Rummel um die kleinen Rüssel: Prager Zoo stellt Elefantennachwuchs vor

Foto: Martina Schneibergová

Der Prager Zoo gilt als einer der größten Touristenmagneten in der tschechischen Hauptstadt. Gegründet wurde er vor 85 Jahren. Heute sind dort rund 680 Tierarten untergebracht und etwa 4800 Tiere. Zu den Bewohnern gehören derzeit auch zwei Elefantenbabys, die in diesem Jahr zur Welt gekommen sind.

Foto: Martina Schneibergová
Vor mehr als drei Jahren wurde im Prager Zoo das sogenannte „Elefantental“ eröffnet. Neben einem großen Freigehege beherbergt es auch einen geräumigen beheizten Pavillon. Das Areal wurde so errichtet, das es dem Prinzip des sogenannten „geschützten Kontakts“ entspricht. Das Elefantenhaus ist in den letzten Wochen von den Besuchern fast belagert worden. Denn neben den erwachsenen Dickhäutern leben dort jetzt auch zwei Elefantenjungen, die in diesem Jahr zur Welt kamen. Die Zoo-Besucher können die Elefantenfamilie nur von oben durch eine Glaswand bewundern. Medienvertreter durften jedoch zusammen mit den Tierpflegern hinuntergehen und sich die Elefanten aus nächster Nähe anschauen. Tierkurator Pavel Brandl ist für den Säugetierbestand im Zoo zuständig. Er stellt die Bewohner des Elefantentals vor:

Pavel Brandl (Foto: ČT24)
„Zurzeit haben wir hier die größte Elefantengruppe in der Geschichte des Zoos. Es sind neun Elefanten, und das gab es hier noch nie. Elefant Ankhor ist jetzt irgendwo versteckt. Zudem leben hier zwei Elefantendamen aus dem alten Pavillon: Gulab und Shanti. Shanti kann man daran erkennen, dass sie nach Ankhor der zweithöchste Elefant ist. Gulab unterscheidet sich von den anderen dadurch, dass sie immer noch Haare auf dem Rücken und der Stirn hat. Behaarung haben die Elefanten meist nur in ihrer Jugend. Gulab hat alle bisherigen Elefantenhäuser in Prag erlebt. Es gibt keinen Mitarbeiter hier, der länger als Gulab im Prager Zoo ist.“

Max und der Kleinste spielen

Elefantenbabys (Foto: Archiv des Zoos Prag)
Im Elefantental lebt noch die sogenannte „Rotterdamer Familie“, sie besteht aus der Elefantendame Dona und ihrer Tochter Sita. Diese wurde in Rotterdam gezeugt, kam aber dann in Prag zur Welt. Der Kurator macht auf zwei Elefantendamen aufmerksam, die gerade gekommen sind und nach dem Futter suchen. Um sie herum läuft ein Elefantenjunge, ein anderes Elefantenbaby legt sich gerade hin und schläft ein.

„Hier vor uns sind die beiden jüngsten Elefantendamen Tamara und Janita, die aus Sri Lanka stammen. Sie haben beide in diesem Jahr Babys zur Welt gebracht. Diese haben aber unterschiedliche Väter. Der ältere Elefantenjunge Max ist ein Sohn von Mekong, der unseren Zoo inzwischen verlassen hat. Mekong ist dadurch bekannt geworden, dass er gar kein Interesse an den Elefantendamen gezeigt hat – bis auf ein einziges Mal. Es ist fast ein Wunder, dass er einen Sohn hat. Mekong wurde aus Zuchtgründen durch Ankhor ersetzt. Der jüngste Elefant, der Anfang Oktober zur Welt kam und noch keinen Namen hat, ist Ankhors erster Sohn in unserem Zoo.“

Foto: Archiv des Zoos Prag
Nach einer kleinen Schlummerpause wacht das noch etwas unsicher wirkende Elefantenbaby wieder auf und versteckt sich vor den neugierigen Beobachtern hinter seiner mächtigen Mutter Tamara. Der im April geborene Elefantenjunge Max ist dagegen mutiger und frecher, er versucht immer wieder mit dem Rüssel den kleinen Kameraden zu provozieren.

„Max hält den kleineren Elefanten für einen Partner zum Spielen. In den ersten Tagen mussten wir Max und seine Mutter von dem Baby trennen. Denn der Gewichtsunterschied ist groß. Das Baby hatte etwa 80 Kilo nach der Geburt, und Max bringt bereits mehr als 270 Kilo auf die Waage. Mittlerweile können die Jungs aber zusammen sein, die beiden Mütter haben sich aneinander gewöhnt, und die kleinen Elefanten sind fest an ihre Mütter gebunden. Max wurde inzwischen von Tamara belehrt, was er sich erlauben kann und was nicht. Da hat wohl ein einziger Fußtritt der Elefantenmama gereicht, sie wiegt ja auch mehr als zwei Tonnen.“

„Der Pavillon ist ihr Territorium“

Foto: Martina Schneibergová
Max versucht am liebsten, seine Beine auf die Rücken der anderen Elefanten zu legen, sagt Pavel Brandl. Der Elefant testet gerade die Festigkeit eines Netzes, das an der Decke festgemacht ist und auf den Boden des Pavillons hängt.

„Die Elefantenjungen spielen zusammen. Sie berühren einander mit den Rüsseln. Sobald das Elefantenbaby größer ist und sicherer auf den Beinen steht, werden sie noch aktiver miteinander spielen.“

Die Elefanten verbringen nicht die ganze Zeit im beheizten Pavillon. Auch im Herbst können sie immer etwa für eine Stunde lang ins Freigehege.

„Sie kehren sehr gern in das Haus zurück, aber gehen nur ungern hinaus. Das muss ich betonen. Denn die übliche Vorstellung der Besucher ist, dass sich die Tiere im geschlossenen Raum unwohl fühlen. Dem ist aber anders. Dies ist ihr Territorium und so nehmen sie es auch wahr. Für sie ist es ein angenehmes Umfeld, es wird hier geheizt, das Wasser im Pool ist auch warm. Die Besucher meinen oft, dass hier zu wenig Licht sei. Die Beleuchtung ist aber absichtlich nicht so stark, weil die asiatischen Elefanten im Wald leben und normalerweise durch die Zweige und Blätter kaum direkt die Sonne sehen. Außerdem fühlen sich die Tiere hier sicher.“

Schlanke Linie gefragt – auch bei Elefanten

Über den Namen des jüngsten Elefantenkindes im Prager Zoo darf im Übrigen die Öffentlichkeit entscheiden. Bis 27. Dezember kann man seine Stimme für einen der Vorschläge abgeben, die die Mitarbeiter des Zoos gemacht haben. Die drei Namen lauten: Hanno, Nandi und Rudi. Mehr erfahren Sie auf der Webseite des Zoos: www.zoopraha.cz.



Der Prager Zoo ist ab jetzt bis Februar von 9 bis 16 Uhr geöffnet, im Sommer schließen die Tore sogar erst um 21 Uhr. Zu erreichen ist er am besten mit dem Bus Nr. 112 von der Metro-Station Bahnhof Holešovice.

Menschen, die sich um die Elefanten kümmern, müssen Fachwissen haben und zudem geschickt sein. Denn zu ihrer Arbeit gehört beispielsweise auch die Hufpflege. Zudem stellen die Pfleger einen ausgewogenen Speiseplan zusammen. Denn auch Elefanten müssen auf die schlanke Linie achten.

„Das Füttern mit Ästen, die die Elefanten gerade jetzt fressen, haben wir erst vor kurzem entdeckt. Wir sind sehr froh darüber, denn das hat geholfen, dass die Elefanten nicht mehr so viel an Gewicht zunehmen. Bei den Elefantendamen ist heute unter der Haut deutlich die Wirbelsäule zu erkennen, dann sind auch der eingesunkene Rücken und die hervortretenden Hüften zu sehen. Dies ist die natürliche Körperform der asiatischen Elefanten. Die ständige Gewichtszunahme haben wir dank einer Ernährungsumstellung gestoppt. Für die Tiere ist dies gesund. Eine wichtige Rolle spielt das Gewicht auch bei der Geburt. In Asien wiegen die Elefantenbabys rund 75 Kilogramm, in Europa 106 Kilogramm. Vor allem bei der ersten Geburt gibt es dann oft Probleme. Wir haben das Gewicht jetzt so beeinflussen können, dass das Elefantenbaby nach der Geburt nur noch 80 Kilo wog. Jede Woche brauchen wir für den Elefantenpavillon vier LKWs voller Äste.“

Als besondere Delikatesse bekommen die schlanken Elefantendamen manchmal aber auch Äpfel.