Staat hilft beim ersten Eigenheim – ein bisschen

Foto: nattanan23 / Pixabay CC0

Die Regierung will junge Familien unterstützen. Seit Mittwoch zahlt der Staat höhere Wohnkredite, und das zu günstigen Konditionen.

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Adéla ist Anfang dreißig und will eine Wohnung in Prag kaufen. Drei Zimmer sollten es sein, möglichst im relativ zentralen Stadtteil Žižkov. Nach einigen Bankterminen kam aber die Ernüchterung:

„Vor 14 Tagen habe ich mich auf dem Markt umgesehen, damit ich die ungefähre Höhe einer Hypothek einschätzen kann. Auf der Bank hat man mir dann gesagt, dass bei mir nicht einmal annähernd die angefragte Summe möglich wäre. Und das auch nicht mit einer Beteiligung meiner Eltern.“

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Wohnraum ist mittlerweile unerschwinglich in bestimmten Teilen Tschechiens, vor allem in Prag. Adéla sollte für ihre Traumwohnung mindestens vier Millionen Kronen (156.000 Euro) einplanen, wobei sie da schon sehr viel Glück haben müsste. Bei einem Prager Durchschnittslohn von etwas mehr als 35.000 Kronen (1360 Euro) brutto ist das nicht machbar, die Banken verlangen viel höhere Sicherheiten.

Um wenigstens junge Familien beim Weg zum Eigenheim zu entlasten, vergibt der Staat nun günstige Wohnkredite. Dafür hat die Regierung insgesamt 650 Millionen Kronen (25,3 Millionen Euro) locker gemacht, mit Aussicht auf mehr. Verteilen soll das Geld der Staatliche Fonds zur Wohnentwicklung. Karolína Smetanová ist Sprecherin der Institution und erklärt, wer Anspruch auf wie viel Geld hat:

„Wir wollen junge Menschen unterstützen, die ein Grundstück geerbt haben, bereits ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen beziehungsweise renovieren möchten. Denen möchten wir helfen.“

Konkret darf man nicht älter als 36 Jahre und muss verheiratet sein oder sich zu zweit um ein Kind kümmern. Für den Kauf einer Wohnung gibt es dann 1,2 Millionen Kronen (47.000 Euro), für den Bau oder Kauf eines Hauses zwei Millionen Kronen (78.000 Euro). Dabei ist der Kredit äußerst günstig, der Zinssatz liegt bei nur knapp über einem Prozent.

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Der Andrang war groß am ersten Tag der Vergabe am Mittwoch, die Interessenten standen teils schon in der Nacht Schlange. Das lag aber auch daran, dass man seinen Antrag persönlich nur in Prag und Olomouc / Olmütz einreichen kann. Allerdings ist es auch möglich, sein Gesuch per Post einzuschicken. Bisher sind laut Angaben des Staatsfonds knapp 300 Millionen Kronen (11,7 Millionen Euro) an etwas mehr als 250 Antragsteller gegangen. „Am Ende war der Andrang viel dramatischer, als wir erwartet haben“, meint dazu Karolína Smetanová.

Doch es gibt auch Kritik an den günstigen Wohnkrediten. Denn in den Großstädten reicht das geliehene Geld vom Staat nicht einmal annährend für eine Garçonnière, geschweige denn für noch geräumigere eigene vier Wände. Auch aus der Immobilienbranche heißt es, dass die Maßnahme nur ein publikumswirksamer Tropfen auf den heißen Stein sei. Evžen Korec vertritt das Bauunternehmen Ekospol:

„Das gesamte Kreditvolumen von 650 Millionen Kronen entspricht gerade einmal 0,3 Prozent aller im vergangenen Jahr gewährten Hypotheken.“