Prager Konferenz: Juden waren im Kampf gegen die Nazis aktiv
Die Mehrheit der fast 360.000 tschechoslowakischen Opfer des Zweiten Weltkriegs waren Juden. Die meisten von ihnen wurden in den Konzentrationslagern ermordet. Viele der tschechoslowakischen Juden haben aber ihr Schicksal in die eigene Hand genommen und mit der Waffe in der Hand gegen Nazi-Deutschland gekämpft. Mit diesem Thema hat sich eine internationale Historikerkonferenz in Prag beschäftigt.
Mehr als 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es aus Sicht der tschechischen Historiker in der Geschichte der Widerstandsbewegung immer noch viele weiße Flecken. Eine der Lücken zu schließen, das war die Aufgabe einer Konferenz über den Widerstandskampf der Juden in den Jahren 1939-1945, die das Historische Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften einberufen hat. Initiatorin Zlatica Zudova-Leskova meint, dass nur wenige Leute wissen, dass sich auch die tschechoslowakischen Juden maßgeblich am Kampf gegen die Nazis beteiligt haben:
"Viele Juden sind Mitglieder tschechoslowakischer Armeetruppen geworden, die im Ausland gekämpft haben - in der Sowjetunion, im Mittleren Osten, in Nordafrika, Frankreich oder Großbritannien. Dies ist eine historische Tatsache, die oft vergessen wird und die durch den Schmerz des Holocaust überschattet ist."
Zahlreiche jüdische Bürger schlossen sich unter den schweren Protektoratsbedingungen den illegalen Organisationen an, deren Ziel es war, das Land von den Nazis zu befreien und die Tschechoslowakei zu erneuern. Außerdem gründeten Juden auch eigene Widerstandsgruppen. Einige der ehemaligen Widerstandskämpferinnen und -kämpfer wurden von den Historikern eingeladen, um ihre Erinnerungen zu schildern. Unter den Zeitzeugen war auch Marketa Kohnova-Koutna. Kurz nach dem Beginn der Nazi-Okkupation verließ die damals 18-jährige mit ihrer Familie Prag und flüchtete nach Polen. Sie fand Arbeit beim britischen Konsulat in Katowice, heiratete und wollte mit ihrem Mann später nach Großbritannien übersiedeln. Durch Chaos nach dem Kriegsausbruch wurde sie jedoch nach Lemberg verschlagen. Am ersten Tag des sowjetisch-deutschen Kriegs wurde sie dort verhaftet und sieben Monate lang in der russischen Stadt Verchnij Ural gefangen gehalten, erzählt Frau Koutna:"Aus Ural flüchtete ich und kam danach nach Mittelasien. Ich dachte daran, Mitglied der polnischen Armee zu werden. Aber man wollte keine Juden in der Armee haben. Ich wanderte eineinhalb Jahre herum, dann landete ich in Buzuluk und dort meldete ich mich in die entstehende tschechoslowakische Armee. Ich war beim ersten tschechoslowakischen Feldbataillon tätig und hatte einen guten Posten in der Musterungskommission. Und ich kehrte nach Prag zurück."
So einfach, wie es Marketa Koutna erzählt, war der Weg nach Prag natürlich nicht. Denn mit der tschechoslowakischen Brigade nahm sie unter anderem an den Kämpfen um Kiew teil. In der Tschechoslowakei erwartete sie nach dem kommunistischen Putsch abermals das Gefängnis. Als sie mit ihrer Mutter und ihrem Mann geplant hatte, nach Israel auszuwandern, wurde ihr Man verhaftet. Sie hat ihn nie mehr gesehen, weil er im kommunistischen Gefängnis starb.
Das Schicksal des tschechischen und slowakischen jüdischen Widerstandes wird nun erstmals in einem Tagungsband dokumentiert.







