Prager Konferenz über Zerfall der UdSSR schwelgte mehr in Nostalgie

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Prag ist seit Jahren eine Konferenzstadt. Und auch dieser Tage fand mit einer internationalen Außenministerkonferenz im Tschernin-Palast wieder eine in ihrer Bedeutung über die Landesgrenzen hinaus reichende Konferenz in der Moldaumetropole statt. Lothar Martin war für Radio Prag zugegen.

Lothar, was kannst Du uns Näheres zu dieser Konferenz sagen?

"Die Außenministerkonferenz war auf Initiative der Tschechischen Republik zustande gekommen und befasste sich mit einer der großen Fragen des 20. Jahrhunderts, nämlich der: Warum ist es vor ziemlich genau zehn Jahren zum Zerfall der ehemaligen Sowjetunion gekommen? Wäre der "Untergang" des ehemaligen Riesenreiches vermeidbar gewesen? Und: Was konnte und kann man aus den Ereignissen von vor zehn Jahren für die Entwicklung in Europa und in der Welt ableiten?

Zu dieser Konferenz, die unter der Schirmherrschaft des tschechischen Außenministers Jan Kavan stand, waren u.a. die ehemaligen, in dieser Zeit im Amt befindlichen Außenminister Polens, Ungarns, Italiens, der Niederlande und der Sowjetunion erschienen sowie als besonderer Ehrengast der damalige Präsident Südafrikas Frederik de Klerk."

Ein großes Thema. Konnte die Konferenz zu dieser Problematik Neues zu Tage fördern oder gar Impulse setzen?

"Ich glaube, es war eher eine Reminiszenz an die Ereignisse von vor zehn Jahren, denn eine gezielte Aufarbeitung. Dazu fehlten vor allem die großen Vier der Weltpolitik, die ehemaligen Außenminister der USA, Frankreichs und Großbritanniens, die damals das Sagen hatten, sowie auch der Ex-Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, der seine Teilnahme kurzfristig abgesagt hatte. Der ehemalige und anwesende sowjetische Außenminister Boris Pankin vertrat zwar die Ansicht, dass ´man die ehemalige Sowjetunion möglicherweise anhand neuer Grundsätze hätte umbauen können, indem man sowohl demokratische als auch marktwirtschaftliche Reformen vollzogen und so zu einem großen Teil dem Chaos und den ökonomischen Zusammenbrüchen vorgebeugt hätte, die dem Zerfall der UdSSR gefolgt sind,´ doch ich sehe das nicht so. Angesichts der Tatsache, dass sich auch kein aktueller Politiker bei dieser Konferenz gezeigt hat, kann man davon ausgehen, dass von dieser Konferenz kein entscheidender Impuls für die Entwicklung in den ehemaligen Sowjetrepubliken ausgehen wird. Die Konferenz wird vielmehr nur als kleine Fußnote in die riesige Anzahl von in Prag stattgefundenen internationalen Konferenzen eingehen."