Schließung von Natur-Schwimmbädern in Tschechien: Zerkarien verursachen Dermatitis

Vor allem in den heißen Sommertagen platzen die Schwimmbäder hierzulande aus allen Nähten. Doch einige der Natur-Schwimmbäder in Tschechien wurden in den vergangenen Wochen geschlossen. Der Grund sind die sogenannten Zerkarien, die bei Menschen eine Badedermatitis verursachen können.

Zerkarien von Vogelschistosomen,  die die Haut durchdringen,  im Rasterelektronenmikroskop | Foto: Jana Bulantová,  prirodovedci.cz

Die Symptome waren die gleichen – egal, ob die Menschen in einem Prager Natur-Schwimmbad oder in einem Teich in Ostböhmen badeten: Sie litten unter Jucken und geröteter Haut wie nach einem Mückenstich. Der Juckreiz wurde durch die Larven von Saugwürmern, den sogenannten Zerkarien verursacht. Die Larven befallen Wasserschnecken als Zwischenwirt und gelangen nach möglichen weiteren Stationen ins Wasser. Ein Expertenteam von der Prager Karlsuniversität spezialisiert sich auf die Erforschung dieser Schnecken. In einem kleinen Raum an der Naturwissenschaftlichen Fakultät macht Jana Bulantová auf kleine Tiere in einigen Aquarien aufmerksam:

Ohrschlammschnecke - Zwischenwirt der Zerkarien | Foto: Tomáš Mařas,  Tschechischer Rundfunk

„Es gibt da Schnecken, die zu Forschungszwecken gezüchtet werden. Wir haben aber auch infizierte Schnecken, die aus den Natur-Schwimmbädern stammen. Wenn man die Hand in eines der Aquarien stecken würde, könnte man Zerkarien-Dermatitis bekommen.“

Die Forscher haben die Wasserschnecken an solchen Badeorten gesammelt, an denen der Verdacht bestand, dass sich dort Zerkarien vermehren. In den Aquarien bewegen sich Exemplare verschiedener Größen. Jana Bulantová dazu:

„Wenn wir die Schnecken aus den Naturgewässern ins Labor bringen, sortieren wir sie nach der Art und Größe. Sowohl die großen, als auch die kleinen Tiere können eine Dermatitis verursachen. Die kleinsten Schnecken sind in der Lage, sich stark zu vermehren. Und die großen – wie etwa die Spitzschlammschnecken, die bis zu sieben Zentimeter lang sind –, können bis zu 20.000 Zerkarien pro Tag ausscheiden.“

Zerkarien der Vogelschistosomen | Foto: Jana Bulantová,  prirodovedci.cz

Mit den Untersuchungen im Labor wollen die Forscher nachweisen, dass die Schnecken wirklich ihre Larven in jenen Gewässern hinterlassen haben, die den juckenden Ausschlag verursachten. Zuerst werden die Tiere Bulantová zufolge in kleine Gläser platziert, die mit sauberem Wasser gefüllt sind.

„Wir richten das Licht auf die Schnecken. Und nach etwa einer Stunde sehen wir im Glas viele winzige Objekte herumflattern. Diese schwimmen Richtung Licht. Dies ist auch der Grund, warum die Zerkarien-Dermatitis meistens bei Menschen auftritt, die länger nahe am Ufer, also im seichten Wasser standen. Die Hautentzündung ist bei ihnen nur an Stellen zu bemerken, die sich eine bestimmte Zeit lang unter Wasser befanden.“

Akute Phase der Zerkariendermatitis am Handgelenk | Foto: Jana Bulantová,  prirodovedci.cz

Die Larven suchen sich in der Regel Wasservögel als Gastwirte. Den Menschen befallen sie der Expertin zufolge nur irrtümlich, er ist für sie sozusagen ein Fehlwirt. Der unangenehme Ausschlag, den sie verursachen, verschwindet immerhin binnen einiger Tage.

Ob das Wasser an einem bestimmten Ort in Tschechien zum Baden geeignet ist, können Badelustige auf der Webseite www.koupacivody.cz erfahren.

Autoren: Martina Schneibergová , Tereza Janouškovcová
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