Sechs Saiten in allen Spielarten – Festival „Kytara napříč žánry“ startet

Foto: Archiv des Festivals

Schon die alten Ägypter spielten auf diesem Instrument. Die Gitarre, sie hat heute viele Formen: Zum einen klassisch mit einem hohlen Korpus oder sogar fast ohne. Aber egal auf welcher der Anfertigungen - die Fingerfertigkeit auf den meist sechs Saiten kann magisch sein. Auch deshalb steht die Gitarre seit 16 Jahren im Zentrum eines eigenen tschechischen Festivals. „Kytara napříč žánry“ heißt es und beginnt in dieser Woche. Der neue Jahrgang bietet auch zwei Konzerte in Deutschland.

Der größte Star des Festivals ist in diesem Jahr Tomatito. Festivaldirektor Stanislav Barek stellt den Spanier und ein weiteres Highlight vor:

„Er ist einer der drei besten Flamenco-Gitarristen der Welt und tritt zusammen mit seiner Band und einer Tänzerin auf. Der zweite Star ist Laurence Juber. Er hat früher bei den Wings gespielt, der Band, die Paul McCartney nach dem Ende der Beatles gegründet hatte. Juber spielt seitdem auch solo, hat bereits 20 CDs aufgenommen und gehört heute weltweit zu den besten Gitarristen.“

Die beiden Interpreten mit den klangvollsten Namen werden allerdings erst zum Abschluss des Festivals ab Mitte November auftreten: Laurence Juber präsentiert seine Mischung aus Blues, Rock und Ragtime gleich viermal an verschiedenen Orten in Tschechien, inklusive dem Palác Akropolis in Prag. Tomatito hingegen kommt nur für ein Konzert an die Moldau, und zwar am 1. Dezember.

Peppino D´Agostino (Foto: Archiv des Festivals)
Der Gitarrenreigen wird indes inoffiziell bereits an diesem Samstag (12. Oktober) eröffnet, am Tag darauf folgt der eigentliche Auftakt. Dann werden Veranstalter Stanislav Barek und sein Landsmann Jan Žamboch zusammen mit dem italienisch-amerikanischen Gitarristen Peppino D´Agostino zu hören und zu sehen sein. Danach geht es lateinamerikanisch weiter:

„In diesem Jahr haben wir erstmals auch den Tango im Programm. Ein Trio aus Argentinien, das derzeit in Deutschland spielt, kommt für zwei Konzerte hierher und fährt danach wieder zurück nach Hamburg“, so Barek.

Die Band nennt sich Escolaso Guitarra Tango Trio. Einen anderen Stil vertreten der tschechische Musikprofessor Milan Zelenka und sein Sohn Vilém. Sie präsentieren die klassische Gitarre, also Musik von Komponisten ab der Renaissance bis zu Janáček. Gerade diese Musik ist in Tschechien die Domäne der Gitarristen. Die Veranstalter wollen aber gemäß ihres Festivalmottos „Quer durch alle Genres“ das Spektrum erweitern. Deswegen haben sie einen neuen Wettbewerb ausgerufen.

Milan Zelenka und sein Sohn Vilém (Foto: Archiv des Festivals)
„In der Tschechischen Republik gibt es viele Wettbewerbe für die klassische Gitarre, aber man kennt kaum jemanden, der das Instrument in anderen Stilen als Solo-Instrument spielt. Wir haben uns also gedacht, dass wir genau solche Talente finden wollen. Das war die Hauptidee des Wettbewerbs. Es haben sich 22 Leute gemeldet. Wir haben festgestellt, dass es hierzulande wirklich gute Gitarristen gibt. Hoffentlich haben sie auch in Zukunft die Möglichkeit, Konzerte zu geben.“

Das Abschlusskonzert der fünf besten Finalisten steigt am letzten Oktobertag. „Kytara napříč žánry“ reicht aber auch über Tschechien hinaus. Anfang November treten die deutsch-schwedische Band Malbrook, die mittelalterliche Musik interpretiert, und die tschechischen Folkmusiker von Njorek zusammen auf. Es sind vier gemeinsame Konzerte, die vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds unterstützt werden. Stanislav Barek:

Stanislav Barek (Foto: Archiv des Festivals)
„Das größte Konzert ist im Prager Palác Akropolis am 7. November, bei dem auch Gastinterpreten auftreten werden. Dann haben wir ein Konzert in Varnsdorf und zwei weitere in Sachsen: in Erlbach-Eubabrunn und in Bautzen. Weil ich zwanzig Jahre in Deutschland unterrichtet habe, besitze ich gute Kontakte dorthin, und praktisch bei jedem Festivaljahrgang veranstalten wir auch deutsch-tschechische Konzerte.“

Autor: Till Janzer
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