Radsportler aus Olbernhau in Prag – Sportlegende Täve Schur mit dabei

Täve Schur (Foto: Stefan Welzel)

Seit 19 Jahren richtet der Erzgebirgsort Olbernhau eine Radsportveranstaltung aus. Diese „Olbernhauer Radtour“ hat tschechisch-deutsche Dimensionen. Zudem fahren die Radsportler aus Olbernhau seit sechs Jahren zum Saisonabschluss nach Prag. Das geschieht selbstverständlich zünftig, also auf Drahteseln. Am Freitag vergangener Woche fuhren also wieder insgesamt 15 Radsportler in die tschechische Hauptstadt, wo sie im Sächsischen Verbindungsbüro in Prag empfangen wurden - mit dabei auch DDR-Radsportlegende Täve Schur.

Täve Schur in Prag (Foto: Stefan Welzel)
Zweimal hat er in 1950er Jahren die Internationale Friedensfahrt gewonnen, er war der erste große Sportstar der DDR: Täve Schur ist heute 81 Jahre alt. Doch er hat es sich nicht nehmen lassen, erstmals nach Prag mitzufahren. Die 135 Kilometer im Fahrradsattel meisterte er ohne größere Probleme:

„Ich fühle mich gut, das muss ich ehrlich sagen. Aber ich bin natürlich glücklich darüber, dass ich hier angekommen bin. Das ist ja keine leichte Fahrt hierher: oben über die Berge hinweg und an den Kohlegruben vorbei – da roch es laufend nach Kohle.“

Für Täve Schur war die Fahrt zudem mit Erinnerungen verbunden: an frühere Friedensfahrten und vor allem an seinen tschechischen Hauptkonkurrenten Jan Veselý, der 2003 verstorben ist:



Jan Veselý (Foto: Roger und Renate Rössing, Deutsche Fotothek, Creative Commons 3.0)
„Jan Veselý war ein Humanist, ein sehr aufrechter Mann. Ich hatte eine gute Beziehung zu ihm und zu seiner ganzen Familie. Ich habe ihn auch hier zu Hause besucht. Jan Veselý war ein fairer Gegner, das ist eigentlich eine Seltenheit. Zum Beispiel hat er mich einmal im Stadion überspurtet, und es hat ihm selbst leid getan, dass er das geschafft hat. Das habe ich gemerkt. Daran erkennt man den wahren Menschen: der mitdenkt und mitfühlt. Und Jan Veselý war so einer.“

Täve Schur nimmt bereits seit Jahren an der Olbernhauer Radtour teil, so war auch der Kontakt für die Fahrt nach Prag zustande gekommen. Gert Hauptlorenz ist Mitorganisator der Fahrt:

„Ich kenne Prag von der DDR-Zeit her. Ich war hier sehr oft, ich habe mich hier immer wehr wohl gefühlt, wir hatten auch sehr viele Bekannte. Der Mensch, die Kultur, die Geschichte – das möchte ich gerne weitergeben an alle, die mit uns mitgefahren sind.“

Gekennzeichnete Fahrradwege grenzüberschreitend: Gert Hauptlorenz übergibt Projektstudie an Stefanie Rehm (Foto: Stefan Welzel)
Über die Olbernhauer Radtour besteht seit vier Jahren ein reger Kontakt mit Sportlern aus Litvínov / Oberleutensdorf. Ein Teil des Radrennens, das immer am dritten Augustwochenende stattfindet, führt über tschechisches Gebiet. Und daraus entstand auch die Idee zu einem sächsisch-nordböhmischen Projekt:

„Der Wunsch der Teilnehmer ist, markierte und ausgeschilderte, vom Belag her ordentliche Radwege zu haben. Da wir grenzüberschreitend denken, haben wir das 2008 alles in einem Projekt für das Erzgebirge erarbeitet.“

Doch bisher konnten die Olbernhauer keine Unterstützung für ihr Projekt finden. Deswegen nutzte Gert Hauptlorenz am Ziel einen Empfang im Sächsischen Verbindungsbüro in Prag. Er übergab Büroleiterin Stefanie Rehm die Projektstudie zur Durchsicht:

Foto: Stefan Welzel
„Jeder sagt: Das Geld ist zu knapp. Geld ist immer knapp, man muss bloß wissen, wo es den richtigen Topf gibt. Und das möchten wir erreichen, deswegen habe ich versucht, über Frau Rehm an Kontakte zu kommen. Und vielleicht haben wir da Glück.“

Nicht so viel Glück hatte Täve Schur. Er wollte das Grab von Jan Veselý finden, um einen Blumenstrauß und ein Blumengebinde niederzulegen. Doch vor Ort ließ sich das Grab nicht ausmachen. Nun will er sich erst einmal informieren und überlegt, kommendes Jahr deswegen noch einmal nach Prag mitzufahren.

Autor: Till Janzer
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