Reaktionen zum Treffen der Sudetendeutschen

Edmund Stoiber, Foto:CTK

Der Sudetendeutsche Tag in Nürnberg hat eine Reihe von Reaktionen in Tschechien hervorgerufen. Eine Zusammenfassung bringt jetzt Dagmar Keberlova.

Edmund Stoiber, Foto:CTK
Die tschechischen Politiker haben in Reaktionen auf die Aussagen von Edmund Stoiber beim Sudetendeutschen Treffen in Nürnberg wiederholt, dass sie über die Benes-Dekrete mit niemanden mehr verhandeln werden. Der tschechische Premier Milos Zeman hat am Sonntag die Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei verteidigt. Weder die tschechische noch die slowakische Nation hätten die direkten oder indirekten Schuldigen des Weltkrieges nach Theresienstadt, Majdanek, Ausschwitz oder in andere Konzentrationslager geschickt, sondern ihnen im Gegenteil "einen Wunsch erfüllt". Zeman kritisierte in seiner Rede auch Eigentumsforderungen von Seiten der Vertriebenen. "Ein Erfüllen solcher Ansprüche wäre gegen das Gedenken jener, die in Theresienstadt starben oder eingesperrt waren", unterstrich Zeman. Der stellvertretende tschechische Premier Vladimir Spidla hat sich hingegen für eine symbolische Entschädigung bestimmter deutscher Vertriebenen ausgesprochen. Der Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds sollte über eine solche humanitäre Geste diskutieren. Zur Kritik seiner Aussage, die Vertreibung sei eine Quelle des Friedens nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen, sagte Spidla, dass seine Äußerungen der politischen Realität entsprechen würden.

Die tschechische Presse reflektiert das Treffen sowie die Reaktionen folgendermaßen: Die Wirtschaftszeitung Hospodarske noviny schreibt, dass die tschechischen und deutschen Politiker in absehbarer Zeit nichts besseres vorbringen werden als das, was sie vor 5 Jahren zustande gebracht haben. Wer die nachbarschaftlichen Beziehungen nicht verschlechtern will, sollte die Tschechisch-Deutsche Deklaration zunächst genau lesen, bevor er den Mund aufmacht. Beim Aufzählen von Unrechten werden die Vorwürfe nie ein Ende haben. Wenn die beiden Länder die Vergangenheit nicht wiederholen wollen, ist ein Herausbilden eines Zusammenlebens unvermeidbar, schreibt am Montag die Wirtschafts-Tageszeitung Hospodarske noviny. Die liberale Tageszeitung Mlada Fronta dnes wirft die Frage auf, ob die Krise im deutsch-tschechischen Verhältnis nun eher mit Schweigen oder mit neuen Verbalattacken überwunden wird. Sollte man die Probleme unter den Teppich kehren oder auf den Barrikaden bleiben? Die Tschechen denken, so Mlada fronta dnes, dass es trotz dauerhafter Bewölkung nicht mehr regnen wird. Darauf sollte man sich nicht verlassen. Das europäische Recht wird die Dekrete nicht akzeptieren und miteinander sprechen muss man, so der Kommentar in Mlada Fronta dnes. Die konservative Lidove Noviny stellt fest, dass Stoiber nichts überraschendes gesagt hat: die Vergangenheit lässt sich nicht vergessen, sie gehört zu unserer Gegenwart, deshalb müssen wir über sie sprechen und sie verarbeiten, auch wenn sie mit grauenhaften Taten gefüllt ist. In Tschechien werde leider, so die Tageszeitung Lidove Noviny, eher die andere Ebene Stoibers Rede - die es zweifellos gibt - betont, jener kritische Ton, der Prag eine uneuropäische Haltung zu altem Unrecht vorwirft. Schade. Statt Versöhnung und gegenseitiger Aufgeschlossenheit wird man über Frechheit und Revisionismus sprechen. Wer Feinde haben will, wird stets welche finden, schließt Lidove Noviny ihren Kommentar ab.