Presseschau

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Die allgemein vorherrschende Angst vor biologischen Waffen sowie weitere aktuelle Aspekte des Kampfes gegen den Terrorismus waren die tragenden Themen der Kommentare in den Dienstag-Ausgaben der tschechischen Tageszeitungen. Martina Schneibergova fasst zusammen.

In einem Kommentar mit dem Titel "Sich vor weißem Pulver nicht fürchten" stellt die auflagenstärkste Tageszeitung Mlada fronta Dnes einleitend fest, die Panik, die sich im Land verbreitet hat, sei verständlich. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen einer vernünftigen Vorsicht und der Panik. Es stelle sich die Frage - so der Kommentar -, ob die Tageszeitungen über blinde Alarmmeldungen überhaupt berichten sollten und ob damit die Panikmache nicht nur noch gestärkt werde. Es handle sich jedoch nicht nur um eine unbegründete Hysterie, denn eine reale Gefahr existiere - meint der Autor. Die Öffentlichkeit könne - so der Autor weiter - den Journalisten glauben, dass sie über die Gefahr jetzt mit einer maximalen Rücksicht schreiben, um keine unnötige Angst zu verbreiten.

Die in ganz Europa herrschende Angst vor Anthrax ist auch das Thema eines Kommentars in der "Lidove noviny". In diesem wird festgestellt, dass die westliche Welt mit ihren hohen hygienischen Standards und einer gut ausgestatteten medizinischen Infrastruktur die Grundvoraussetzungen dafür habe, der Gefahr Stirn zu bieten und die Katastrophe zu verhindern. Bedeutend schlechtere Aussichten hätte im Falle einer globalen Epidemie die Mehrheit der Länder der dritten Welt. Wenn heute eine Gruppe von Fanatikern die Pandora-Büchse mit biologischen Kampfmitteln wirklich öffnen würde, würde sie vor allem die ärmsten und die am wenigsten entwickelten Regionen auf dem Gewissen haben, hieß es in der "Lidove noviny".

In derselben Zeitung befasst sich Jehuda Lahav in einem Kommentar mit dem Titel "Eine friedliche Belagerung" mit der entgegenkommenden Haltung der Vereinigten Staaten und Großbritanniens den Palästinensern gegenüber. Die Amerikaner bräuchten nämlich die Palästinenser in ihrer Antiterrorkoalition, hieß es. Es scheine - so der Kommentator - dass die Lage der Palästinenser nie besser gewesen sei. Die von den USA und deren Verbündeten versprochene Unterstützung sei jedoch mit der Erfüllung der eindeutigen Forderung verknüpft worden, dass die Palästinenser auf den Weg der Gewaltanwendung und des Terrorismus verzichten werden. Warnungen vor Gewaltanwendungen seien auch Israel gegenüber laut geworden. In Wirklichkeit entwickelten die Amerikaner - so der Kommentator - einen harten Druck auf beide Seiten. Man könne sagen, sowohl die Israelis als auch die Palästinenser befinden sich jetzt im Stand einer friedlichen Belagerung, meinte der Autor.