Reichweite der Kurzwelle und soziale Netzwerke in Tschechien

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Wie alle zwei Wochen ist es wieder an der Zeit unseren Briefkasten zu öffnen. Und im Hörerforum sagen wir Ihnen, was wir so alles darin gefunden haben.

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Willkommen zum Hörerforum, liebe Hörerinnen und Hörer. Zum Jahresbeginn sind recht viele Briefe und E-Mails bei uns angekommen. Sie äußern darin ihre Meinungen zu unterschiedlichen Themen, stellen aber auch einige Fragen, die wir beantworten möchten. Beginnen wollen wir mit dem Brief von Werner Hoffmann aus Güstrow. Das Jahr 2013 sei Geschichte, stellt er einleitend fest:

„Am letzten Tag des Jahres habe ich mir Ihre Sendung mit den besonders interessanten Interviews angehört. Das war sicher nicht einfach, aus den vielen gut gestalteten Sendungen eine Auswahl zu treffen. Doch ich meine, es ist Ihnen sehr gut gelungen. Nach wie vor interessieren mich die damalige Auflösung der Tschechoslowakei und die Bildung der beiden Staaten Tschechien und der Slowakei. Ich würde gerne einmal erfahren, wie die Menschen beider Länder das heute sehen? Haben sie sich damit abgefunden?“

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Viele Menschen in Tschechien haben sich damit abgefunden. Die Teilung des gemeinsamen Staates wird im Rückblick als eine Sache wahrgenommen, die heute nicht mehr in Zweifel gestellt wird. Radio Prag hat sich diesem Thema auch in einer kleinen Serie gewidmet, die Anfang des Jahres 2013 zusammen mit Radio Slowakei International gestaltet wurde. Sie hat unter anderem gezeigt, dass es in der Slowakei ein wesentlich größeres Interesse für Tschechien und die tschechische Kultur und Sprache gibt als umgekehrt.

Unser niederländischer Hörer Martien Post schreibt uns aus Großbeeren:

„Es freut mich, dass Radio Prag wieder mit einem deutschsprachigen Programm auf der Kurzwelle vertreten ist. Ich habe schon in den 1970er Jahren Radio Prag gehört, als ich noch in meiner Heimat, den Niederlanden, wohnte. Sie wirken somit dem seit mehr als 15 Jahren bestehenden Trend des so genannten 'Kurzwellensterbens' entgegen. Die Empfangsqualität war jedoch nicht überragend. Ich hatte gelesen, dass die Sendeleistung nur 17 kW betragen soll. Ist das richtig? Von wo aus wird das deutschsprachige Programm gesendet?“

Das deutschsprachige Programm wird über den Sender Kall-Krekel in der Eifel in Westdeutschland gesendet. Das neue Projekt Radio360.eu-Nacht sendet von dort die Auslandsprogramme von Radio Prag, Radio Slowakei International und vom Auslandsdienst des polnischen Rundfunks. Leider ist die Empfangsqualität tatsächlich ziemlich schlecht. Bessere Erfahrungen haben unsere Hörer mit der Sendung um 16:30. Das bestätigen auch die folgenden Zeilen aus dem Brief von Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus:

„Recht herzlichen Dank für die Zusendung der letzten QSL-Karte und des kleinen nützlichen Kalenders, so wie der netten Weihnachtsgrüße. Ich habe mich sehr über alles gefreut. Der Kalender hat wieder einen Ehrenplatz in meiner Radioecke bekommen. Der Empfang der Kurzwellensendungen ist weiterhin gut, die Sendungen sind gut und deutlich zu verstehen. Besonders die Sendung um 16:30 UTC. Nun hoffe ich, dass auch die Kurzwellensendungen über den Januar 2014 hinaus fortgesetzt werden. Die Kurzwelle hat immer noch ihren speziellen Reiz.“

Das hoffen wir auch. Lutz Winkler schreibt weiter zu unserem Programm:

„Im Kapitel aus der tschechischen Geschichte haben Sie einen Beitrag über die politischen Reden zum Jahreswechsel gebracht: Emotionen, platte Phrasen und ein komischer Auftritt. Ja, die Reden zum Jahreswechsel, ich muss ehrlich gestehen: ich habe bisher noch nie eine solche Rede gehört. Und ich finde es immer lustig, wenn "versehentlich" alte Reden eingespielt werden. Die Inhalte ändern sich ja sowieso nicht. Was mir aber an der Sendung gefallen hat: die Jahreswechselrede unter den verschiedenen Regimen. Im Kommunismus wurde diese Rede ja auch noch in der Zeitung abgedruckt, und ich kann mich erinnern, dass wir solche Reden immer analysieren mussten – was natürlich keine spannende Aufgabe war. Ich verfolge Radio Prag ja auch auf Facebook, und dazu hätte ich noch eine Frage: Was sind denn so die beliebtesten sozialen Netzwerke in Tschechien bei den Älteren und den Jugendlichen?“

Laut offiziellen Daten nutzen in Tschechien 3,8 Millionen Menschen Facebook. 72 % der Menschen auf Facebook sollen bis 36 Jahre alt sein, 56 % von ihnen sind unter 29 Jahre alt. Allerdings werden diese Zahlen in Frage gestellt. Die Zahl der tatsächlich aktiven User erreicht laut Schätzungen 1,8 Millionen. Das ist aber immer noch ein deutlicher Vorsprung vor der Konkurrenz. Twitter hat zurzeit etwa 160.000 User, dabei handelt es sich aber um eine Gesamtangabe für Tschechien und die Slowakei. Die Zahl der Nutzer dieser beiden Netze steigt kontinuierlich, in der letzten Zeit besonders bei Twitter. Dagegen sinkt die Beliebtheit der tschechischen Netzwerke. Lidé.cz (auf Deutsch also Leute.cz) hat heute etwa 880.000 User, Spoluzaci.cz (Mitschüler.cz) rund 620.000. Ziemlich beliebt unter den Jugendlichen ist noch der Chat- und Blogserver Libimseti.cz (Gefalle ich dir.cz), das zunächst als Partnersuche via Internet entstanden ist.

Gerald Schubert (Foto: Archiv Radio Prag)
Soweit die sozialen Netzwerke in Tschechien. Herr Winkler hat den speziellen Reiz der Kurzwelle erwähnt. Zu diesem Thema äußert sich auch Dietmar Wolf aus Hammelburg sehr ausführlich:

„Liebe Redaktion, mein Name ist Dietmar Wolf. Ich bin 47 Jahre alt, von Beruf Musiklehrer und höre Ihren Sender seit Jahren. Man könnte fast sagen ich bin Ihr Fan, denn ich schätze Ihr qualitativ hochwertiges Programm sehr. Ich habe die Sendung vom 01. Januar 2014 mit dem Interview von Ihrem Programmchef Gerald Schubert gehört und möchte dazu gerne etwas sagen. Das Thema Kostenkürzungen und die damit verbundene Aufgabe der Kurzwelle. Komisch dachte ich mir, denn ich höre Radio Prag auch auf der KW 3985 und 6005 kHz um 17.30 MEZ. Weiß Ihr Programmchef nicht, dass Sie doch noch auf der KW senden? Seine weitere Äußerung, dass der Wegfall der KW durch diverse Handy Apps und Internetpräsenz kompensiert wurde, kann und will ich so nicht stehen lassen, denn das stimmt nicht!“

In diesem Punkt möchte ich Herrn Wolf kurz unterbrechen. Selbstverständlich weiß unser Programmchef, dass Radio Prag auf der Kurzwelle immer noch präsent ist. Allerdings handelt es sich nicht um jene Form, wie sie bis 2011 normal war. Damals wurde Radio Prag über die Sender in der Tschechischen Republik mehrmals täglich ausgestrahlt und hat dafür auch die Kosten getragen. Gerald Schubert hat im Interview ja auch erwähnt, dass es immer wieder Angebote von anderen Kurzwellensendern gibt, die an unseren Inhalten interessiert sind und unsere Sendungen übernehmen. So ist Radio Prag teilweise mit seinen spanischen und englischen Sendungen wieder auf der Kurzwelle, und eben dank dem Projekt Radio360.eu-Nacht auch auf Deutsch. Nun aber Herr Wolf weiter über die Vorteile der Kurzwelle:

Reaktorkatastrophe in Fukushima (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Ich bin sicherlich kein ewig Gestriger und bin stets technischen Neuerungen aufgeschlossen, aber die KW ist zumindest zurzeit noch nicht eins zu eins zu ersetzen. Was haben sich die Leute in Fukushima (Japan) nach der Reaktorkatastrophe über Ihre Kurzwelle gefreut, als sie mit Ihrem Kofferradio 'News' empfangen konnten, denn Strom und Internet gab es erst mal nicht! Der oft zitierte Umweltschutz, das Senden im Internet verbraucht weniger Ressourcen wie Strom, stimmt definitiv nicht, günstiger wird es nur für den Sender. Was ist denn mit den ganzen Portalen nebst Servern, die dann die Sendungen via Podcast oder live streamen? Fakt ist, es wird mehr Strom verbraucht!“

Dietmar Wolf korrigiert auch die allgemeine Vorstellung über die hohen Kosten für die Ausstrahlung via Kurzwelle:

Foto: Ludek, Wikimedia CC 3.0
„Sicherlich haben auch bei Ihnen die Betriebswirtschaftler einfach eine Kostenrechnung aufgemacht und festgestellt, dass die Kurzwelle sehr kostenintensiv ist, es muss ja gespart werden. Tja das Problem an der Sache ist nur, dass diese Kostenrechnung falsch ist. Legen Sie doch bitte mal zugrunde, wie viele Hörer sie täglich erreicht haben, auch unterwegs mit einem kleinen Radio. Heute ist das anders. Sie haben definitiv weniger Hörer, was sehr Schade ist für Ihr sehr ansprechendes Programm. Würde man die KW-Kosten mit den Sendekosten für Internet und den tatsächlich erreichten Hörern gegenüberstellen, würde man feststellen, dass sich die Kurzwelle aufgrund der erheblich höheren Reichweite (erreichte Hörer) rechnen würde! Leider kennen Betriebswirte in der Regel nur Zahlen, deshalb muss man solche Personen für dieses Thema sensibilisieren, um ein Umdenken einzuleiten. Die ersten Kurzwellensender kommen bereits wieder auf die KW zurück, weil man einen eklatanten Hörerschwund feststellte! Ich selbst höre Ihre Sendungen im Moment meist mit meinem Internetradio circa zweimal wöchentlich, früher war es in der Tat fast täglich.“

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Vielen Dank, Herr Wolf, für die sehr interessante Sichtweise eines Hörers. Radio Prag ist sich seines Verlustes der Hörer nach der Abschaltung der Kurzwelle bewusst, allerdings wird nicht bei uns im Haus, sondern im Außenministerium darüber entschieden. Die höhere Reichweite, die über Kurzwelle zu erzielen wäre, würde bei uns übrigens keine finanziellen Probleme lösen: Wir sind kein Privatsender und machen keine Werbung. Eine Investition in die Wiederaufnahme eines eigenen Kurzwellenbetriebs, für die uns leider ohnedies die Mittel fehlen, hätte vorerst keine positive Auswirkung auf unser Budget und damit auf die Möglichkeiten zur Programgestaltung. Es ist also letztlich eine politische Entscheidung, wieviel Geld der Staat ausgeben will, um möglichst viele Menschen im Ausland zu erreichen und zu informieren. Dennoch suchen wir immer wieder nach anderen Wegen, um mit diversen Partnern auch über die Kurzwelle unsere Hörerinnen und Hörer zu erreichen.

Und damit ist unser Hörerforum schon wieder zu Ende. Schicken Sie Ihre Post doch bitte an Radio Prag, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Sie können uns natürlich auch eine Email schreiben. Die Adresse lautet deutsch@radio.cz. Machen Sie es gut, und auf Wiederhören in zwei Wochen!