Roma-Proteste

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Noch am Montag, als die Ereignisse auf dem Prager Flughafen Gegenstand für Protestkundgebungen unterschiedlicher Art waren, wäre vermutlich allein die Möglichkeit einer Beendigung der Flughafenkontrollen ab dem 9. August als kühne Spekulation erschienen. Vielleicht aber hat ja gerade die Tatsache, dass die Kritik aus unterschiedlichen Richtungen kam, an verschiedene Adressen ging und in den letzten drei Wochen kaum abgeflaut ist, keinen unwesentlichen Anteil an der Einstellung der Kontrollen gehabt. Mehr dazu Silja Schultheis.

Bei einem Treffen mit dem Leiter der Europäischen Kommission in Prag, Ramiro Cibrian, brachten führende Roma-Vertreter ihren Wunsch zum Ausdruck, dass sich die Europäische Union mit den britischen Kontrollen auf dem Prager Flughafen beschäftigen sollte und erklärten damit die Situation der Roma-Minderheit in Tschechien zu einem Anliegen von gesamteuropäischem Interesse. Der Sprecher des Gremiums der regionalen Roma-Vertreter, Ondrej Gina, zeigte sich nach dem Treffen mit Cibrian zufrieden. Cibrian bemerkte jedoch einschränkend, dass es sich im Falle der Flughafenkontrollen um ein Abkommen zweier souveräner Staaten - der Tschechischen Republik und Großbritanniens - handele und die Europäische Union hier wenig Einfluss hätte.

Ebenfalls am Montag brachten Vertreter dreier Roma-Initiativen auf der Prager Burg ihre Befürchtungen über die Ausbreitung von Rassismus in der Tschechischen Republik zum Ausdruck und baten Präsident Vaclav Havel um moralische Unterstützung und um Schritte zur Versöhnung zwischen der Roma-Minderheit und der Mehrheits-Gesellschaft.

Einen stillen Protest gegen die Situation auf dem Prager Flughafen veranstalteten am Montag ca. 20 Roma-Vertreter im ostslowakischen Kosice.

Vor den Botschaften der Tschechischen Republik im Ausland und der britischen Botschaft in Prag hingegen wurde gestern anders als erwartet kaum demonstriert. Vergangene Woche hatte der Vorsitzende des Slowakischen Roma-Rates, Jozef Cervenak für Montag Protestkundgebungen vor den tschechischen Auslandsvertretungen in Warschau und Bukarest angekündigt. Sie kamen mangels Teilnehmer nicht zustande. Auch vor der britischen Botschaft in Prag fanden sich lediglich 7 junge Menschen ein.

In London hingegen demonstrierten am Montag nach unterschiedlichen Angaben zwischen 45 und 300 Roma aus Mittel- und Osteuropa sowie aus Großbritannien vor der tschechischen Botschaft.

Gemeinsam war allen diesen Kundgebungen eines: der Protest gegen die Kontrollen auf dem Prager Flughafen. Gemeinsam dürfte den Demonstranten auch der Wunsch sein, dass das Ende der Kontrollen nicht auch ein Ende der Aufmerksamkeit bedeutet, die die Medien, einzelne Politiker und Teile der Gesellschaft, der Roma-Problematik in den vergangenen Wochen gewidmet haben.