Programmkongress: Die Sozialdemokraten im Selbstfindungsprozess
Im Oktober stehen die nächsten die Senats- und Kommunalwahlen in Tschechien an. Die Sozialdemokraten wollen endlich wieder punkten. Sie sind zwar stärkste Partei, kommen aber nicht gegen eine breite konservative Koalition an. Selbstfindung ist angesagt. Christian Rühmkorf über die Programmkonferenz der Sozialdemokraten.
„Die Regierungsparteien kennen nur eine Ideologie: Streichen, streichen, streichen.“
Der bürgerdemokratische Premier Petr Nečas habe seine Regierung nicht unter Kontrolle. Die Macht halte Finanzminister Kalousek von der jungen Partei Top 09 in Händen, so Sobotka weiter:„Die eigentliche Tragödie ist Finanzminister Kalousek. Ein ehemaliger Christdemokrat, der gemeinsam mit anderen Christdemokraten eine völlig neue Partei gegründet hat. Top 09 verlässt sich vor allem darauf, dass die Menschen schnell vergessen.“
Kalousek ist für die Opposition ein rotes Tuch. Er steht als Finanzminister für flächendeckende Lohnkürzungen, Streichungen bei den Sozialleistungen, eine Flexibilisierung des Arbeitsrechtes. Die konservative Regierung bietet einer Linksopposition eine große Angriffsfläche. Doch die Sozialdemokraten müssen sich nach der am Ende gescheiterten aggressiven Oppositionspolitik ihres Vorsitzenden Jiří Paroubek erst einmal einen neuen Stil finden, der die Wähler wieder anspricht. Auf der Programmkonferenz diskutierten daher zum Beispiel der Soziologe Jan Keller und der Philosoph Václav Bělohradský.
„Unter der Führung Paroubeks war die Partei innerlich geeint. Das ging aber auf Kosten der Beziehung zur Gesellschaft.“Urteilt der Philosoph Bělohradský. Paroubek hat – obwohl eingeladen – nicht am Kongress teilgenommen. Für den sozialdemokratischen Abgeordneten Jaroslav Foldyna ein überfälliger Richtungswechsel:
„Das sind tatsächlich Anzeichen einer echten Selbstreflexion der Sozialdemokraten. Ich hatte allerdings erwartet, dass das früher und einschneidender stattfinden wird.“
Die Programmkonferenz nur drei Wochen vor den Wahlen kann als Signal an die Wähler verstanden werden, dass mit den Sozialdemokraten zu rechnen ist.







