Stipendien der NGO Romea: Finanzen und eine Community für höhere Bildungsabschlüsse
In den Schulen Tschechiens gibt es zahlreiche Talente, die an gesellschaftlichen Vorurteilen scheitern oder an einem niedrigen Selbstvertrauen. Damit mehr junge Menschen aus der Roma-Minderheit in Tschechien einen Schul- oder Universitätsabschluss machen können, vergibt die NGO Romea auch dieses Jahr wieder Stipendien.
100 junge Roma und Romnja in Tschechien werden im kommenden Schuljahr wieder ein Stipendium bekommen, das ihnen den Weg zu einem höheren Schulabschluss oder auch zum Hochschuldiplom erleichtern soll. Seit zehn Jahren schon schreibt die Organisation Romea die Bewerbungen aus, und der Erfolg dieses Programms sei eindeutig, sagt Projektmanager Štefan Balog:
„Die Quote jener Teilnehmer, die das jeweilige Förderjahr auf einer Mittel- beziehungsweise Hochschule beenden, liegt bei 98,5 bis 100 Prozent.“
Jene ausgewählten Jugendlichen, die eine weiterführende Schule besuchen, bekommen 15.000 Kronen (620 Euro) pro Schuljahr, für Hochschulstudenten sind es 26.000 Kronen (1075 Euro). Neben der finanziellen Unterstützung werden aber auch Beratungen angeboten, zudem weitere Bildungsaktivitäten oder regelmäßige Treffen mit Gleichaltrigen. Veronika Banová hat sich dank des Romea-Stipendiums ein Jurastudium an der Westböhmischen Universität in Plzeň / Pilsen leisten können. Sie berichtet:
„In den letzten Studienjahren konnte ich mir dann schon selbst etwas hinzuverdienen, weil ich als Assistentin in einem Anwaltsbüro gearbeitet habe. Dabei hat sich für mich die Bedeutung des Stipendiums verändert. Mir wurde bewusst, wie wichtig die Community und die Kontakte zu anderen sind. Ich habe dadurch viele inspirierende Menschen kennengelernt, aber natürlich auch viele Studenten, die vor ähnlichen Herausforderungen standen wie ich. Wir konnten uns so gegenseitig unterstützen.“
Stereotype überwinden
Dass Mitglieder der Roma-Minderheit häufig keinen gehobenen Bildungsweg einschlagen, liege oft nicht an den mangelnden persönlichen Fähigkeiten, schätzt Banová ein. Vielmehr könnten sich junge Roma und Romnja häufig einfach gar nicht vorstellen, dass ihr Lebensweg auch an eine Hochschule führen kann. Und weiter schildert die Juristin:
„Während meines Studiums habe ich auch als Assistentin bei Sozialdienstleistern gearbeitet. Dort hatte ich oft Kontakt mit Familien, die nicht daran glaubten, dass ihre Kinder durch den Hochschulbesuch in einen bestimmten Beruf gelangen könnten. Darum raten sie ihnen von einem Studium lieber ab.“
Junge Menschen aus eher niedrigen sozial-ökonomischen Familienverhältnissen auf ihre Möglichkeiten hinzuweisen, ist daher auch ein Ziel, das die NGO Romea mit ihrem Stipendien-Programm verfolge, bestätigt Štefan Balog. Wenn die Ausschreibung jedes Jahr im Juli startet, würden die Informationen darüber möglichst weitläufig verbreitet – etwa über die Massenmedien oder ein Netz an Partnerorganisationen, so der Projektmanager.
Finanziert werden die Stipendien durch private Spenden und Stiftungsgelder. Zur Bedeutung des Förderprogramms sagt Balog:
„Ich sage immer, dass ich froh wäre, wenn es das Programm in 20 Jahren nicht mehr geben müsste. Denn wir gleichen wirklich die Ausgangsbedingungen aus, mit denen junge Menschen in das Bildungssystem eintreten. Wir unterstützen sie, damit sie sich nicht so oft einen Schülerjob suchen müssen – denn häufig handelt es sich um Kinder von Alleinerziehenden.“
Staatliche Mittel beziehe Romea für dieses Programm nicht, unterstreicht Balog. Dennoch gebe es einen Austausch mit dem zuständigen Ressort:
„Das Bildungsministerium hat eine eigene Förderung für Roma an Mittelschulen und Konservatorien. Ich würde mir wünschen, dass dieses Programm künftig etwas abgeändert wird. Denn in der derzeitigen Form ist es absolut ineffektiv. Wir bei Romea und viele weitere Organisationen, die sich um junge Roma kümmern, haben hingegen das Know-how, wie man am besten mit ihnen arbeitet. Das Ministerium sollte uns also entweder Geld geben, damit wir das im Großen umsetzen können – oder es sollte sein eigenes Programm effektiv gestalten.“








