St. Laurentius-Wallfahrt und Chodenfest

Chodenfest (Foto: Monika Kreuzová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Die westböhmische Stadt Domažlice / Taus ist das Zentrum des Chodenlandes. Es gibt nur wenige Orte in Böhmen, wo bis heute bei festlichen Gelegenheiten Volkstrachten getragen werden. In Domažlice und seiner Umgebung wird die Volkstradition immer noch gelebt. Am Wochenende vom 12. bis 15. August können die Folklorefans beim Chodenfest in Domažlice auf ihre Kosten kommen.

Chodenfest (Foto: Monika Kreuzová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Die Stadt Domažlice hat normalerweise rund 11.000 Einwohner, aber am Wochenende der St.-Laurentius-Wallfahrt mit dem Folklorefestival platzt die Chodenstadt aus allen Nähten. In den Tagen vom 12. bis 14. August wird das Chodenfest zum 62. Mal veranstaltet. Die Geschichte der St. Laurentius-Wallfahrten ist jedoch bedeutend länger. Stanislav Antoš ist Vizebürgermeister von Domažlice.

„Die St.-Laurentius-Wallfahrt in Domažlice hat ihre Wurzeln in der Barockzeit. Die Laurentiuskapelle wurde 1695 auf dem Hügel Veselá hora erbaut. Sie liegt etwa zwei Kilometer von der Stadt entfernt. Die Kapelle wurde später zu einer Kirche umgebaut. Die größten Wallfahrten fanden dort in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts statt. Zu der Zeit erreichte die nationale Wiedergeburt ihren Höhepunkt in Böhmen. An den Wallfahrten nahmen damals häufig auch tschechische Schriftsteller wie Božena Němcová oder Jindřich Šimon Baar teil. Domažlice ist auch deswegen bekannt geworden – als ein Zentrum der Volkstraditionen. Die überhaupt größte Wallfahrt gab es jedoch 1939. Sie verwandelte sich in eine Protestkundgebung gegen die NS-Besatzung. Während des Zweiten Weltkriegs wurden keine Wallfahrten organisiert. Erst nach dem Kriegsende wurde die Tradition der Laurentius-Feste wieder erneuert. Die Kommunisten, die 1948 an die Macht gekommen sind, haben aber wiederum jedwede Wallfahrten verboten. Eine Ausnahme ist jedoch das Jahr 1968.“

Neuanfang nach der Wende

Stanislav Antoš (Foto: Martina Schneibergová)
In der kurzen Zeit der Entspannung von 1968 wurde das Laurentius-Fest in Domažlice wieder groß gefeiert. In den 1970er und 1980er Jahren wurden sämtliche Kirchenfeste, die in der Öffentlichkeit und nicht hinter Kirchenmauern stattfanden, erneut verboten. Die Wallfahrten wurden erst nach der Wende von 1989 wiederbelebt. Der Vizebürgermeister Antoš:

„Seit 1990 finden die Wallfahrten wieder regelmäßig statt. Es kommen oft namhafte Persönlichkeiten nach Domažlice. Vor ein paar Jahren nahm der Bischof von Regensburg, Rudolf Vorderholzer, am Laurentius-Fest teil. Seine Mutter stammt aus dem westböhmischen Kladruby / Kladrau. Auch der vor kurzem verstorbene Giovanni Coppa, der apostolischer Nuntius in Tschechien war, hat die Wallfahrt besucht. Neben den kirchlichen Würdenträgern haben inzwischen auch einige Schriftsteller das Fest besucht und dort eine Rede gehalten.“

Chodenland - Insel der Folkloretradition in Böhmen

Foto: Martina Schneibergová
Das Interessante an den Laurentius-Wallfahrten sei die Tatsache, dass viele Pilger eine Volkstracht trügen, sagt Vizebürgermeister Stanislav Antoš. Dies ist in Böhmen einzigartig, denn es gibt keine andere Region mit einer lebendigen Volkstrachtentradition. Vizebürgermeister Antoš:

„Es stimmt schon, dass das Chodenland eine Art Insel der Folkloretradition in Böhmen darstellt. Ich bin davon überzeugt, dass zur Aufrechterhaltung der Volkstrachten in der Region die Schriftsteller beigetragen haben, die im 19. Jahrhundert die Volkskultur populär machten. Es ist zudem bemerkenswert, dass die Religiosität im Chodenland bedeutend stärker ist als in den anderen Grenzgebieten Tschechiens / Böhmens. Noch interessanter ist die Tatsache, dass hier nicht nur die ältere Generation, sondern vor allem auch die jungen Menschen mit Hochschulbildung religiös sind.“

Die Volkstrachtentradition wird meist in den Familien gepflegt, meint der Vizebürgermeister weiter:

Das Chodenfest findet in Domažlice vom 12. bis 14. August statt. Der Eintritt ist frei. In den Räumlichkeiten der Agentur CzechTourism auf dem Altstädter Ring in Prag wurde anlässlich des Chodenfestes eine Fotoausstellung eröffnet zu den vergangenen Jahrgängen des Festivals.

„Die hiesigen Volkstrachten sind übrigens den Volkstrachten in Bayern in vielerlei Hinsicht ähnlich. Es gibt an den Kleidern Zierelemente, die gleich sind. Ich finde es wichtig, dass sich die Zusammenarbeit der tschechischen Folkloreensembles mit den bayerischen in den letzten 25 Jahren sehr gut entwickelt hat.“

Das Folklorefestival „Chodské slavnosti“ (Chodenfest) wurde 1955 in der Bemühung gegründet, den religiösen Charakter der Feste zu verschleiern. Die Laurentius-Wallfahrten wurden jedoch 1990 erneuert. Das Chodenfest wird als Folklorefestival gemeinsam mit dem Kirchenfest veranstaltet. In diesem Jahr gibt es in Domažlice ein Programm auf fünf Bühnen. Neben den Ensembles aus Tschechien werden dort auch Folklorensembles aus Belgien, Großbritannien und Kroatien auftreten. Der Festgottesdienst beginnt in der Laurentius-Kirche am Sonntag um 10 Uhr.

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