Bessere Konjunkturaussichten für Tschechien, aber weiter hohe Inflation

Das tschechische Finanzministerium hat am Mittwoch seine neueste Konjunkturprognose für das Land veröffentlicht. Demnach dürfte es in diesem Jahr sogar ein Mini-Wachstum geben. Doch die Inflationsraten bleiben vorerst hoch.

Zbyněk Stanjura | Foto: Regierungsamt der Tschechischen Republik

Während im vergangenen Jahr das tschechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 2,5 Prozent gewachsen war, sahen die Prognosen für dieses Jahr eher schlecht aus. Doch Finanzminister Zbyněk Stanjura (Bürgerdemokraten) konnte am Mittwoch in Sachen Konjunktur eine leichte Entwarnung geben:

„Wir prognostizieren, dass die tschechische Wirtschaft in diesem Jahr nicht schrumpft – so, wie wir noch im Januar gedacht hatten. Stattdessen gehen wir von einem leichten Wachstum aus, das 0,1 Prozent betragen dürfte. Die weiteren Aussichten sind dann jedoch gut: Für kommendes Jahr sehen wir ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 3,0 Prozent.“

Grund für die besseren Konjunkturaussichten in diesem Jahr ist der Außenhandel. Das heißt, der Export kompensiert wenigstens teilweise die mangelnde Nachfrage der tschechischen Haushalte, die unter den hohen Inflationsraten leiden.

Dass sich aber die Teuerung wieder auf Normalwerte abschwächt, wird noch eine gewisse Zeit dauern. Das Finanzministerium sieht sogar für die nächsten Monate leicht höhere Raten, als noch im Januar angenommen.

„Die Jahresinflationsrate wird 2023 bei knapp über zehn Prozent liegen. Im kommenden Jahr dürfte sie aber auf 2,4 Prozent absinken. Das bedeutet eine Rückkehr zu normalen Zeiten“, so Stanjura in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

ČNB | Foto: Filip Jandourek,  Tschechischer Rundfunk

Zwei Prozent Inflation ist im Übrigen auch das langfristige Ziel der Tschechischen Nationalbank (ČNB).

Allerdings warnen einige davor, die mittelfristigen Aussichten zu positiv zu formulieren. Dominik Stroukal ist Mitglied des Nationalen Wirtschaftsrates der Regierung (NERV). Der Ökonom hält die Prognose für die Inflationsrate im kommenden Jahr nur unter der Voraussetzung für realistisch, dass nicht erneut unerwartete geopolitische oder sonstige Probleme die Welt oder Tschechien treffen:

„Es besteht eine ganze Reihe an Risiken – ob nun der Krieg in der Ukraine oder die Probleme des Bankensektors in den USA. Und wir haben vielleicht die Corona-Pandemie schon zu schnell wieder vergessen. Falls etwas davon eintritt, dann können sich die Prognosen auch wieder ändern. Die mittelfristigen Aussichten sind zwar klar, aber mit einer großen Portion Unsicherheit behaftet.“

Illustrationsfoto: kalhh,  Pixabay,  Pixabay License

Immerhin gibt es eine eindeutig positive Nachricht: Die niedrige Arbeitslosenquote in Tschechien wird weiterhin Bestand haben. Für dieses Jahr rechnet das Finanzministerium mit 3,0 Prozent, für das kommende mit 2,8 Prozent.

Autoren: Till Janzer , Jan Bílek
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