Sissis Armband und Franz Ferdinands Orden im Nationalmuseum

Sissis Armband (Foto: Archiv des Nationalmuseums in Prag)

Seit dem vergangenen Jahr ist die Atmosphäre der Habsburger Monarchie Schwerpunkt mehrerer Ausstellungen im Prager Nationalmuseum. Im Zyklus „Monarchie“ zeigt das Museum an fünf Orten Prags insgesamt acht Ausstellungen zu verschiedenen Themen. In unseren Sendungen haben wir bereits über einige der Ausstellungen berichtet: So haben wir sie beispielsweise ins Náprstek-Museum geführt, wo sich auf den Spuren Karl Mays wandeln lässt. Auch die zentrale Ausstellung zum Thema „Monarchie“, die im Hauptgebäude des Nationalmuseums zu sehen ist, war bereits Thema bei uns. In diesen Tagen wurde sie um einige neue Exponate ergänzt.

Foto: Martina Schneibergová
Rechts vom Eingang in die Ausstellung über die Monarchie wird das Leben auf dem Kaiserlichen Hof dokumentiert. Einige Exponate, die vom Kunsthistorischen Museum in Wien und dem Schloss Schönbrunn ausgeliehen wurden, wurden vor einigen Tagen nach Wien zurückgebracht. Sie wurden durch einzigartige Gegenstände aus tschechischen Sammlungen ersetzt. Diese stellen den Besuchern die Persönlichkeit von Kaiser Franz Joseph I., dessen Frau Sissi sowie den Thronfolger, den Erzherzog Franz Ferdinand d´Este, näher vor. Einige der neuen Exponate beziehen sich zudem auf böhmische Adelige, die höhere Ämter in der Landesverwaltung bekleideten, sagt Pavel Douša, Leiter des Historischen Museums.

Reitpeitsche aus dem Besitz von Kaiserin Sissi (Foto: Archiv des Nationalmuseums in Prag)
„Wir stellen hier eine Uniform von Kaiser Franz Joseph – seinen Mantel und die Marschallhose – aus. Neu ist hier ein Gegenstand aus dem Besitz der Kaiserin Sissi zu sehen, den sie oft benutzt hatte, und zwar eine kleine Reitpeitsche. Wie bekannt ist, war die Kaiserin eine sehr gute Reiterin, sie ritt sehr gern und verbrachte täglich einige Stunden im Sattel. Die Reitpeitsche ist mit Edelsteinen, Gold und Silber geschmückt.“

Armband von Kaiserin Sissi (Foto: Archiv des Nationalmuseums in Prag)
Die Reitpeitsche war im Besitz der Adelsfamilie Auersperg, und von ihr hat sie das Nationalmuseum bekommen. Die Authentizität dieses Gegenstands wird durch einen Beleg der kaiserlichen Kanzlei bestätigt, der neben dem Exponat zu sehen ist. Zudem stellt das Museum ein goldenes Armband der Kaiserin aus. Nach der Ermordung der Kaiserin hat man das Armband der Hofdame der Kaiserin Wilhelmine von Auersperg geschenkt.

Die ausgestellte Uniform von Kaiser Franz Joseph ist nur eine der vielen Uniformen, die das Nationalmuseum in seinen Sammlungen hat, erzählt Pavel Douša.

Pavel Douša (Foto: Martina Schneibergová)
„Der Kaiser hat seine Uniformen oft seinen Beamten geschenkt. Er besaß viele Uniformen: darunter mehrere General- und Feldmarschalluniformen. Aber am üblichen Arbeitstag trug er eine einfache Leutnantuniform. Mehrere Uniformen des Kaisers wurden während seines Lebens oder einige erst nach seinem Tod Adeligen geschenkt, die hohe Beamtenposten am Hof innehatten. Aus ihrem Nachlass hat das Nationalmuseum diese Uniformen bekommen.“

Neben der Uniform, die einst der Kaiser getragen hat, ist eine auffallend rote Uniform zu sehen. Diese gehörte Graf Karel Chotek. Pavel Douša:

Graf Choteks Uniform (Foto: Archiv des Nationalmuseums in Prag)
„Der rote Stoff ist mit Silber verziert. Es handelt sich um eine Landesuniform des obersten Burggrafen in Böhmen. Karel Chotek war eigentlich der letzte oberste Burggraf von Böhmen, später wurden anstelle der Burggrafen nur Verwalter des Landes angestellt. Wir erinnern an Graf Chotek auch aus dem Grund, weil seine Enkelin Sophie Chotek war, die Gattin des Thronfolgers Franz Ferdinand d´Este. Das Ehepaar ist 1914 Opfer des Attentats in Sarajewo geworden.“

Die neu ausgestellten Gegenstände sind durch Originalfotos ergänzt. Das Museum besitzt einige sehr frühe Fotografien des Kaisers Franz Joseph I. und seiner Frau Sissi. Die offiziellen Fotoportraits stammen aus dem Jahr 1860.

Fotoportraits von  Kaiser Franz Joseph I. und seiner Frau Sissi (Foto: Martina Schneibergová)
„Neu sind in der Vitrine zudem Fotos zu sehen, die Besuche des Kaisers in Böhmen, vor allem in Prag dokumentieren. Auf den Aufnahmen ist der Kaiser in den Prager Straßen zu sehen, wie er von den Stadtvertretern begrüßt wird. Es gibt hier auch ein Foto von der Jubiläumsausstellung in Prag. Der Kaiser nahm oft an der Eröffnung neuer Gebäude oder neuer Brücken teil. Graf Karel Chotek hat viel zur Modernisierung der Stadt Prag beigetragen. Er ließ die zweite Moldaubrücke bauen und setzte sich für den Ausbau der Eisenbahnstrecken ein. Unser Ziel ist es, auch die Modernisierung sowie die Verwandlungen der Gesellschaft im 19. Jahrhundert zu dokumentieren. Aus dem Grund erinnern wir in der Ausstellung ausführlich an Graf Chotek.“

Sammlung von Orden und Auszeichnungen (Foto: Martina Schneibergová)
Neben den Dokumenten über die Kaiserfamilie wird in einer Vitrine eine ganze Sammlung von Orden und Auszeichnungen gezeigt. Einer der Orden wurde nach der Kaiserin Elisabeth benannt, erzählt der Historiker:

„Diesen österreichischen Orden gründete Kaiser Franz Joseph nach dem Attentat, das 1898 auf seine Frau verübt wurde. Mit diesem Orden wurden Frauen ausgezeichnet, die Verdienste im karitativen Bereich erworben hatten. Interessant ist, dass der Orden nicht nur Adeligen verliehen wurde, wie es bei einigen anderen Auszeichnungen der Fall war. Zudem stellen wir hier Orden aus, die Franz Ferdinand d´ Este auf seiner Uniform am 28. Juni 1914 in Sarajevo trug, als der Anschlag auf ihn verübt wurde. Am bekanntesten von diesen Auszeichnungen ist der Orden vom Goldenen Vlies. An den Orden, vor allem an den Schleifen sind immer noch Blutspuren zu erkennen. Die Auszeichnungen stammen aus dem Schloss Konopiště, das dem Erzherzog Ferdinand d´ Este gehörte. Heute befinden sie sich in den Sammlungen des Nationalmuseums.“