Prager Zoo: Die Rettung der Przewalski-Pferde und das erste Schuppentierbaby Europas
Das erste in Europa gezüchtete Schuppentier ist einer der größten Erfolge des Zoologischen Gartens in Prag. Es gibt aber auch zahlreiche Artenschutzprojekte im Freiland, an denen sich der Zoo aktuell beteiligt. Die Auswilderung Przewalski-Pferde ist das bekannteste davon.
Elefanten, Affen, Bären oder etwa Giraffen: Denkt man an einen Zoo-Besuch, stellt man sich eben diese Einwohner als erste vor. Im Folgenden werden aber ganz andere, manchmal ziemlich unbekannte Tierarten genannt. Denn die Tiere der Öffentlichkeit zu zeigen, ist nicht das einzige Anliegen von zoologischen Gärten. Gut geführte Zoos leisten ebenso einen wichtigen Beitrag zu Artenschutz, Umweltbildung und Forschung. Und das ist auch im Zoologischen Garten in Prag der Fall. Sein Direktor Miroslav Bobek hat gegenüber Radio Prag International über die Rettungsprogramme sowie über seltene und bedrohte Tierarten gesprochen, auf die die Einrichtung in Prag setzt.
Die Auswilderung der letzten Wildpferde der Erde
Insgesamt über 700 Tierarten sind in den Pavillons, Wasserbecken, Volieren und Gehegen am rechten Ufer der Moldau und dem anliegenden Hang im Prager Stadtteil Troja zu Hause. In dem nach der asiatischen Wüste Gobi benannten Bereich leben auch die letzten Wildpferde der Erde, die Przewalski-Pferde. Die Zucht dieser Huftiere und ihre Auswilderung in der Mongolei und in Kasachstan machten den Prager Zoo berühmt. Direktor Miroslav Bobek fährt fort:
„Die ersten Przewalski-Pferde kamen schon in den 1930er Jahren in den Prager Zoo. Aber noch wichtiger ist, dass sie sich hier vermehren konnten und den Zweiten Weltkrieg gut überstanden. Sie wurden danach sehr wichtig für die Erhaltung dieser Art in menschlicher Obhut, also in Zoos. Denn in den späten 1960er Jahren sind sie in der freien Wildbahn komplett ausgestorben. Es war schon Jahrzehnte zuvor bekannt, dass dies bevorstand. Daher wurde 1959 in Prag eine Weltkonferenz zur Rettung des Przewalski-Pferdes ausgetragen. Kurzum, wir bauen auf dem auf, was unsere Vorgänger geleistet haben, und machen den nächsten Schritt. Und zwar versuchen wir, die Przewalski-Pferde nach Asien zurückzubringen, in die dortigen Steppen und Halbwüsten.“
In der Vergangenheit wurden Przewalski-Pferde mit Militärflugzeugen in die westliche Mongolei transportiert. Aktuell laufen zwei weitere Projekte: Zum einen wird die Wiederansiedlung in der östlichen Mongolei vorbereitet. Und zum anderen fand im vergangenen Jahr zum ersten Mal eine Luftbrücke mit Przewalski-Pferden in die Goldene Steppe in Zentralkasachstan statt. Ein Flugzeug startete von Prag, ein anderes von Berlin aus, mit denen insgesamt sieben Przewalski-Pferde transportiert wurden. Ihre Rückführung nach Kasachstan soll auch in diesem Jahr fortgesetzt werden, bis zu 50 Pferde will man dort auswildern.
Mit dem „Wandernden Bus“ zu den Gorilla in Kamerun
Die Lieblingstiere des tschechischen Publikums sind die Gorillas. Dazu hat schon vor 20 Jahren ein Projekt des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Rundfunks beigetragen – eine Art Reality Show, bei der man monatelang das Leben im Gorilla-Pavillon online beobachten konnte. Gorillamännchen Richard war zu sehen, ebenso die Weibchen Shinda und Kijivu und das kleine Weibchen Moja, geboren 2004 in Prag.
„Moja musste später in einen anderen Zoo gehen, sie konnte nicht bei ihrem Vater bleiben. Aber es freut mich sehr, dass ihre Tochter Duni nach dem Bau eines neuen Gorillapavillons wieder nach Prag gekommen ist. Und jetzt hat sie hier sogar auch ein Junges. Wir haben im Moment zwei Gorillapavillons. Einer befindet sich im unteren Teil des Gartens, wo Mojas Vater Richard und seine beiden Söhne leben – es ist also eine männliche Gruppe. Und dann haben wir einen neuen Pavillon mit einer Familiengruppe: Kisumu ist das führende Männchen, weiter leben dort Mojas Tochter Duni und jetzt auch Mojas Enkelin.“
Auf die Reality-Show folgt heute ein weiteres Projekt, und die dadurch gesammelten Gelder werden in den Gorillaschutz in Kamerun investiert. Der Schwerpunkt von „Toulavý autobus“ (Der wandernde Bus), so der Name des Projekts, liege auf der Aufklärung der Menschen und Kinder vor Ort, so Bobek:
„Ziel dieses Projekts ist es, jenen Kindern, die in der Nähe von Gorillas leben, sie aber nur als Fleisch auf dem Teller kennen, Gorillas als faszinierende Lebewesen zu zeigen. Denn sie haben diese Menschenaffen meist noch nie lebend gesehen, sondern nur als Essen. ‚Der wandernde Bus‘ bringt die Kinder zu den Gorillas im Rettungszentrum Mefou. Es gibt auch andere Bildungsaktivitäten mit dem Bus, aber die Reise zu den Gorillas ist die Hauptsache.“
Die ersten Schuppentier-Babys in Europa
Ein weiteres Rettungsprogramm des Prager Zoos ist auf eine weniger bekannte Tierart ausgerichtet: Die Schuppentiere leben üblicherweise in Südasien und in Afrika südlich der Sahara. Als einzige unter den Säugetieren haben sie eine Körperbedeckung mit großen, überlappenden Hornschuppen. Allerdings sind die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum sehr bedroht:
„Sowohl in Südasien als auch in Afrika werden sie zur Fleischgewinnung gejagt. Zudem verwenden die Chinesen ihre Schuppen in der traditionellen chinesischen Medizin. Deswegen sind die Schuppentiere einem enormen Jagddruck ausgesetzt.“
Er habe sich schon lange gewünscht, die Schuppentiere in den Prager Zoo zu holen, gesteht Bobek ein:
„Es muss gesagt werden, dass es sehr schwierig ist, sie zu bekommen und zu züchten. Wir haben hier nun eine der asiatischen Arten aus Taiwan. Und wir sind einer von nur zwei Zoos in Europa, die sie besitzen. Es ist also wirklich eine Seltenheit. Und es ist bereits gelungen, dass sich das erste Paar vermehrt hat. Wir haben hier zwei Jungtiere, es sind die überhaupt ersten in Europa.“
Die Riesensalamander und Čapeks „Der Krieg mit den Molchen“
Seit etwa 15 Jahren leben außerdem die Riesensalamander in Prag. Die Zucht dieser großen Lurche war einer der ersten Wünsche Bobeks, als er die Leitung des Zoos übernahm. Die Gründe dafür seien nicht nur zoologischer, sondern auch literaturhistorischer Art gewesen:
„Zum einen sind die Riesensalamander heute die größten Amphibien der Welt. Es sind wirklich faszinierende Tiere. Aber es gibt noch weitere Gründe, von denen ich nur den wichtigsten erwähnen möchte: Die Riesensalamander inspirierten den berühmten tschechischen Schriftsteller Karel Čapek zu seinem Buch ‚Der Krieg mit den Molchen‘. Wo sonst sollte man also die Riesensalamander zeigen, wenn nicht hier in Prag, wo Karel Čapek lebte?“
Der Prager Zoo engagiert sich sehr für die Erhaltung von Arten in menschlicher Obhut, aber auch in ihrem natürlichen Lebensraum. Seit 2008 beteiligt er sich an den Projekten zur Rettung des Gangesgavials, eines Krokodils mit einer langen, schmalen Schnauze, das ernsthaft vom Aussterben bedroht ist. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war sein Gesamtbestand um mehr als 95 Prozent zurückgegangen. Weiter schildert Miroslav Bobek:
„Wir finanzieren die Forschung, die von den Indern und einem Amerikaner durchgeführt wird. Dank unserer Förderung konnten wir eine Reihe sehr wichtiger Aspekte aus dem Leben des Gavials herausfinden und somit zu dessen Schutz beitragen. Vor kurzem wurde auch eine Arbeit veröffentlicht, die die Bedeutung des Ghara klärt. Dabei handelt es sich um einen großen Pompon auf der Schnauzenspitze des Männchens. Sie kommunizieren damit, geben kurze Tonimpulse von sich und erkennen sich dadurch gegenseitig. Es ist ein ziemlich wichtiges Organ für die erwachsenen männlichen Tiere.“
Das Geier-Restaurant
Bisher war über Säugetiere, Amphibien und Reptilien die Rede, und wir haben über das Engagement des Prager Zoos in Afrika und Asien gesprochen. Ein weiteres Rettungsprogramm bezieht sich jedoch auf Vögel und den alten Kontinent: Der Aasgeier ist die kleinste der vier in Europa lebenden Geierarten und leider auch die am stärksten gefährdete Art. Der Prager Zoo beteiligt sich an der Zucht und an einem Projekt, bei dem in menschlicher Obhut geschlüpfte Jungtiere wieder in die Natur in Südeuropa freigelassen werden.
„Sie müssen auf die Rückkehr in die Wildnis vorbereitet werden. Früher wurden herangewachsene Küken in die Nester ausgesetzt, aber das funktionierte nicht gut. Es stellte sich heraus, dass es viel besser ist, sie eine längere Zeit in großen Volieren am Auswilderungsort zu halten und erst dann freizulassen. Zudem stellt sich immer das Problem, ob ihr einstiger Lebensraum überhaupt noch existiert und so funktioniert, dass die Tiere dort bleiben.“
Bei den Geiern sei etwa die Nahrung eine Herausforderung, nennt Bobek ein Beispiel:
„Sie sind Aasfresser, und in der freien Natur gibt es nicht viel Aas. Und wenn es dieses schon gibt, dann ist es oft von Bleischrot oder Arzneimitteln belastet, die für die Vögel giftig sind. So finanzieren wir zum Beispiel den Betrieb eines Geier-Restaurants, in dem die Geier ungefährliches Fleisch bekommen.“
Zu erwähnen bleibt noch, dass eigentlich jeder Zoobesucher auch zum Schutz bedrohter Tierarten in freier Wildbahn beiträgt. Denn von jeder verkauften Eintrittskarte werden acht Kronen (32 Eurocent) für entsprechende Projekte verwendet. Wer will, kann zudem direkt auf das Konto 43-6804660247/0100 mit dem Namen „Pomáháme jim přežít“ (auf Deutsch: „Wir helfen ihnen, zu überleben“) spenden.
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