Sinfonien, Lyrik und Theater: Start der Europäischen Wochen Passau

Rundfunksinfonieorchester Prag (Foto: Petr Horník, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Im Juni und Juli finden die Europäischen Wochen Passau statt. Die Festspiele beschränken sich traditionell nicht auf einen Ort. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs erfüllen die Festspiele endlich ihre Vision – nicht nur einen Festspielort, sondern eine Festspielregion zu schaffen und die Menschen durch Kultur zusammenzubringen. Ausgewählte Städte in Bayern, Böhmen und in Österreich werden so zur Bühne für Künstler aus den jeweiligen Nachbarländern. Natürlich treten auch zahlreiche tschechische Musiker, Literaten und Theaterensembles bei den Festspielen auf. Festspielleiter Martin Baumgardt erzählt mehr zum Programm.

Klaus Maria Brandauer (Foto: The weaver, CC BY-SA 3.0)
Herr Baumgardt, ab Samstag finden zum 64. Mal die Europäischen Wochen Passau statt. Was für Highlights erwarten die Besucher allgemein in diesem Jahr?

„Unser Motto ist ‚Reine Geschmackssache‘. Wir wollen damit der Landesausstellung ‚500 Jahre bayerisches Reinheitsgebot‘ in Aldersbach und der ganzen Region eine Referenz erweisen – aber auch den Menschen in Bayern, Westböhmen und in Österreich. Wir haben hochkarätige Künstlerinnen und Künstler bei uns im Programm. Zum Beispiel wird Klaus Maria Brandauer Mozartbriefe lesen. Dabei wird er von dem Piano-Duo Grau Schumacher begleitet. Vesselina Kasarova und Lucia Aliberti werden in der Studienkirche in Passau einen Abend mit Opernarien geben. Dazu haben wir noch Weltmusik im Programm. Das sind unterhaltsame Open-Air-Konzerte mit ‚Uwaga!‘, dem Trio Neuklang oder den Klezmorim vom David-Orlowsky-Trio. Im Schlosspark in Scherding geben auch die Wiener Symphoniker ein Konzert, bei dem sie das Cello-Konzert von Gulda der ‚Grande Partita‘ von Mozart gegenüberstellen.“

Český Krumlov (Foto: Jerzy Strzelecki, CC BY 3.0)
Eine wichtiger Veranstaltungsort ist Český Krumlov / Krumau. Noch im Juni findet dort eine Barocknacht satt. Was können sich die Besucher darunter vorstellen?

„Diese Barocknacht ist ein wirkliches Spektakel mit einer wunderbaren Stimmung. Viele Darsteller sind in Originalkostümen, und es gibt Originalmusik. Bei der herrlichen Abendstimmung sind der Schlosspark und die Räumlichkeiten des Schlosses voll mit Besuchern. Auch für Essen ist gesorgt: Wir bieten eine Tafel mit typischen Speisen der Barockzeit. Es wird ein wunderbarer Abend!“

Donna Morein (Foto: YouTube)
Ein zentraler musikalischer Programmpunkt in Tschechien ist der „Traumtag Böhmen“. Worum geht es dabei?

„Am 2. Juli reisen wir von Passau über Rožmberk und Horní Planá nach Krumau. Auf jeder Station wird es einen Programmpunkt geben. Den Anfang macht die Veranstaltung ‚Radar der Sommernächte‘. Das ist eine Musiklesung, bei der wir tschechische Lyriker vorstellen. Am Abend findet ein Klavierrezital mit Ragna Schirmer statt. Dabei führt sie die Goldberg-Variationen in ihrer eigenen Interpretation auf. Noch am nächsten Tag gibt es in der Krumauer Synagoge eine Liedermatinee. Dort singt die amerikanische Sopranistin Donna Morein über Liebe, Verlust, Hoffnung und Freude. Begleitet wird sie am Klavier von Jeffrey Goldberg. Es geht um amerikanische und europäische, aber auch jiddische Lieder. Deshalb haben wir auch die Synagoge als Ort gewählt.“

Rundfunksinfonieorchester Prag (Foto: Petr Horník, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Bleiben wir noch bei der Musik. Wie wird denn die tschechische Musik auf bayerischer Seite vertreten sein?

„Wir haben zwei hervorragende Orchester aus Tschechien bei uns im Programm. Das Rundfunksinfonieorchester Prag wird in Niederaltaich unter der Leitung von Kaspar Richter eine musikalische Zeitreise unternehmen. Zur Aufführung kommen Werke von Charles Ives, Arvo Pärt, von Bernstein und Tschaikowski. Natürlich aber auch von Dvořák, Wagner und Lars-Erik Larsson. Die Konzerte werden dabei nur von Streichern gespielt. Rund 60 Musikerinnen und Musiker des hervorragenden Rundfunksinfonieorchesters Prag werden dieses Konzert gestalten. Das zweite Orchester aus Tschechien ist das Sinfonieorchester des Nationaltheaters Prag. Dieses gibt am 7. August das Abschlusskonzert der Europäischen Wochen Passau unter dem Titel ‚Geschmackswandel‘ mit Werken von Tschaikowski, Rossini und Beethoven. Als Solist tritt dabei Sergei Nakariakov am Flügelhorn auf.“

Peter Baumgardt (Foto: Archiv von Peter Baumgardt)
Bei den Europäischen Wochen Passau spielt aber auch die Literatur eine Rolle. Sie selbst stellen zusammen mit Ondřej Černý an verschiedenen Orten in Bayern tschechische Lyriker vor…

„Das ist das bereits erwähnte Programm ‚Radar der Sommernächte‘. Es geht um Lyrik von Karel Toman, František Halas, Jaroslav Seifert oder Jana Štroblová und vielen weiteren tschechischen Autoren. Diese Gedichte wurden von dem Lyriker Reiner Kunze übersetzt, der aus der DDR ausgewiesen wurde und sich in Passau niedergelassen hat. Diese Übersetzungen haben etwas ganz Sinnliches und Spezielles. Ondřej Černý und ich werden diese Gedichte auf Tschechisch und Deutsch vortragen. Alexander Frey begleitet und kontrastiert den Vortrag an der Orgel. Es wird insgesamt ein sehr besinnlicher und schöner Abend werden. Da es ein deutsch-tschechisches Projekt ist, werden wir ‚Radar der Sommernächte‘ auch in Vilshofen vorstellen.“

Spejbl und Hurvínek (Foto: YouTube)
Die Europäischen Wochen Passau bieten auch ein Programm für Kinder. Nach Regen kommt dazu das wohl berühmteste tschechische Kind, das in diesem Jahr 90 geworden ist. Worum geht es dabei?

„Das Marionettentheater Spejbl und Hurvínek wird in Regen zu Gast sein. Ich bin mir sicher, dass das ein großer Spaß wird. Die Aufführung wird voller Poesie sein. Groß und Klein können sich sehr darauf freuen, was die beiden auf der Bühne in Regen zeigen werden.“

Was sind denn Ihre ganz persönlichen Favoriten und Empfehlungen bei den Europäischen Wochen Passau?

Die Europäischen Wochen Passau finden vom 17. Juni bis zum 7. August statt. Die Veranstaltungsorte sind wechselnd in Bayern, Böhmen und Österreich. Den Veranstaltungsplan und weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Festspiele.

„Das ist auf jeden Fall Ragna Schirmer in der wunderbar renovierten Synagoge in Krumau. Wie sie die Goldberg-Variationen interpretiert, ist so anders und persönlich, derart hat man sie noch nie gehört. Natürlich aber auch das Konzert ‚Der Himmel hängt voller Geigen‘ mit dem Rundfunksinfonieorchester Prag. Wann hat man schon ein großes Streichorchester auf dem Podium? Meist bekommt man ja nur ein Streich-Kammerorchester zu hören. Hier stehen sich Werke ganz unterschiedlicher Komponisten gegenüber, da treffen wirklich Welten aufeinander. Man kann dabei neue Komponisten oder aber bekannte Komponisten von einer unbekannten Seite entdecken.“