Serum gegen Krebs, an dem Tschechen beteiligt waren, hat erster Patient erhalten

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Während weltweit schon über ein halbes Jahr lang fast ausschließlich über die Coronavirus-Pandemie geschrieben und gesprochen wird, laufen auch andere Forschungen im medizinischen Bereich weiter. Und das durchaus erfolgreich, wie neueste Berichte aus Tschechien belegen. Demnach wurde unlängst mit den klinischen Tests für einen vielversprechenden Wirkstoff gegen den Krebs begonnen.

Pavel Majer (Foto: Archiv des Instituts für Organische Chemie und Biochemie)

Das US-amerikanische Unternehmen Dracen Pharmaceuticals hat dieser Tage bekanntgegeben, dass es mit den klinischen Test für den Wirkstoff DRP-104 begonnen hat. Es handelt sich dabei um ein Anti-Krebs-Serum, dass ein Team um Pavel Majer vom Institut für Organische Chemie und Biochemie an der tschechischen Akademie der Wissenschaften entwickelt hat. Dabei arbeitete es mit Wissenschaftlern der John-Hopkins-Universität in Baltimore zusammen. Ein Patient hat den Wirkstoff bereits bekommen. Die erste Testphase am menschlichen Probanden wird etwa drei Jahre dauern. Das Wirkungsprinzip des Serums erläuterte Pavel Majer am Donnerstag in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Der Stoff ist ein Heilmittel. Das heißt, von sich aus ist er nicht aktiv. Doch in einem Tumor setzt er seinen eigenen Wirkstoff frei, der als DON bezeichnet wird. Es handelt sich um einen natürlichen Wirkstoff, den man wiederholt gegen Krebszellen getestet hat. Dabei ist man jedoch auch immer wieder auf unerwünschte Nebenwirkungen gestoßen. Nun ist es uns gelungen, die Nebenwirkungen zu beseitigen und den Wirkstoff vorrangig in einer Geschwulst freizusetzen.“

Tumor (Foto: bc the path, Flickr, CC BY-NC 2.0)

Wenn der Antimetabolit DON in einem Tumor freigesetzt wird, werde der Zellstoffwechsel von Glutamin gestoppt. Dies sei eine wichtige Stickstoffquelle, die Krebszellen zum Wachstum benötigen. Durch DON aber werde der Wachstumsprozess unterdrückt, erläuterte Majer weiter. Große Hoffnungen bestehen insbesondere in der Kombination dieser Behandlung mit der sogenannten Immuntherapie, die auf die Stärkung der körpereigenen Immunabwehr des Tumors abzielt. Krebszellen verwenden viele Möglichkeiten, um die Zellen des Immunsystems zu täuschen und ihrer Aufmerksamkeit zu entgehen. Daher erhalten Patienten während der Immuntherapie PD-1-Antikörper. Diese sollen die Immunität des Körpers stärken, um mit den Krebszellen fertig zu werden, erklärte Majer. Zu diesen Erkenntnissen sei man gemeinsam mit den Kollegen aus den Vereinten Staaten gelangt. Darum ginge man jetzt nach erfolgreichen Tierversuchen zu Tests am menschlichen Wesen über. Dazu sagte Majer:

Illustrationsfoto: IndyDina with Mr. Wonderful, Flickr, CC BY 2.0

„Die Patienten sind sehr sorgfältig ausgewählt worden, momentan sind es nur einige Leute. Der erste Patient, dem eine kleine Dosis des Medikaments verabreicht wurde, kommt aus Nashville in Tennessee. Seine Behandlung begann am 31. August. Danach wird die Dosis schrittweise erhöht. Der Patient wird ununterbrochen beobachtet, ob nicht eventuell Nebenwirkungen auftreten.“

Zunächst wird der Wirkstoff DON an zwei Krebsarten getestet – dem Lungen- und dem Kehlkopfkrebs. Noch einmal Majer:

„Diese zwei Tumore sind von den Experten der Firma Dracen für den klinischen Test ausgewählt worden. Das Wirkungsprinzip allerdings ist recht allgemein. Darum wird es auch anwendbar sein für weitere häufige Krebsarten. Dazu zählt beispielsweise der Dickdarmkrebs.“

John-Hopkins-Universität (Foto: Flickr CC BY 2.0)

Als das Team um Pavel Majer und seine Kollegen von der John-Hopkins-Universität in Baltimore vor zwei Jahren damit begonnen haben, das Medikament zu entwickeln, kündigten sie dessen Markteinführung für 2024 an. Kann dieses Zeitfenster eingehalten werden? Auf diese Frage antwortete Majer:

„Als die Firma Dracen Pharmaceuticals in das Projekt eingestiegen ist und für den Kauf der Lizenz 40 Millionen Dollar zahlte, war das ein Meilenstein. Damit konnte unsere Arbeit erst richtig beginnen. Im Zeitplan haben wir allerdings eine Verspätung von etwa einem halben Jahr, und das vor allem wegen der gegenwärtigen Epidemie des chinesischen Coronavirus. Wir können den Zeitrahmen einhalten, wenn auch mit einer kleinen Verspätung.“