Spanien als Vorbild? Prag und das Problem der wachsenden Zahl an Airbnb-Unterkünften

Die Vermietung von Wohnungen und Zimmern über Airbnb funktioniert längst nicht mehr nur im Sinne einer Sharing Economy, also einer Wirtschaft des Teilens. Aus der netten Idee, bei jemandem Einheimischen unterzukommen, ist ein Geschäftsmodell geworden. Die Folge ist, dass dadurch Wohnungen auf dem Markt fehlen. Dieses Problem hat auch Prag. Deswegen beobachtet man in der tschechischen Hauptstadt aufmerksam, was sich gerade in Spanien tut.

Airbnb | Foto: Tero Vesalainen,  Pixabay,  CC0 1.0 DEED

Die Regierung Spaniens hat den Dauervermietungen über Airbnb den Kampf angesagt. Angesichts der akuten Wohnungsnot in dem südeuropäischen Land hat sie genau hingeschaut bei den Übernachtungsangeboten über die Plattform. Das Ergebnis: Über 65.000 Airbnb-Anzeigen müssen offline genommen werden. Ist das auch ein Vorbild für Tschechien?

Zdeňka Havlová leitet das Analysebüro beim Institut für Stadtentwicklung in Prag. Ihren Worten nach ist das Problem hierzulande nicht so ausgeprägt wie in Spanien und betrifft eigentlich nur Prag.

Zdeňka Havlová | Foto: Jan Malý,  IPR Praha

„Im Juni gab es in Prag etwa 10.500 Airbnb-Einheiten, davon waren etwa 80 Prozent aktiv. Seit der Corona-Pandemie hat sich aber die Zahl der Angebote kontinuierlich wieder erhöht, und zudem ist die Professionalisierung angestiegen“, so Havlová in einem Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Konkret hatte sich bis April dieses Jahres die Zahl der Airbnb-Angebote für Prag gegenüber 2021 verfünffacht. Allerdings sind noch nicht die Werte aus der Zeit vor der Pandemie erreicht. Laut Havlová sind wohl einige der privaten Anbieter dazu übergegangen, ihre Wohnungen oder Zimmer langfristig zu vermieten.

Touristen im Zentrum von Prag | Illustrationsfoto: mihailrepida,  Pixabay,  Pixabay License

In jedem Fall betont die Expertin, dass die Zahl – auf die ganze Stadt gerechnet – nicht hoch ist. Nur ein Prozent der Prager Wohnungen werden demnach über Airbnb vermietet. Dennoch nennt sie zwei Probleme:

„Das erste ist die extreme Konzentration dieser Angebote im Zentrum der Stadt. Im ersten Prager Stadtbezirk werden bis zu 16 Prozent der Wohnungen per Airbnb zur kurzfristigen Miete angeboten. Das zweite ist die kommerzielle Natur dieser Offerten. Die meisten der Airbnb-Einheiten sind ganze Wohnungen und werden das gesamte Jahr über angeboten. Und hinter ihnen stehen Betreiber, die gleich mehrere Dutzend solcher Einheiten verwalten. Der ursprüngliche Gedanke des geteilten Wohnens und des Zuverdiensts für Einheimische ist meist verlorengegangen.“

Im besonders betroffenen Zentrum von Prag führen die Kurzzeitvermietungen dazu, dass die ursprünglichen Anwohner hinausgedrängt werden. Zugleich steigt der ohnehin schon unangenehme Übertourismus. Und diejenigen, die in den Gegenden noch wohnen, klagen über Lärm in der Nacht und die Vermüllung von Straßen.

Touristen auf dem Altstädter Ring in Prag | Foto: René Volfík,  iROZHLAS.cz

In Spanien werde das Problem allerdings noch einmal deutlich intensiver wahrgenommen als in Tschechien, gesteht Zdeňka Havlová. Trotzdem sieht sie gewisse Inspirationen für den Umgang mit Airbnb auch in Prag.

„Sicher lässt sich übernehmen, dass man sich darum bemüht, die Einhaltung geltender Vorschriften zu kontrollieren. Da geht es etwa darum, ob diese kurzfristigen Vermietungen alle Erfordernisse für einen Beherbergungsbetrieb erfüllen. So muss eine Gewerbeanmeldung vorliegen, aber auch baurechtliche Aspekte müssen erfüllt sein. Für uns ist jedoch bisher das Problem, die Einhaltung der Regeln auch einfordern zu können. Denn uns fehlen die entsprechenden Daten und konkrete Informationen über die Angebote“, so die Expertin.

Illustrationsfoto:: Andrew Neel,  Pexels,  Pexels Licence

Das könnte sich allerdings ändern. Denn auch in Tschechien soll ein von der EU gefordertes Online-System für die Registrierung von Übernachtungsgästen eingeführt werden, und zwar unter der Bezeichnung e-Turista. Es schließt ebenso die Angebote von Airbnb und anderen Online-Plattformen ein. Und laut Havlová könnte so endlich die nötige Handhabe entstehen:

„Bis jetzt erhalten wir die Informationen über die Angebote nur über die Website von Airbnb. Dadurch haben wir keine genauen Daten. Denn zahlreiche Anbieter betreiben zum Beispiel mehrere Profile, sodass es aussieht, als handle es sich um unterschiedliche Anbieter. Mit e-Turista hätten wir eine zuverlässige und rechtlich verankerte Quelle an Informationen über Kurzzeitvermietungen. Und genau das würde es erleichtern, die Einhaltung der Regeln einzufordern, und es würde den Bereich transparenter machen.“

Doch das Gesetz zum Onlineportal e-Turista ist im Frühjahr in der dritten Lesung des Abgeordnetenhauses steckengeblieben. Damit ist weiterhin nicht klar, ob und in welcher Form es kommt. Denn Anfang Oktober wird in Tschechien ein neues Parlament gewählt.

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČTK
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