Prognose: Tschechische Wirtschaft wächst weiter kräftig

Foto: Ken Teegardin, Flickr, CC BY-SA 2.0

Das Jahr 2020 ist noch keinen Monat alt, doch führende Finanz- und Wirtschaftsexperten in Tschechien haben schon einen Blick in die Zukunft gewagt. Auf Nachfrage des Tschechischen Rundfunks haben sie sich zu den Aussichten der hiesigen Volkswirtschaft für die Jahre 2020 und 2021 geäußert.

Illustrationsfoto: Ken Teegardin, Flickr, CC BY-SA 2.0
Die Zentralbank in Prag, das Finanzministerium und andere Institutionen sind sich einig: Die tschechische Wirtschaft wird in diesem Jahr um zwei bis zweieinhalb Prozent wachsen. Es gäbe keinen Grund, schwarzzumalen oder eine Krise zu befürchten, heißt es. Worauf dieser Optimismus basiert, erläutert Michal Skořepa. Er ist Ökonom bei der Česká spořitelna a.s., also der tschechischen Sparkasse und Tochter der österreichischen Erste Bank-Gruppe:

„Man holt sich den Optimismus von dort, wo bisher Pessimismus vorherrschte. Das heißt, die Krise im Ausland ist nicht so groß, wie man vermutet hat. Man sah es als ein Problem an, dass die tschechische Wirtschaft ziemlich klein und offen ist. Doch nun scheint es so, als ob sich zumindest für einen gewissen Zeitraum die Wolken verzogen haben.“

Josef Středula (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)
Die Unsicherheit wegen des Brexit wurde durch das Ergebnis der vorgezogenen Parlamentswahlen in Großbritannien hinweggejagt. Und die Befürchtungen über die mögliche Ausweitung des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits wurden insofern abgeschwächt, weil beide Länder weiter verhandeln wollen. Auch deshalb hält der Chef des Gewerkschaftsdachverbandes (ČMKOS), Josef Středula, an seinen relativ optimistischen Plänen für das Jahr 2020 fest:

„Auf jeden Fall werden wir weiter für eine Anhebung des Mindestlohns und der Gehälter insgesamt kämpfen. Gern würden wir aber auch unser Vorhaben umsetzen, dass die Beschäftigten in den Branchen mit körperlich schwerer Arbeit früher in den Ruhestand treten können als bisher. Dies zum einen, damit diese Arbeitnehmer noch weitgehend gesund und ohne Abzüge in Rente gehen können. Zum anderen sollte ihre schwere Arbeit in der Gesellschaft gewürdigt und im Rentensystem entsprechend berücksichtigt werden.“

Helena Horská (Foto: Archiv der Raiffeisenbank)
Auf dem Arbeitsmarkt rechnet man in diesem Jahr ohnehin mit häufigeren Entlassungen als in den zurückliegenden Jahren, bemerkt die Ökonomin der Raiffeisenbank, Helena Horská:

„Ich denke, dass wir im Jahr 2020 auch wieder öfter traurige Nachrichten zu hören bekommen. Also Meldungen, dass eine Firma ihren Betrieb einstellt oder eine andere Pleite macht. Der Grund dafür ist logisch: Einige Unternehmen werden dem mehrfachen Druck nicht mehr standhalten können. Es ist der Druck, der durch Lohnerhöhungen, höhere Betriebskosten, teurere Energiekosten, steigende Mieten und höhere Kosten für jegliche Dienstleistungen erwächst.“

Das ändert aber nichts daran, dass gute Fachkräfte weiter auf dem Arbeitsmarkt fehlen werden. Das treibt die Löhne weiter nach oben. Dies aber sei eine gute Nachricht für den Staatshaushalt, schlussfolgert Horská:

„Wie in den letzten zwei Jahren, so profitiert auch der aktuelle Haushalt ungemein vom Lohnanstieg. Und zwar wegen der höheren Steuereinnahmen wie auch der höheren Versicherungsbeiträge. Hinzu kommen mehr Einnahmen aus Verbrauchs- und Mehrwertsteuer. Wenn aber Konsum und Verbrauch wieder sinken, weil die Löhne langsamer steigen, hat dies auch einen geringeren Geldzufluss in den Etat zufolge. Und dieses Geld wird dem Staat fehlen.“

Jiří Rusnok (Foto: Jana Přinosilová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Eine Verschlechterung der Wirtschaftslage sei auch im kommenden Jahr nicht zu erwarten. Im Gegenteil, das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 sollte seine für dieses Jahr prognostizierte Höhe noch übertreffen. Das erwartet jedenfalls der Gouverneur der Tschechischen Nationalbank, Jiří Rusnok:

„In die Nähe ihres Steigerungspotenzials von annähernd drei Prozent kehrt die tschechische Wirtschaft erst im Jahr 2021 zurück.“

Dies würde bedeuten, dass die Wirtschaftskraft des Landes schon das achte Jahr in Folge zunehmen würde. Ob aber auch eine zehnjährige Steigerung wie von 1999 bis 2008 erreicht werden kann, hängt nicht zuletzt von den Tschechen selbst ab. Denn für den Wirtschaftszuwachs der vergangenen Jahre sind vor allem ihre gestiegene Kaufkraft und der damit verknüpfte Konsum verantwortlich.