Prager Kunstakademie beklagt politischen und wirtschaftlichen Druck

Akademie der bildenden Künste in Prag

Die Kulturinstitutionen in Tschechien befinden sich in letzter Zeit unter einem steigenden wirtschaftlichen und ideologischen Druck – so beklagt es die Leitung der Prager Akademie der Bildenden Künste (AVU).

Diese Tendenzen seien nicht nur in den Medien spürbar, sondern auch in der staatlichen Kulturpolitik. Dies stelle einen Eingriff in die Grundlagen der demokratischen Gesellschaft dar, heißt es in einer Erklärung, die AVU-Rektor Tomáš Pospiszyl am Donnerstag veröffentlichte. Sie trägt außerdem die Unterschriften dreier Prorektoren und der Wirtschaftsverwalterin der Kunstakademie.

Tomáš Pospiszyl | Foto: Tomáš Vodňanský,  Tschechischer Rundfunk

Die Autoren mahnen in dem Text an, dass Kultur und Kunst nicht eine einzige richtige Meinung bestätigen oder einer Ideologie dienen sollten:

„Ihr Wesen ist es, einen Raum für Vielfalt zu öffnen, für kritisches Denken und für die Fähigkeit, die Welt aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Umso wichtiger ist es, dass sie frei bleiben und gleichzeitig stabile Existenzbedingungen haben – einschließlich einer adäquaten öffentlichen Unterstützung.“

Der Hochschulleitung zufolge arbeiten im Kultursektor Tschechiens rund eine Viertel Million Menschen. Die Branche habe direkten und indirekten Einfluss auf die gesamte Bevölkerung, so der Hinweis. Die Akademiker fordern deswegen, die problematischen Tendenzen genau zu benennen und eine öffentliche Debatte darüber zu führen.

Oto Klempíř | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Die Erklärung der AVU ist nicht die erste kritische Stellungnahme aus der Kunstszene Tschechiens, seit Oto Klempíř (parteilos) für die Autofahrerpartei Motoristé sobě das zuständige Ressort übernommen hat. Gegen die Etatkürzungen gab es auf der Prager Kleinseite schon eine Demonstration von Studenten, vor dem Kulturministerium findet ein Dauerhappening statt. Und Anfang April richteten die künstlerischen Leiter der Schauspielsektion des Nationaltheaters einen offenen Brief an Klempíř, bisher aber ohne eine Reaktion erhalten zu haben.

Autor: Daniela Honigmann | Quelle: ČTK
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