsche, österreichische und schweizerische Literatur in diesem Jahr erneut vorstellen – wenn auch im etwas kleineren Rahmen als 2024. Zu den Gästen zählt unter anderem der schweizerisch-isländische Schriftsteller Joachim B. Schmidt, dessen Kriminalromane in der isländischen Einöde spielen. Aus Deutschland reist etwa Hengameh Yaghoobifarah an. Yaghoobifarahs Buch „Ministerium der Träume“ beschäftigt sich mit iranischstämmigen Jugendlichen und rassistischer Gewalt im Ostdeutschland der 1990er Jahre. In diesem Jahr erscheint der Titel in Übersetzung von Kateřina Bártková auch auf Tschechisch.

Jitka Nešporová und Petra Kulovaná | Foto: Ferdinand Hauser,  Radio Prague International

Petra Kulovaná ist die Leiterin der Bibliothek des Goethe-Instituts und hat für die Kultureinrichtung das Programm von „Das Buch“ mitorganisiert. Auf welchen Gast freut sie sich besonders?

„Auf Katharina von der Gathen und Anke Kuhl. Das ist ein Autorenduo, das Kinderbücher produziert. Anke Kuhl ist zudem Comicillustratorin. Das Buch der beiden heißt ‚Radieschen von unten‘, und es geht darin um den Tod. Dieses Thema wird heutzutage häufig in den Schulklassen besprochen, und das Buch ist wirklich sehr schön.“

Die österreichische Literatur wird unter anderem durch Stefanie Sargnagel vertreten. Jitka Nešporová vom Österreichischen Kulturforum verweist zudem auf einen weiteren Gast: Sabine Scholl, die in Prag ihren Roman „Transit Lissabon“ vorstellt…

Sabine Scholl | Foto: Uta Tochtermann,  Goethe-Institut

„Dieser Roman passt perfekt zum Ehrengast der heurigen Buchmesse, weil er in Portugal spielt. Die Handlung ist in der Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt. Die Autorin konzentriert sich auf die Beischreibung der damaligen Schicksale von Frauen – Intellektuellen und Künstlerinnen. Dieses Narrativ ist bis jetzt wenig erforscht, und deshalb denke ich, dass dieses Buch ein literarisches Ereignis sein kann. Ich würde mir auch wünschen, dass es einmal auf Tschechisch erscheint.“

Für die Messe aber wurden immerhin schon Ausschnitte übersetzt, denn wie in den vergangenen Jahren werden die Lesungen stets auf Deutsch mit tschechischer Verdolmetschung stattfinden. Der Messestand von „Das Buch“ wird im Pavillon B des Messegeländes in Holešovice zu finden sein. Im vergangenen Jahr wurde der Stand zum schönsten der Svět knihy gekürt. Wie wird er dieses Mal aussehen?

„Wir haben teilweise an das Design des vergangenen Jahres angeknüpft und arbeiten mit dem gleichen Architektenduo zusammen. Der Stand wird eine längliche Form haben und soll quasi wie eine Haltestelle anmuten. Wir laden die Gäste ein, bei uns Halt zu machen, sich die Bücher anzuschauen, sich auf die Bank zu setzen und mit uns in den Dialog zu treten. Es ist eine Art Straßencafé, was teilweise auch mit dem Flair des Ehrengastes Portugal zusammenhängt – dessen Stand befindet sich gleich in der Nachbarschaft.“

'Das Buch' auf der Prager Buchmesse | Foto: Hana Slavická,  Radio Prague International

Jenseits von Prag

Im Rahmen des Programms von „Das Buch“ wird auch ein ganz besonderes Vorhaben aus der Taufe gehoben: das Projekt „Jenseits von Prag“, für das der Brünner Verlag Větrné mlýny mit dem Goethe-Institut kooperiert. Wie Petra Kulovaná erläutert, wurden dafür zwölf Schriftsteller nach Tschechien eingeladen.

Marion Brasch | Foto: Amrei-Marie,  CC BY-SA 4.0

„Sie kommen aber nicht nach Prag, sondern in die Kreishauptstädte. Ihr Ziel im Rahmen der Residenz wird es sein, eine Erzählung zu schreiben, die den Namen der Stadt trägt. Der Autor oder die Autorin soll darin Eindrücke verarbeiten, die er oder sie vor Ort gewonnen hat. Die Texte werden dann gesammelt, ins Tschechische übersetzt und erscheinen in einer Anthologie, die bei der Frankfurter Buchmesse 2026 vorgestellt wird.“

Větrné mlýny plant dabei, die Texte auch auf Deutsch in der Publikation abzudrucken. Die ausgewählten Autoren verbringen einen Monat in der jeweiligen Kreishauptstadt. Für das Projekt konnten einige große Namen der deutschsprachigen Literatur gewonnen werden: Judith Hermann etwa wird nach Brno / Brünn reisen, Marion Brasch nach Plzeň / Pilsen, und der Schweizer Peter Stamm nach Pardubice. Fünf der Schriftsteller werden während ihres Aufenthaltes auch nach Prag fahren, um dort ihre Texte vorzustellen und über ihre Zeit in Tschechien zu sprechen. Den Auftakt macht am Sonntag bei der Buchmesse ein Schriftsteller aus Berlin: Gregor Sander.

Judith Hermannn | Foto: Jindřich Nosek,  CC BY 4.0

„Er wird zur Zeit der Prager Buchmesse gerade in Ostrava sein und zu Besuch nach Prag kommen. In Zusammenarbeit mit dem Dramaturgen Lubomír Sůva wird er das Projekt vorstellen und vielleicht auch schon erste Eindrücke liefern.“

Zu den teilnehmenden Autoren am Projekt zählt ebenfalls Clemens Meyer, der einen Monat lang in Karlovy Vary / Karlsbad verweilt. Über seine Eindrücke wird er am Donnerstag kommender Woche im Prager Goethe-Institut berichten und dabei auch sein neuestes Buch „Die Projektoren“ vorstellen.

Die Prager Buchmesse beginnt am Donnerstag und dauert bis Sonntag. Alle Informationen zum deutschsprachigen Programm finden sich online unter www.dasbuch.cz.

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