Stimmung des alten Prag: neue Schikaneder-Ausstellung in der Nationalgalerie

Foto: ČTK

Unbekannte Bilder des bekannten Malers Jakub Schikaneder sind seit vergangenem Freitag in einer neuen Ausstellung der Nationalgalerie in Prag zu sehen. Die Besucher werden in der Waldstein-Reithalle in das Prag des ausgehenden 19. Jahrhunderts und seine melancholische Stimmung versetzt.

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Jakub Schikaneder ist derzeit in Tschechien einer der beliebtesten Maler des 19. Jahrhunderts. Bekannt sind vor allem seine nostalgischen Nachtbilder: verlassene Ecken des alten Prag, die durch das schwache Licht des Sonnenuntergangs beziehungsweise des Monds oder durch Gaslaternen beleuchtet werden, oder auch sparsam beleuchtete Innenräume mit Frauenfiguren. Eine umfangreiche Schikaneder-Ausstellung wurde erst vor vierzehn Jahren in Prag veranstaltet. Doch trotzdem gab es nun Gründe, Schikaneder erneut zu zeigen, so die Direktorin der Abteilung für Kunst des 19. Jahrhunderts der Nationalgalerie, Šárka Leubnerová:

Šárka Leubnerová (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„In den letzten 15 Jahren gelang es uns, in Privatsammlungen eine Reihe von unbekannten Arbeiten von Jakub Schikaneder zu entdecken. Ihre Echtheit ließ sich bestätigen, da diese Bilder seinerzeit in Zeitschriften abgebildet wurden.“

Diese neu entdeckten Gemälde bilden fast die Hälfte der Ausstellung in der Waldstein-Reitschule. Der Künstler ist beim Ausstellungspublikum sehr beliebt, aber auch bei Auktionen oft gefragt. Sammler aus der ganzen Welt geben für seine Werke hohe Summen aus. Šárka Leubnerová:

„Es handelt sich um Gemälde, die die Gefühle, die Stimmungen der Stadt widerspiegeln. Schikaneder liebte Prag und stellte seine Ecken in verschiedenen Jahreszeiten und Tagesstimmungen dar. Deswegen ist er so beliebt, weil dies dem Geschmack des breiten Publikums entspricht.“

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Die Besucher können zum ersten Mal ´Das Altprager Nachtbild´ oder ´Die Abenddämmerung´ besichtigen. Ausgestellt sind aber auch Bilder, die von Schikanders Auslandsreisen inspiriert worden waren, wie z.B. ´Die Braut aus der Bretagne´. Auf ein anderes Bild verweist Veronika Hulíková, die gemeinsam mit Professor Tomáš Vlček die Ausstellung zusammengestellt hat:

„Wir stehen vor dem Bild ´Früher Abend auf dem Hradschin´ aus der Sammlung der Nationalgalerie in Prag. Dabei handelt es sich um eines der schönsten Bilder des Malers und wurde deswegen als das Hauptmotiv der Ausstellung ausgewählt. Dieses Bild wurde höchstwahrscheinlich im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gemalt und hat eine einzigartige Atmosphäre. Auf dem Bild kommt eine gebeugte Frauenfigur vor, die vom Hradschiner Platz her auf Prag hinabschaut. Prag ist allerdings nicht zu sehen, nur zu erahnen. Auf Schikaneders Bildern kommt sehr oft eine Frauenfigur vor. Sie zieht sich wie ein roter Faden von den frühen Werken bis zu den Bildern vom Ende seines Lebens.“

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Besondere Aufmerksamkeit hat die Nationalgalerie diesmal den Kindern gewidmet. Für sie gibt es nicht nur Workshops in der Galerie, sondern auch ein Computerspiel auf der Website schikaneder.cz. Dort findet man auch zahlreiche Informationen über den Maler und das aktuelle Begleitprogramm zur Ausstellung. Sie dauert bis zum 21. Oktober und ist täglich außer montags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet.