Prager Herz-Jesu-Kirche: Tschechien und Slowenien wollen sie als Unesco-Denkmal

Herz-Jesu-Kirche

Vergangene Woche wurde in Prag das Jahr des Architekten Plečnik feierlich eröffnet. Der slowenische Architekt Josip Plečnik, der vor 140 Jahren geboren wurde, war in den Jahren 1920 bis 1934 in der damaligen Tschechoslowakei tätig. Er beteiligte sich vor allem am Umbau der Prager Burg. Plečnik schuf in der Stadt an der Moldau jedoch auch einen ungewöhnlichen Sakralbau: die monumentale Herz-Jesu-Kirche im Prag-Vinohrady. Dieses Jahr wird der Bau 80 Jahre alt. Nun bemüht sich Tschechien zusammen mit Slowenien um die Eintragung des Kulturdenkmals in die Unesco-Weltkulturerbeliste.

Herz-Jesu-Kirche
Die imposante Herz-Jesu-Kirche auf dem Georg-von Podiebrad-Platz (náměstí Jiřího z Poděbrad) stellt eine Dominante des Stadtteils Vinohrady dar. Die Verwaltung des dritten Prager Stadtbezirks versucht, mehr Touristen in die Kirche zu führen. Die Bürgermeisterin des dritten Prager Bezirks, Vladislava Hujová, hofft deswegen auf das Gelingen des Unesco-Projektes:

„Wir bemühen uns gemeinsam mit der slowenischen Seite darum, dass die Herz-Jesu-Kirche neben anderen Werken von Josip Plečnik möglichst bald in die Weltkulturerbeliste der Unesco eingetragen wird. Ich glaube, der dritte Bezirk hat es verdient, dass die Prager Denkmalschutzzone auf diese Weise erweitert wird.“

Josip Plečnik
In Tschechien steht die Herz-Jesu-Kirche mittlerweile unter besonderem Denkmalschutz: Vor zwei Jahren wurde sie für zum Nationalen Kulturdenkmal erhoben. Bei den Bemühungen um die Eintragung in die Unesco-Liste arbeiten tschechische Kunsthistoriker mit ihren slowenischen Kollegen zusammen. Der Vorschlag sei von den Verordneten des dritten Prager Stadtbezirks gekommen, sagt der erste Rat der slowenischen Botschaft in Prag, Jakob Štunf:

„Wir waren von Anfang an sehr froh, dass uns an dem Unesco-Projekt beteiligen können. Die beiden Kulturministerien arbeiten sehr eng zusammen. Soeben fand in Ljubljana die zweite Runde der Gespräche statt, bei denen ein Plan ausgearbeitet wird, um die gemeinsamen Bemühungen voranzutreiben. Wir hoffen, dass wir mit unserem Projekt Erfolg haben können.“

Jakob Štunf, Ivan Vavřík, Pavel Sladkovský, Vladislava Hujová, Michal Beneš und Zdenek Wasserbauer (Foto: Archiv des Stadtbezirks Prag 3)
Ist in Slowenien auch Plečniks Prager Herz-Jesu-Kirche bekannt? Jakob Štunf:

„Josip Plečnik oder Jože Plečnik, wie es slowenisch heißt, ist zweifelsohne der bekannteste slowenische Architekt. Es ist allgemein bekannt, dass er auf der Prager Burg tätig war. In den Fachkreisen weiß man auch über seine Arbeit an der Herz-Jesu-Kirche. Ich meine, dass die gemeinsame Initiative zur Popularisierung von Plečniks Werken, die in Prag entstanden sind - einschließlich der Sakralarchitektur - beitragen wird.“

Michal Beneš ist beim tschechischen Kulturministerium für die Unesco-Denkmäler zuständig. Er lobt die tschechisch-slowenische Zusammenarbeit. Bei den Werken von Plečnik handle es sich um eine einzigartige Verbindung moderner Architektur mit den Vorstellungen antiker Kunst, so der Experte:

Herz-Jesu-Kirche
„Im Turm der Herz-Jesu-Kirche gibt es beispielsweise eine herrliche, fast funktionalistische Rampe. Andererseits sind in der Kirche auch altchristliche, an die Antike erinnernden Elemente zu finden. Plečnik war in der Lage, beides so wunderbar zu verbinden, dass dies eine Synthese von höchster architektonischer Qualität ist.“

Anlässlich des Plečnik-Jahrs wurde im dritten Prager Stadtbezirk ein neuer Führer durch die Kirche herausgegeben. Ihn gibt es in drei sprachlichen Fassungen, darunter auch in Deutsch.