Škoda 15T: Moderne Niederflurstraßenbahn mit großen Problemen

Foto: Archiv der Prager Verkehrsbetriebe, CC BY-SA 3.0

Wer nach Prag fährt, wird ihnen unweigerlich begegnen: den alten Tatra-T3-Straßenbahnen. Sie passen von Form und Farbe in das historische Stadtbild, genügen aber leider nicht mehr modernen Ansprüchen. Daher werden sie seit einiger Zeit entweder ausgemustert oder modernisiert, im Gegenzug kauft die Stadt neue Niederflurstraßenbahnen. Diese sind aber teilweise fehlerhaft und überteuert, doch die Stadt kommt nicht aus dem Kaufvertrag heraus.

Škoda Transportation 15T ForCity (Foto: Jan Groh, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Sie ist in drei Farben lackiert: rot, schwarz und silber, sie besteht aus drei Teilen und ist vollständig tiefgelegt. Die Rede ist vom Straßenbahnmodell Škoda Transportation 15T ForCity, das bereits seit 2010 in der tschechischen Hauptstadt unterwegs ist. Leider hat das neue Flagschiff der Prager Verkehrsbetriebe auch seine Schattenseiten: Die Stadt kann die Kosten für die vertragliche Abnahme der neuen Fahrzeuge kaum mehr tragen, und die Bahnen haben viele Fehler. Milan Křístek war bis Ende September Generaldirektor der Prager Verkehrsbetriebe:

„Wir haben bei den gelieferten Straßenbahnen, die noch in der Garantiezeit sind, 900 Mängel reklamiert. Wir mussten wegen dieser Mängel extra das Team von Technikern und Spezialisten verstärken, das sich nur um diese Reklamationen kümmert. Die Mängel lassen sich in zwei Gruppen aufteilen: einmal kleinere Einzelfälle und dann die Typenfehler. Diese Mängel finden sich bei allen gelieferten Bahnen.“

Škoda Transportation 15T ForCity (Foto: Archiv der Prager Verkehrsbetriebe, CC BY-SA 3.0)
Wegen dieser Probleme sind von den bisher gelieferten 61 Straßenbahnen ständig sieben in Reparatur. Der Lieferant Škoda Transportation versichert, alle gefundenen Mängel zu beheben und die Verbesserungen in den Herstellungsprozess zu integrieren. Die nächsten Bahnen sollen dann ohne diese Mängel geliefert werden. Und es werden noch viele dieser Fahrzeuge in Prag erwartet, denn der Magistrat hat 2005 einen Vertrag über die Lieferung von 250 modernen Niederflurstraßenbahnen bis zum Jahr 2018 unterzeichnet – für die Summe von insgesamt 19 Milliarden Kronen (760 Millionen Euro).

Den Vertrag hatte noch der langjährige Oberbürgermeister Pavel Bém unterzeichnet. Er ließ die derzeitigen Stadtväter wissen, dass sie unfähig seien – in seiner Amtszeit habe Prag immer seinen Verpflichtungen nachkommen können, so der ODS-Politiker. Michal Štěpán von der Partei Top 09 sitzt im Prager Stadtrat und im Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe:

Michal Štěpán (Foto: Archiv des Prager Magistrats)
„Prag hat viele dieser Großprojekte, und die Finanzierung nur eines von ihnen wäre kein Problem. Wenn nun aber die Anschaffung der Straßenbahn 15T, die Verlängerung der Metro A sowie der Autobahntunnel Blanka gleichzeitig laufen, dann hat Prag dafür kein Geld, da liegt das Problem.“

Das Modell 15T wurde übrigens extra für Prag entwickelt. Denn die Bedingungen in der tschechischen Hauptstadt sind für Straßenbahnen extrem anspruchsvoll, so sind die Straßen und Kurvenradien eng und die Steigungen steil. Die damals bestellten 250 Bahnen muss die Stadt nun abnehmen, egal welche Mängel an den Fahrzeugen auftreten und welche Finanzierungsprobleme die Stadt hat. Noch einmal Milan Křístek, ehemaliger Direktor der Verkehrsbetriebe:



Milan Křístek (Foto: Archiv des Prager Magistrats)
„Die Verkehrsbetriebe haben einige Rechtsgutachten zur Änderung oder Beendigung des Vertrags ausarbeiten lassen. Das letzte wurde erst in diesem Jahr auf Wunsch des Aufsichtsrats angefertigt. Ich glaube, ich hätte mich zum Idioten gemacht, wenn ich auf Grundlage eines solchen Gutachtens den Vertrag mit Škoda Transportation aufgelöst und mich dann einer Klage von mehreren Milliarden gegenüber gesehen hätte.“

Auch der amtierende Prager Oberbürgermeister Tomáš Hudeček ist der Meinung, der Vertrag sei unkündbar. Dazu passt die Information, dass einige Miteigentümer von Škoda Transportation gerade erst wegen eines Skandals um den Kauf einer Kohlefirma in der Schweiz verurteilt wurden.