Runter vom Berg und rauf aufs Parkett - Pavel Bem zurück vom Mount Everest
Pavel Bem is back in Town. Am Montag ist der Prager Oberbürgermeister nach zweimonatiger Anwesenheit im Himalaja und zweimonatiger Abwesenheit im Amt wieder auf dem Flughafen in Ruzyne gelandet. Ein Gewitter von Blitzlichtern und ein Hagel von Kritik für seine unbezahlte Auszeit erwarteten den Mount-Everest-Bezwinger.
"Ich weiß nicht. Wir sind doch alle nur Menschen. Ich habe mir einen meiner Träume erfüllt. Und selbstverständlich ist es jetzt meine Pflicht zu arbeiten und nochmals zu arbeiten, für die Hauptstadt Prag - und ich werde das abarbeiten", lächelt Bem wie ein Schuljunge ohne Hausaufgaben.
Vor einer Woche noch in 8848 Metern luftiger Höhe, nun wieder auf dem harten Boden des politischen Hauptstadtparketts. Ein Bergsteigerbart, ein wettergegerbtes Gesicht - fast ein verjüngter Reinhold Messner. Und so recht will dem Abenteurer das politische Pokergesicht vor der Kamera noch nicht gelingen. Kein Wunder. Hinter sich und in sich hat Bem 55 Tage im Himalaja, 480 Fußkilometer und 132 Liter Tee. Vor sich eine Front von Kritik. So zum Beispiel vom Vorsitzenden der Sozialdemokraten, Jiri Paroubek:
"Sich seinen Kindheitstraum zu erfüllen - das ist hübsch. Als ich ein Junge war, habe ich mir so vorgestellt, im Finale irgendeines europäischen Pokals zu spielen", sagt Paroubek und holt noch einmal tief Luft - "im Fußball".
Aber Spaß beiseite, muss man da wohl sagen, denn die Vorstellung eines vollschlanken Paroubek, der mit enger Ballführung auf das gegnerische Tor zustürmt, ist eine ernste Sache und die Möglichkeit zur Verwirklichung - vergelts Gott - so weit weg, wie die Spitze des Mount Everest vom Meeresspiegel. Nicht jeder Kindertraum ist eben erfüllbar. Also Spaß beiseite, denkt auch Paroubek, und fährt fort mit Kritik:"Wenn der Herr Oberbürgermeister die zwei Monate während seiner Abwesenheit hier offensichtlich abkömmlich war, dann hat er das bewiesen, was ich schon lange weiß: dass nämlich der Oberbürgermeister der Hauptstadt Prag mit einer Schere bunte Bänder zerschneidet und dazu in die Kameras lächelt."
Zumindest was diese Kritik betrifft, geben sich Paroubek und der Kommunisten-Chef Vojtech Filip die Hand und viele Mitglieder aus Bems eigener Partei, den Bürgerdemokraten, nicken mit dem Kopf. So auch Präsident Klaus. Pavel Bem kann das nicht verstehen. In der Stadt sei nichts passiert, was seine Anwesenheit unerlässlich gemacht hätte und außerdem wünscht er jedem eine solche Aussicht genießen zu können."Ich wünsche jedem, dass er dort mit mir hätte stehen können."
Mit Pavel Bem auf dem Mount Everest. Beim nächsten Mal also vielleicht ein Gruppenbild. Ohne Dame zwar, aber dafür mit Klaus, Paroubek und Filip - die Creme auf der Weltspitze.







