Rettung statt Verkauf: Sanierung des Prager Invalidenhauses aus dem Barock startet
Nach jahrelangen Vorbereitungen hat am Mittwoch die Sanierung des barocken Invalidenhauses in Prag begonnen. Es handelt sich dabei um das bislang größte Investitionsprojekt des Nationalen Denkmalamtes. Wie der tschechische Premier Babiš beim feierlichen Baustart gegenüber Radio Prag International betonte, soll die Anlage zu einem neuen, lebendigen Kulturzentrum der Hauptstadt heranwachsen.
Mitglieder des Prager Philharmonischen Chors haben am Mittwoch die Sanierung des Prager Invalidenhauses feierlich eingeleitet. Nach der Fertigstellung des Großprojekts in drei Jahren wird der Chor dort, zusammen mit vielen weiteren Einrichtungen, seinen festen Sitz erhalten.
Das Invalidenhaus (tschechisch Invalidovna) ist ein barockes Monument im Prager Stadtteil Karlín. Das vom berühmten Architekten Kilian Ignaz Dientzenhofer entworfene Bauwerk wurde im 18. Jahrhundert nach dem Vorbild des Pariser Invalidenheims errichtet. Gegründet wurde es von Graf Peter Strozzi als Heim für Kriegsversehrte.
Heute wird die Anlage vom Nationalen Denkmalschutzamt (NPÚ) verwaltet, Seine Leiterin Naďa Goryczková hob die historische Bedeutung des Gründers hervor:
„Strozzi war ein bedeutender Diplomat und Soldat im Dienste des Kaisers. Nachdem er selbst schwer verletzt worden war und ein Jahr im Bett verbracht hatte, beschloss er, sein beträchtliches Vermögen einzusetzen, um seinen Kollegen – den Kriegsversehrten – zu helfen.“
Ursprünglich war eine riesige Anlage für bis zu 4000 Menschen geplant. Aufgrund akuten Geldmangels wurde jedoch nur ein Neuntel des monumentalen Entwurfs tatsächlich verwirklicht. Bis in die 1930er Jahre erfüllte das Haus seine Funktion als Veteranenheim. Später wurde es bis zum verheerenden Hochwasser im Jahr 2002 von unterschiedlichen staatlichen Institutionen genutzt. Im Laufe der Jahrzehnte diente die Anlage zudem als stimmungsvolle Filmkulisse für namhafte Produktionen, darunter Miloš Formans „Amadeus“ sowie Robert Eggers’ Horror-Remake Nosferatu. Erst 2017 erhielt der Komplex den höchsten Schutzstatus als Nationales Kulturdenkmal.
Unter den Rednern bei der feierlichen Zeremonie am Mittwoch war auch Premier Andrej Babiš (Partei Ano). Gegenüber Radio Prag International betonte er die historische Bedeutung des Vorhabens:
„Es ist ein großartiges Projekt. Auch die Vorgeschichte ist äußerst interessant: Als ich 2014 Finanzminister wurde, beabsichtigte der Staat noch, dieses monumentale, geschichtsträchtige und wertvolle Stück Prager Geschichte zu verkaufen. Die Leiterin des Nationalen Denkmalschutzamtes hat mich jedoch davon überzeugt, es nicht zu verkaufen und stattdessen einer umfassenden Sanierung zuzustimmen. Ich habe das Areal 2018 selbst besucht. Jetzt, acht Jahre später, bin ich froh, dass wir da sind. Die Anlage wird zweifellos zu einem neuen Kulturzentrum für Prag heranwachsen.“
An dem Auftakt nahm auch der tschechische Kulturminister Oto Klempíř (parteilos) teil:
„Unsere Priorität liegt darin, den Geist dieses monumentalen Barockgebäudes zu bewahren und es gleichzeitig um moderne Elemente zu ergänzen. So werden außerhalb des Hauptgebäudes zwei große, moderne Kuben entstehen, die zusätzlichen Raum und eine zeitgemäße Ausstattung bieten.“
Das weitreichende Sanierungsprojekt wird den tschechischen Staat rund 2,15 Milliarden Kronen (90 Millionen Euro) kosten. Doch trotz dieser Belastung der Staatskasse ist Premier Babiš fest davon überzeugt, dass die Summe gut angelegt ist:
„Eine solche Investition generiert nicht nur Mehrwertsteuereinnahmen, sondern zieht auch zahlreiche Touristen an, die Kaufkraft in die Stadt bringen. Das Pariser Vorbild, das Hôtel des Invalides, zeigt, welche enormen Synergien hier entstehen können. Ursprünglich sollte das Prager Invalidenhaus ja noch um ein Vielfaches größer werden. Doch obwohl nur ein Teil realisiert wurde, ist die Anlage riesig, und die jetzigen Pläne sind großartig. Daher freue ich mich sehr, dass wir Politiker hier zu einem konkreten Projekt beitragen können, anstatt nur Reden zu schwingen.“
Das Gebäude erhält künftig zwei Dauerausstellungen: eine zur Geschichte des Invalidenhauses und eine zu den Adelssitzen unter der Verwaltung des Denkmalschutzamtes. Die übrigen Räumlichkeiten werden als Restaurierungswerkstätten, Labore, Dokumentationsfonds und Studiensäle wissenschaftlich genutzt. Zudem sollen ein Multifunktionssaal, wechselnde Ausstellungsräume, ein modernes Besucherzentrum und ein einladendes Café das Ensemble bereichern. Und auch der Innenhof und die Gärten werden den Einwohnern und Besuchern Prags offenstehen.














