Ski Alpin: Capová und Zabystřan sind neue Hoffnungsträger

Jan Zabystřan (Foto: Archiv von Jan Zabystřan)

Das Ende der Sommerzeit bedeutet oft gleichzeitig auch den Beginn des Wintersports im Schnee. So ist es jedenfalls im alpinen Skisport. Dieser startet am kommenden Wochenende mit der traditionellen Weltcup-Veranstaltung im österreichischen Sölden in die neue Saison.

Šárka Strachová (Foto: YouTube)
Die großen Erfolge der tschechischen Sportlerinnen im alpinen Skisport sind schnell aufgezählt. Bei den Winterspielen 1984 in Sarajevo erkämpfte Olga Charvátová die erste und für lange Zeit auch einzige Olympiamedaille für das Land – es war eine bronzene in der Abfahrt. Erst 26 Jahre später tat es ihr die Slalomfahrerin Šarka Strachová gleich, noch unter ihrem Mädchennamen Záhrobská gewann sie in Vancouver Bronze in ihrer Spezialdisziplin. Die 34-jährige Strachová hat ihre Karriere inzwischen beendet, sie ist mit vier WM-Medaillen – darunter Gold 2007 in Åre – aber bis heute die erfolgreichste alpine Skiläuferin aus Tschechien. Und noch in sehr guter Erinnerung ist der Überraschungssieg der eigentlichen Snowboardfahrerin Ester Ledecka im Super-G vor anderthalb Jahren bei den Winterspielen in Pyeongchang.

Ester Ledecká (Foto: David Sedlecký, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)
Gerade der Sensationsritt von Ledecká auf der anspruchsvollen Piste in Südkorea aber hat den schnellen Skisport Made in Czechia wieder in ein etwas helleres Licht gerückt. Hinzu kommt die Ausrichtung eines Slalom-Weltcuprennens der Frauen im März dieses Jahres im Riesengebirge. Die Veranstaltung in Špindlerův Mlyn / Spindlermühle war sehr gut organisiert und mit über 15.000 Zuschauern an zwei Tagen auch hervorragend besucht. Das ist dem Internationalen Skiverband FIS nicht entgangen. Deshalb wird es wohl so kommen, dass Tschechien nicht wieder acht Jahre lang auf ein solches Highlight wird warten müssen. Am vergangenen Mittwoch sagte der Verbandschef der tschechischen Alpinen, Ladislav Forejtek:

„Wir sind bei der Vorausplanung berücksichtigt worden. Wir haben einen Termin, auch wenn dieser noch nicht fix ist. Aber wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, sollte er auf der FIS-Konferenz im Frühjahr kommenden Jahres bestätigt werden. Es ist der 4. und 5. März 2023, das heißt, in der Saison 2022/23 richten wir erneut einen Weltcup aus.“

Wie motivierend solch eine Veranstaltung im eigenen Land sein kann, hat eben das Rennwochenende in Spindlermühle bewiesen. Gleich zwei tschechische Teilnehmerinnen kamen unter die Top 30 des Slalomwettbewerbs. Martina Dubovská erkämpfte mit dem 23. Platz ihre ersten Weltcuppunkte nach gut einem Jahr, und für Gabriela Capová war der 15. Rang die bisher beste Platzierung ihrer Karriere überhaupt. Das ist auch der Trainerin des tschechischen Frauenteams, Eva Kurfürstová, nicht entgangen. Ihrer Meinung nach hat Capová durchaus noch Potenzial nach oben:

Gabriela Capová (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Ich denke, dass Gabriela Capová ihren Aufwärtstrend aus dem vergangenen Jahr fortsetzen wird. Ich sehe die reelle Chance, dass sie in jedem Slalom-Weltcuprennen der neuen Saison in den zweiten Durchgang kommt.“

Das heißt, dass sich Gabriela Capová in ihrer Spezialdisziplin ständig unter die Top 30 platzieren würde. Das ist durchaus nicht zu hoch gegriffen, denn für dieses Ziel hat die 26-Jährige auch den nötigen Ehrgeiz:

„Gewiss bin ich erfreut darüber, wie die letzte Saison gelaufen ist. Ich konnte etwas näher an die Weltspitze heranrücken. Für die neue Saison habe ich mir vorgenommen, mich noch weiter zu verbessern. Ich wäre nicht zufrieden, wenn ich in meinen Leistungen stagnieren würde. Ich möchte öfter als bisher im Weltcup punkten und so auch die ganze Saison über stabil unter den besten Dreißig landen.“

Levi (Foto: Janne Karaste, Wikimedia Commons, CC BY 2.0)
Dank ihrer guten Ergebnisse aus dem Vorjahr hat sich Capová eine brauchbare Ausgangsposition für den Weltcup-Auftakt im Slalom gesichert. Er wird am 23. November im finnischen Levi ausgetragen, und dort wird die gebürtige Ostrauerin im schlechtesten Fall von der 35. Startposition ins Rennen gehen. Von dort will sie sich weiter nach oben vorarbeiten, versichert Capová:

„Ich habe mir eine gute Basis für die neue Saison geschaffen. Gelingt mir ein erfolgreicher Einstieg in Levi, dann kann ich schon im nächsten Rennen von einer Position unter den besten 30 starten. Denn nach jedem Wettbewerb wird ein Zehntel der Gesamtpunktzahl des Vorjahres gestrichen, und die neu gewonnenen Punkte werden hinzuaddiert.“

Nationaltrainerin Eva Kurfürstová ist sich sicher, dass Gabriela dies schaffen wird. Und gegenüber Journalisten fügt sie hinzu, weshalb sie von ihrem Schützling so überzeugt ist:

Eva Kurfürstová (Foto: František Tichý, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Möglicherweise hätten auch Sie nicht darauf gewettet, dass aus Gabriela damals mit 15 Jahren später eine solch gute Wettkämpferin werden würde. Doch sie ist besonders, sie hat sich alles erkämpft. Sie war damals wohl nicht unbedingt das größte Talent, aber mit harter Arbeit ist sie Schritt für Schritt vorangekommen. Das heißt, sie hat redliche Arbeit geleistet, und auf die dabei gesammelten Erfahrungen basiert ganz offenbar auch ihr Erfolg.“

An solche kleinen Erfolge müssen sich die tschechischen Männer im alpinen Skisport erst wieder herantasten. Bisher fuhren sie der Konkurrenz ständig hinterher, mit Ausnahme des für seinen verwegenen Fahrstils bekannten Ondřej Bank. Der mehrfache Landesmeister gelangte zweimal im Weltcup auf einen Podestplatz – in der sogenannten Superkombination wurde er jeweils Dritter. Bank aber hat seine Karriere vor dreieinhalb Jahren beendet, jetzt gehört er zum Trainerstab von Ester Ledecká im alpinen Skisport. Und mit der Olympiasiegerin im Super-G konnte jüngst auch eines der größten Talente aus Tschechien zusammen trainieren: Jan Zabystřan. Der 21-Jährige gewann als Junior bei der U18-WM zweimal Gold und zweimal Silber und gilt seitdem als neuer Hoffnungsträger in seiner Sportart. Doch beim Trainingscamp in Chile ist er Anfang Oktober gestürzt und noch dazu mit seinen Trainer Tomáš Klinský zusammengeprallt. Dabei hat er sich eine Quetschung des Hüftgelenks zugezogen, was ihn nun zu einer einmonatigen Trainingspause zwingt. Dennoch verliert er sein Ziel nicht aus den Augen:

Jan Zabystřan (Foto: Archiv von Jan Zabystřan)
„Ich hoffe, dass ich bis zum ersten Weltcup-Slalom in Levi wieder zurück bin. Derzeit habe ich gerade im Slalom noch einen gewissen Trainingsrückstand. Doch ich bin optimistisch, genauso wie mein Arzt. Wenn es mir gelingt, ab Anfang November wieder täglich zu trainieren, dann halte ich es für real, dass ich in Levi an den Start gehe.“

Diese Weltcupveranstaltung wird am 24. November ausgetragen, bis dahin will Zabystřan noch emsig in einer Halle in Litauen trainieren. Aber er hat auch einen Plan B parat:

„Wenn ich mich nicht einhundertprozentig fit fühle, dann verzichte ich auf einen Start und gebe meinen Teamkollegen Ondřej Berndt oder Kryštof Krýzl den Vorrang. Denn das Hauptziel der Saison ist für uns, dass wir regelmäßig punkten. Derzeit haben wir nur einen Startplatz sicher, wenn aber einer von uns in die Punkteränge fährt, darf Tschechien mit zwei Skifahrern antreten. Und das verdoppelt unsere Chance, dass einer von uns sich unter den besten Dreißig platziert.“

Sölden (Foto: Dewi König, Panoramio, CC BY-SA 3.0)
Zum Weltcup-Auftakt aber schafft es Zabystřan mit Sicherheit nicht. Der wird an diesem Wochenende in Sölden vollzogen, und zwar mit den Wettbewerben der Männer und Frauen im Riesenslalom. Tschechien entsendet dorthin seine jeweils Besten, das sind daher Ondřej Berndt und Gabriela Capová.

„Ich halte diesen Wettkampf für ein typisches Auftaktrennen. Jeder will zunächst irgendwie reinkommen in die neue Saison. Im Riesenslalom ist bei mir zudem alles möglich: Ich kann ihn total verhauen, aber auch sehr gut fahren. Mein Trainer weiß genau, wovon ich rede. Nach einem verpatzten Probelauf wollte er mich schon öfter gleich nach Hause schicken, doch im Wettkampf lief es dann super. Für Sölden habe ich also keine Erwartungen – entweder es läuft gut oder schlecht. Oder etwas dazwischen, schwer zu sagen“, sagt Capová.

Autor: Lothar Martin
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