„Ständig neue Spenden“ – Nach der Flut rollt die Welle der Solidarität

Foto: ČTK

In den tschechischen Hochwassergebieten sind die Aufräumarbeiten voll im Gang. Am Montagvormittag bestand nur noch an fünf Flussabschnitten im Land die höchste Gefahrenstufe, so vor allem an der Elbe in den beiden Städten Ústí nad Labem / Aussig und Děčín / Tetschen. Die Menschen helfen, mit allem, was sie haben: Geld, Material und Arbeitskraft.

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Wer evakuiert ist, weiß meist noch nicht, was ihn am Ende erwartet. Der Schock kommt häufig erst, wenn die Menschen in den Hochwassergebieten in ihre Häuser zurückkehren. Adéla Cibulová in der Elbegemeinde Vaňov hat dies nach 2002 nun wieder erlebt - mitten ins herannahende Gewitter sagt sie:

„Als wir das gesehen haben: eine Katastrophe. Jetzt beim zweiten Mal haben wir ja schon gewusst, was der Schlamm bedeutet. 2002 war es schlimmer, aber auch jetzt bin ich ziemlich fertig. Alles, auch das Klo, stand unter Wasser.“

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Stanislav Šenkýř aus dem südböhmischen Veselí nad Lužnicí ist schon einen Schritt weiter. In seinem Haus stand das Wasser 75 Zentimeter hoch. Waschmaschine und Heizkessel hat er glücklicherweise wieder in Betrieb nehmen können. Er weiß, dass man schnell handeln muss:

„Die Kohle und das Holz, das ich gelagert habe, habe ich bereits mit dem Schlauch abgespült. Wir haben versucht, alles schnell zu reinigen, denn wenn der Schlamm trocknet, ist er hart wie Beton.“

Foto: Sanja Gjenero, Stock.xchng
Hilfsorganisationen haben in den betroffenen Gebieten überall Sammelstellen eröffnet. Dort kann man Gegenstände abliefern, mit denen man den geschädigten Menschen helfen möchte. Die Solidarität ist groß, weiß Lucie Nedvídková. Sie leitet das Zentrum für humanitäre Hilfe im Städtchen Hostinné / Arnau am Rand des Riesengebirges. Hunderte Menschen hätten bereits alles Mögliche vorbeigebracht oder angeboten: von Bekleidung, über Desinfektionsmittel, bis zu Teddybären und Möbeln. Nedvídková und ihre Kollegen fahren das Material mit Autos zu den Hochwassergeschädigten:

Foto: Šárka Sudová, Archiv des Tschechischen Rundfunks
„Wir füllen die Autos ständig neu, dauernd kommen Spender mit neuem Material. Es läuft so, wie es sein soll. Unsere drei Autos sind ständig unterwegs zu den betroffenen Familien. Die Menschen sind begeistert, am Anfang haben sie sich aber geniert und gesagt, dass sie lieber nichts wollten, es gäbe doch Bedürftigere. Aber wer ist bedürftiger als jemand, dem das ganze Haus unter Wasser stand.“

Auch die Hilfskonten füllen sich. Die neuesten Summen sind noch nicht bekannt, bis Freitag waren aber umgerechnet bereits rund 900.000 Euro zusammengekommen. Mit dem Geldsammeln begonnen hat auch die Fachmittelschule für Chemie im ostböhmischen Pardubice. Der stellvertretende Schulrektor Miroslav Pavlata:

Gummistiefel, Reinigungsmittel usw. in Vaňov (Foto: Šárka Sudová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Die Schüler sammeln selbst das Geld und kaufen Reinigungsmittel. Natürlich steuern auch die Schulangestellten etwas bei oder bringen Sachen ins Sekretariat wie Handschuhe, Eimer oder Trinkwasser.“

Und es melden sich so viele Freiwillige zu den Aufräumarbeiten, dass gar nicht alle zum Zuge kommen. Die Hilfsbereitschaft scheint groß. Das ist auch den Politikern aufgefallen. Umweltminister Tomáš Chalupa, der den landesweiten Krisenstab leitet, lobte dies am Sonntag ausdrücklich.