Prager Fernsehturm wieder geöffnet

Fernsehturm in Prag-Žižkov (Foto: CzechTourism)
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Als der Fernsehturm in den Jahren 1985 bis 1992 gebaut wurde, hörte man von den Einwohnern der tschechischen Hauptstadt nur kritische Töne. Inzwischen haben sich die Prager offensichtlich an ihn gewöhnt. Der futuristische Turm im Stadtteil Žižkov wurde nach einer gründlichen Sanierung vor kurzem wieder eröffnet.

Restaurant „Oblaca“ (Foto: Eva Rajlichová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Eine Wendeltreppe, gesäumt von Fotos berühmter Fernsehtürme aus der ganzen Welt, führt vom Restaurant Namens „Oblaca“ in das Hotel. Es wurde erst während der jetzigen Renovierung des Turms eingerichtet. Aus einer Höhe von 66 Metern bietet sich ein schöner Blick auf ganz Prag. Das Sechs-Sterne-Hotel hat jedoch nur ein einziges Appartement, so der Chef des Restaurants, Vratislav Gregor:

„Wenn jemand bei uns im Fernsehturm die Hochzeit feiert, bekommt er die Übernachtung im Hotel von uns als Geschenk. Und wenn hier eine Firma eine Veranstaltung organisiert, bieten wir den Aufenthalt im Hotel als Preis für die Tombola an. Gerade vor kurzem erst hat jemand diesen Aufenthalt gewonnen.“

Fernsehturm in Prag-Žižkov (Foto: CzechTourism)
Das zwischenzeitlich etwas abgenutzte und wenig freundliche Interieur des Fernsehturms hat sich während der Sanierung grundsätzlich gewandelt. Die Räumlichkeiten sind für Besucher kaum wieder zuerkennen. Für die Neugestaltung sorgte Architekt Adam Jirkal mit seinen Kollegen vom Architekteatelier SAD.

„Die ursprünglichen technologischen Anlagen wurden bedeutend reduziert. Dadurch hatten wir plötzlich fast zweimal mehr Raum als zuvor zur Verfügung. Und diesen Raum konnten wir nutzen.“

Den Fernsehturm hat eine Privatgesellschaft von der Tschechischen Radiokommunikationsgesellschaft für 20 Jahre gemietet. Bald soll auch die Umgebung des Fernsehturms neu gestaltet werden. Im Park am Fuß des Turms sollen ein Gartenrestaurant, eine kleine Open-Air-Bühne sowie ein Minigolf-Platz entstehen, erzählt Roman Lain, der Geschäftsführer der Firma, die den Turm gemietet hat.

Roman Lain (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Leider gefallen unsere Pläne einigen Leuten nicht. Vor allem der Mini-Golf-Platz und das Gartenrestaurant wurden kritisiert. Wir haben inzwischen aber die Baugenehmigung und werden mit den Arbeiten anfangen.“

Neben dem Restaurant und einer Bar in 66 Metern Höhe können die Besucher noch das so genannte „Observatorium“ in einer Höhe von 93 Metern nutzen. Hier lässt sich in Hängestühlen – den so genannten „Bubble-Chairs“ – entspannen und die Aussicht auf Prag genießen. Dabei ist der Klang der Hauptstadt zu hören: die astronomische Uhr vom Altstädter Ring, der Gesang der Vögel im Stromovka-Park sowie das Rattern einer Pferdekutsche.

Aussicht vom Prager Fernsehturm (Foto: Archiv Tower Park Praha)
Der Fernsehturm wurde nach einem Entwurf von Architekt Václav Aulický und des Statikers Jiří Kozák errichtet. Mit dem Bau wurde in den letzten Jahren des Kommunismus begonnen, seine Fertigstellung erlebte das Regime aber nicht mehr. Die kreativen Prager haben dem Turm verschiedene Spitznamen gegeben: Nach dem einstigen Chef der Kommunisten wurde er beispielsweise „Jakešs Finger“ genannt. Mittlerweile lieben sie aber ihren Turm, auch weil der Künstler David Černý seine Babys an den Stehlen des 216 m langen Turms empor klettern lässt.