Schwertransporter ruinieren Tschechiens Straßen

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Seit einigen Tagen knallt auch in Tschechien wieder die Sonne auf den Asphalt. Und damit wachsen die Probleme im Straßenverkehr für das mitteleuropäische Transitland. Welcherart diese Probleme sind, dazu mehr im nachfolgenden Beitrag von Lothar Martin.

Rund ein Zehntel aller tschechischen Straßen der I. Kategorie, was einer Gesamtlänge von ca. 6000 Kilometer entspricht, sind nach Angaben der hiesigen Straßen- und Autobahn-Direktion ramponiert mit Spurrinnen von schwerlastigen Lastkraftwagen. Die Autobahnen sind da besser dran: ähnlich "angeschlagen" sind hier nur fünf Kilometer, allerdings weist das tschechische Autobahnnetz auch nur eine Gesamtlänge von 518 Kilometern auf.

Die Schwertransporter, die tagaus, tagein über die böhmisch-mährisch-schlesischen Fahrbahnen rollen, werden ständig mehr. Wurden im Jahr 1998 noch etwas über 5,1 Millionen LKW auf den Straßen zwischen Erzgebirge und Beskiden registriert, so waren es im vergangenen Jahr 2001 bereits weit über 6,3 Millionen Fahrzeuge. Laut Aussage der einheimischen Straßenbauer habe man in diesem Jahr nicht einmal genügend Subventionen zur Ausbesserung der Winterschäden erhalten, geschweige denn zur Beseitigung der gefährlichen Spurrinnen. Allein für die Behebung der welligen Spurrinnen benötige man ungefähr genauso viel Geld wie das diesjährige Budget des Prager Umweltministeriums betrage, nämlich rund drei Milliarden Kronen.

Im Nachbarland Polen hat man derzeit fast nahezu den gesamten Transitverkehr für alle Schwertransporter verboten, da die sommerlichen Temperaturen den nicht qualitätsgerechten Asphalt auf einer Vielzahl der dortigen Fahrbahnen aufgeweicht haben. In Tschechien aber will der neue Verkehrsminister Milan Simonovský von derartigen Einschränkungen nichts hören. "Einschränkungen, das nicht. Vielmehr müssen die Transporter an den Grenzen gründlich gewogen und auf das zulässige Gesamtgewicht überprüft werden," sagte der Minister. Eine Aufgabe, die alles andere als einfach ist, wenn man weiß, dass entsprechende Waagen nur an zehn tschechischen Grenzübergängen vorhanden sind, für den frequentierten Fernverkehr aber dreimal soviel Grenzübergänge benutzt werden. Lediglich am tschechisch-deutschen Grenzübergang Folmava/Furth im Wald glaubt man mit dem gerade begonnenen Bau einer neuen Brücke für einen zeitweise rückläufigen Verkehr und damit für Entlastung sorgen zu können. Zur Baumaßnahme selbst sagte der stellvertretende Direktor des Zollamtes in Plzen/Pilsen, Petr Eichler: "Der Güter-LKW-Verkehr wird während der gesamten Zeit des Baues nur über eine einzige Fahrspur geleitet, und zwar sowohl für die Einreise in die Tschechische Republik als auch für die Ausreise aus Tschechien. Der LKW-Verkehr wird während dieser Baumaßnahme mittels einer Ampelanlage reguliert. Der PKW-Verkehr hingegen unterliegt in dieser Zeit keinerlei Einschränkungen. Das Ende der Bauarbeiten ist für Ende Oktober 2002 vorgesehen."

Ein weiterer Kritikpunkt, der mit dem gestiegenen Schwerlasttransport auf der Straße zusammenhängt, ist die gestiegene Anzahl der Unfälle mit Lastkraftwagen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres verursachten die Fahrer der tonnenschweren Fahrzeuge 11.206 Unfälle, was um 236 mehr sind als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Tschechische Verkehrsexperten führen dies auf die gestiegenen Anforderungen an die Trucker zurück: sie müssen mehr Kilometer bewältigen, schwerere Laster fahren, größere Mengen transportieren, und das auf Straßen, auf denen ein dichterer Verkehr als früher herrscht. An geeigneten Fahrzeugen sei kein Mangel im Lande, wohl aber an guten und erfahrenen Fahrzeugführern, hieß es in einer kritischen Bestandsaufnahme. Deshalb hat die Bürgervereinigung Autoklub unlängst vorgeschlagen, dass bestimmte Kategorien von LKW-Fahrern sich zukünftig regelmäßig Schulungen und Fahrtrainingseinheiten unterziehen sollten.