Škoda Auto zum bereits 14. Male Tschechiens Topfirma des Jahres

Die tschechischen Unternehmen, die zu den Top 100 des Landes zählen, produzieren bereits zwölf Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Im Wettbewerb der Firmen spielt die starke Tschechische Krone eine immer wichtigere Rolle. Für Firmen mit hohem Transportaufkommen könnte sie sich an der Zapfsäule im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt machen.

Ups and downs in der tschechischen Wirtschaft

Die Gesamtverschuldung der tschechischen Städte und Gemeinden ist einer Analyse des Czech Credit Bureaus (CCB) zufolge im vergangenen Jahr um drei Prozent gesunken. Sie beträgt nunmehr etwas weniger als 112,5 Milliarden Kronen (ca. 4,7 Milliarden Euro). Damit sind die Schulden der tschechischen Kommunen erstmals seit dem Jahr 1993 zurückgegangen. CCB-Vorstandsmitglied Pavel Finger bestätigte gegenüber dem Tschechischen Rundfunk, dass diese Zahlen kein Zufallsprodukt sind:

„Der Trend, den die tschechischen Städte und Gemeinden in ihrer Wirtschaftlichkeit eingeschlagen haben, ist insgesamt wirklich positiv. Die Anzahl der Ortschaften, die sich in der Rating-Kategorie A mit der besten Wirtschaftlichkeit befinden, ist gewachsen. Demgegenüber ist die Zahl der Ortschaften gesunken, die in der Minus-Kategorie auftauchen.“

Mehr und mehr im Landschaftsbild der Tschechischen Republik auftauchen sollen schon in naher Zukunft moderne Windkraftanlagen. Die Leistung dieser Anlagen soll bis zum Jahr 2012 um das Achtfache gesteigert werden und somit in vier Jahren die Kapazität von 1000 Megawatt übersteigen. Kritiker warnen jedoch vor allzu großem Optimismus, da die Windkraft eine relativ unstabile Energiequelle sei. Weht kein Wind oder nur ein laues Lüftchen, dann ist auch die Energieausbeute ziemlich gering. Der Vorsitzende der Tschechischen Gesellschaft für Windenergie, Michal Janeček, verteidigt jedoch die Windkraftanlagen:

„Gegenwärtig betreiben wir in Tschechien rund 100 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 133 Megawatt. Wir nutzen damit eine der erneuerbaren Energien, und das mit den vorhandenen Anlagen auch weitgehend effektiv.“

Kaum noch erklären kann man das, was man in den zurückliegenden Wochen und Monaten immer häufiger registrieren muss – den ständig steigenden Kurs der Tschechischen Krone. Am vergangenen Mittwoch durchbrach er eine weitere Schallmauer: Am Nachmittag des 18. Juni wurde der Kurs zwischen tschechischer und europäischer Währung erstmals mit unter 24 Kronen je Euro notiert. Der Analytiker der Agentur Patria Finance, Tomáš Vlk, ist der Meinung, dass hinter dieser erneuten Aufwertung der Tschechischen Krone vor allem Spekulanten stehen:

„Hier sind offensichtlich einige Spekulationen angestellt worden mit dem Ziel, den Kurs unter eine weitere psychologische Marke zu drücken. Das ist anschließend auch gelungen, so dass die Krone im Ergebnis mit einem Kurs von 23,93 Kronen je Euro gehandelt wurde.“

Beklagen sich einerseits die tschechischen Exporteure, das ihnen die starke Krone das Auslandsgeschäft kaputt mache, so nehmen andererseits alle inländischen Unternehmen, die viel zu transportieren haben, mit Genugtuung zur Kenntnis, dass die starke Krone dazu beiträgt, den Anstieg der Kraftstoffpreise vorerst zu stoppen. Es ist sogar nicht ausgeschlossen, dass die Preise an den Tankstellen nach längerer Durststrecke wieder einmal zurückgehen, meint der Analytiker der Gesellschaft Colloseum, Petr Čermák:

„Die hohen Kraftstoffpreise beginnen immer mehr zu einem Problem zu werden. Die Tschechische Krone wiederum hat ihre Kurssteigerung zum US-Dollar kontinuierlich fortgesetzt. Und das könnte schon in dieser Woche dazu führen, dass die Preise von Benzin und Diesel nach einer längeren Zeit der Stagnation endlich wieder fallen werden.“

Hinter die Fassade geschaut

Die Bedeutung der großen und umsatzstarken Firmen nimmt auch in Tschechien ständig zu. Im vergangenen Jahr waren die Top 100 mit zwölf Prozent an der Schaffung des Bruttoinlandsproduktes beteiligt und schufen einen Erlös von nahezu zweieinhalb Billionen Kronen (ca. 100 Milliarden Euro). Das geht aus dem Jahresranking hervor, das vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde – wie immer errechnet von der der Vereinigung Czech Top 100 in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Ökonomie in Prag.

Seit der ersten Zusammenstellung des Rankings im Jahr 1994 haben sich die Erlöse der 100 größten Firmen in Tschechien um mehr als 400 Prozent erhöht. Die im letzten Jahr erzielten 2,5 Billionen Kronen entsprechen bereits dem doppelten Umfang des Staatshaushalts. Unter den Top Ten dominieren Unternehmen aus der Automobilindustrie, der Energieerzeugung und der chemischen Industrie.

Auf dem ersten Platz liegt erneut der Pkw-Hersteller Škoda Auto, und das bereits zum 14. Male in Folge! Škoda ist der größte Exporteur des Landes, dem allein das Auslandsgeschäft einen Erlös von 195 Milliarden Kronen brachte. Insgesamt verzeichnete Škoda Einnahmen in Höhe von 222 Milliarden Kronen (ca. 9,2 Milliarden Euro). Und dass die Autowerker auch ihre Ausgaben völlig im Griff haben, haben sie jüngst wieder beim landesweiten Warnstreik der Gewerkschafter bewiesen. Am Dienstag standen auch bei Škoda für eine Stunde die Maschinen still, über die Lastenverteilung des Produktionsausfalls sei man sich aber schnell einig gewesen, so der Sprecher des Unternehmens, Jaroslav Černý:

„Die Teilnehmer am Warnstreik haben für die Streikdauer auf ihren Lohn verzichtet. Die eine Stunde wird ihnen als unbezahlte Freistellung angeschrieben. Au7erdem wurde gewährleistet, dass es in der Produktion keinerlei Abstriche bei unseren Zielen für das Jahr 2008 geben wird.“

Mit seinen über 23.000 Beschäftigten hat Škoda Auto jedoch auch einen hohen Kostenfaktor zu tragen. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass das Unternehmen beim 2007 erzielten Gewinn mit 15,8 Milliarden Kronen (ca. 650 Millionen Euro) nur den zweiten Rang belegt – hinter dem Energieriesen ČEZ, der es auf den satten Gewinn von 42,7 Milliarden Kronen (ca. 1,7 Milliarden Euro) brachte. Hinter dem Rekordgewinn von ČEZ stehen vor allem der immense Druck in punkto Kostensenkungen und die Einnahmen aus den hohen Preisen für Elektroenergie, die das Unternehmen dank seiner europaweiten Expansion immer häufiger auch von ausländischen Abnehmern generiert. Mit dem Erlös von 174,6 Milliarden Kronen (ca. 7,2 Milliarden Euro) liegt ČEZ im Ranking auf dem Vizerang.

Auf den dritten Platz nach vorn geschoben hat sich die taiwanesische Firma Foxconn, die im mittelböhmischen Kutná Hora / Kuttenberg ein Montagewerk zur Herstellung von LCD-Bildschirmen betreibt. 2005 lag Foxconn noch auf dem 10. Platz, 2006 war sie schon Fünfter. Der Sprung unter die Top Drei ließ sie somit zum „Aufsteiger des Jahres“ werden. Der „Absteiger des Jahres“ hingegen ist das Unternehmen Metalimex, das sich um 19 Plätze verschlechterte: von Rang 27 im Jahr 2006 auf Platz 46 im Vorjahr. Auf dem 18. Platz des Rankings wiederum liegt die Tschechischen Bahn (ČD). Im Gegensatz zu Škoda sind die Eisenbahner aus dem einstündigen Warnstreik jedoch mit gehörigen Verlusten herausgegangen:

„Wir schätzen die Schäden momentan auf einige Millionen Kronen. Das hängt sowohl mit den geringeren Einnahmen als auch mit den Kosten für den Schienersatz-Verkehr per Bus und weiteren Sondermaßnahmen zusammen“,

sagte ČD-Sprecher Ondřej Kubala. Die tschechische Wirtschaft in ihrer Gesamtheit aber rollt unaufhörlich weiter zu neuen Ufern und Bestmarken.