Presseschau

Auch am Donnerstag bringen die tschechischen Tageszeitungen Meinungen von Politologen, Sicherheits- sowie Wirtschaftsexperten und befassen sich wiederholt mit dem Verlauf der tragischen Ereignisse vom. Hören Sie mehr in der folgenden Presseschau von Martina Schneibergova und Daniel Satra.

"Das Ende der Sicherheit - man muss damit leben" lautet der Titel eines Artikels in der auflagenstärksten tschechischen Tageszeitung Mlada fronta Dnes. Deren Washingtoner Mitarbeiter stellt einleitend fest, der Anschlag gegen die USA werde den Lauf der folgenden Jahre, bzw. Jahrzehnte ändern. Es beginne - so der Kommentator - die Ära des sogenannten "grauen Krieges", der dem Weltkrieg und dem kalten Krieg folgt. Man weiß, dass es einen Feind gibt, man sieht jedoch nicht, wer dieser Feind ist. In dieser Ära muss sich Amerikas Blick auf die Welt sowie seine Stellung in der Welt ändern, heißt es in dem Artikel. Vor zehn Jahren sagte man, es nähert sich das "Ende der Geschichte". Liberale demokratische Systeme und der Kapitalismus triumphierten und man hat davon Nutzen gezogen. Die Kräfte, die bereit sind, zu töten und das allein um des Tötens und Vernichtens willen, sind stärker. Die Ära der "grauen Kriege" hat auch uns alle erreicht, meint der Kommentator abschließend.

"Die Amerikaner erwartet das israelische Syndrom" heißt einer der Kommentare der Tageszeitung Lidove noviny, in dem dessen Autor David Shorf darüber nachdenkt, wie sich das Alltagsleben eines Durchschnittsbürgers der USA verändern wird. Bald werden die Amerikaner etwas erleben, was man das "israelische Syndrom" nennen kann, meint Shorf und beschreibt, wie in Israel z. B. in jedem Supermarket am Eingang Taschen kontrolliert werden. Die Israelis seien auf ihren Lebensstil, der an den Kriegsstand erinnert, gewöhnt. Für die Amerikaner kommt diese Änderung von einem Tag auf den anderen. Jagdflugzeuge und Raketen helfen im Kampf gegen selbstmörderische Terroristen nicht. Aus dem Grund muss sich der Teil der Welt, der Menschenleben achtet, einigen und eine Siegerstrategie erdenken, betont der Kommentator abschließend.

Unter dem Titel "Die Last der Ungeduld" schenkt die Tageszeitung Pravo in einem ihrer Artikel den Stimmen Aufmerksamkeit, die zu gemäßigten Reaktionen auffordern. Dies klinge - so Pravo - vernünftig, es sei jedoch eigentlich überflüssig, da sich kein Staatsmann am Anfang eines Kriegs erlauben würde, unüberlegt zu handeln. Es ist jedoch eine andere Frage, wie der US-Präsident und das Pentagon mit dem Druck der Öffentlichkeit umgehen werden. Der Kommentator erinnert an die Bilder von Menschen, die sich mit dem Sprung aus dem Hochhaus zu retten versuchten und andererseits an die Aufnahmen von jubelnden Palästinensern. Es wird sehr schwer sein, zu erläutern, dass diese begeisterte Menschenmenge aus den Fernsehaufnahmen nur ein manipulierter Feind ist. Für die Kenner des Islams wird es genauso schwer sein, die Amerikaner sowie die Europäer davon zu überzeugen, dass die Aggressivität der islamischen Fundamentalisten nicht vom Koran ausgeht. Aufforderungen zum Morden von Menschen, die Gott auf eine andere Art ehren, dienen machtgierigen Wahnsinnigen, die sich nach der Macht über die Welt sehnen. Diese Menschen, die dank ihres Reichtums oder ihrer Stellung, alle Errungenschaften der westlichen Technik nutzen können, hetzen dann durch eine Ideologisierung des Islams die moslemische Welt gegen die westliche Zivilisation auf. Sie stehen übrigens vielleicht auch hinter dem Massenmord unschuldiger Zivilpersonen in den USA, stellt der Kommentator fest und fügt hinzu: Von gemäßigter Handlung kann keine Rede sein. Es geht darum, dass die USA das richtige Ziel für ihre Gegenmaßnahme finden. Dies kann noch eine Geduldsprobe für die US-Bürger bedeuten. Es ist jedoch eine begründete und große Ungeduld, die noch stärker werden könnte, wenn sie nur den geringsten Grund für das Gefühl hätten, dass sie allein sind, hieß es in der Pravo.