Roma-Schule Predlice/Usti n.L.

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Wenn es nach dem kommunistischen Regime gegangen wäre, würde der Vorstadtbezirk Predlice in Usti nad Labem/Aussig heute möglicherweise nicht mehr existieren. Fast schon schien es, als sei dieses Viertel mit einem hohen - nahezu ausschließlichen - Anteil an Roma-Bevölkerung bereits dem Untergang geweiht. Doch nach dem Umsturz von 1989 wartete die neue Stadtverwaltung mit einem komplett anderen Plan auf: Predlice sollte nicht nur erhalten, sondern auch revitalisiert werden. Eine wichtige Rolle dabei sollte die Grundschule spielen, die bereits 1887 in diesem Vorort eröffnet wurde - und bei der es sich keineswegs um eine gewöhnliche Schule handelt. Silja Schultheis hat sie sich angesehen.

Eine Besonderheit der Schule fällt bereits beim ersten Besuch ins Auge: Die Klassen sind deutlich kleiner als in anderen tschechischen Grundschulen - maximal 17 Schüler statt normalerweise bis zu 30. Und: über 90% der Schüler sind Roma-Kinder. Dies ist allerdings weniger durch die Ausrichtung der Schule bedingt als vielmehr dadurch, dass auch der Bezirk, in dem sie sich befindet, nahezu ausschließlich von Roma bewohnt wird. Besonders daran ist jedoch, dass es sich um eine klassische Grundschule handelt. Denn in den allermeisten Fällen werden Roma-Kinder in der Tschechischen Republik auf Sonderschulen geschickt, da sie mangels Sprach- und sonstigen Kenntnissen die Aufnahme in eine "normale" Grundschule nicht schaffen. Dieses Manko geht die Grundschule in Predlice offensiv durch sog. Vorbereitungsklassen und durch Roma-Assistenten an, die zwischen den Schülern und den tschechischen Lehrern vermitteln. Diese Assistenten haben dem Leiter der Schule, Oldrich Bartak, zufolge, auch eine wichtige Vorbildfunktion für die Kinder, die dadurch sehen, dass auch ein Rom als Lehrer arbeiten kann:

"Einige unserer Kinder haben bereits geschrieben, dass sie gerne in der Schule arbeiten würden, wenn sie groß sind. Das ist doch schön. Es würde uns helfen, wenn in unserem Land der Bildung ein höherer Wert beigemessen würde."

Die Schule macht einen sehr aktiven Eindruck. Mit Schulen aus anderen Städten, die unter ähnlichen Bedingungen arbeiten, hat sie bereits beim Schulministerium zusätzliche Förderung beantragt. Denn bislang wurden die verschiedenen Aktivitäten sowie auch die für eine Grundschule ungewöhnlich gut ausgestattete Sporthalle hauptsächlich aus Projektmitteln finanziert. Die Revitalisierung des gesamten Bezirks beurteilt Schulleiter Bartak jedoch eher zurückhaltend:

"Es ist eine Tatsache, dass sich Predlice nur ziemlich langsam verändert. Und dass es bislang keine Bemühungen gab, dass hier sog. 'weiße' Bevölkerung angesiedelt wurde. Predlice ist faktisch ein Roma-Viertel."

Was er über das generelle Problem der Integration der Roma in die tschechische Gesellschaft denke? Dazu Oldrich Bartak:

"Das weiß ich nicht, darüber denke ich nicht nach. Wir Lehrer haben hier alle Hände voll damit zu tun, den Kindern das beste zu geben, was wir können - wie es eben die Aufgabe eines Lehrers ist."

Abschließend ein kleiner Einblick in die praktische Arbeit der Predlicer Schule: Eine wichtige Tätigkeit, denen sich Lehrer und Schüler in den Vorbereitungsklassen widmen, ist zweifelsohne das Singen.