Protest: Lehrer streiken gegen Neuregelung des Lehrergehalts

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Einen Tag nach dem St. Nikolaus-Tag bekamen die Schüler an einigen Schulen in Tschechien am Mittwochmorgen von den Lehrern ein unerwartetes Geschenk: der Unterricht begann erst um 9 Uhr. Die Lehrer haben kurzfristig einen einstündigen Streik ausgerufen, um gegen die geplante Neuregelung des Lehrergehalts zu protestieren.

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Die Lehrer sollen nach den Plänen des Bildungsministeriums nicht mehr nach der Anzahl der Dienstjahre und nach ihrem Bildungsgrad entlohnt werden. Über die Höhe der Lehrergehälter soll künftig der zuständige Schuldirektor entscheiden. Die geplante Änderung in der Berechnung der Lehrergehälter stieß auf Kritik und führte zu einem Protest. Gestreikt wurde vor allem in Mähren, in Prag fiel die erste Unterrichtsstunde nur an 40 Schulen aus. Der Chef der Schulgewerkschaft František Dobšík über die Gründe für den Streik:



František Dobšík (links). Foto: ČTK
„Wir kritisieren nicht nur den Mangel an finanziellen Mittel für die Lehrergehälter, sondern auch die Reduzierung der Gelder für die Lehrmittel und Schulbücher. Der Staat behandelt das Bildungswesen sehr stiefmütterlich. Für die Vorbereitung des Protests haben wir nur zwei Tage gehabt. Wir wollten aber der Regierung zeigen, dass wir mit den Plänen des Bildungsministers nicht einverstanden sind.“

Bildungsminister Josef Dobeš zeigt für die kritischen Worte des Gewerkschaftsbosses kein Verständnis und erklärt:

Josef Dobeš (Foto: ČTK)
„Ich habe vier Milliarden Kronen (160 Millionen Euro) aus dem Haushalt des Schulressorts für die Lohnerhöhungen ab Januar ausgegliedert. Alle Lehrer, ob hoch qualifizierte oder schlecht qualifizierte werden mehr Geld bekommen.“

Unzufrieden mit den geplanten Änderungen bei der Entlohnung sind vor allem ältere Lehrerinnen und Lehrer, die in Tschechien die Mehrheit ausmachen. Sie befürchten, dass ihr Gehalt bis auf 20.000 Kronen (800 Euro) sinken könnte, also auf das Niveau von Berufseinsteigern. Jan Veselý ist Direktor der General-Píka-Grundschule in Ostrava:

„Wenn die Neuregelung in die Tat umgesetzt wird, würde sie sich auf jeden Lehrer negativ auswirken können. Auch erfahrene Lehrer könnten dann um rund 5.000 Kronen (200 Euro) monatlich weniger verdienen.“

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Bildungsminister Dobeš meint dagegen, dass die Neuregelung für alle Lehrer vorteilhaft wäre. Zudem wird den Schuldirektoren mehr Raum für die Abstufung der Löhne geboten.

„Wir stellen höhere Ansprüche an die Schuldirektoren. Zudem räumen wir ihnen mehr Kompetenzen und Verantwortung ein. Ich ermögliche ihnen, dass sie genauso wie die Chefs von Firmen, die Höhe der Gehälter beeinflussen können und nicht nur von den Lohntariftabellen abhängig sind.“

Dem Streik schlossen sich am Mittwochmorgen im ganzen Land 1620 von insgesamt 10.000 Schulen an. Unterstützt wurde der Protest von rund 25.000 Lehrern, also ein Viertel der Lehrer in den Kindergärten, der Grund- und Mittelschulen. Die unzufriedenen Lehrer sind fest entschlossen, im Januar wieder zu protestieren, falls auch das Kabinett die Neuregelung der Gehälter unterstützt.