Straßenbahnen und Flugzeuge

Straßenbahn Tatra T3 (Foto: Jan Groh, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
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Im Hörerforum geht es heute unter anderem um Straßenbahnen, aber auch um Flugzeuge. Zudem geben wir den Gewinner unseres Monatsquiz’ bekannt und zitieren aus Ihren Briefen.

Franz Kafka  (Foto: © City of Prague)
14 Tage sind vorbei, und ich darf Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, erneut zu Ihrer Sendung bei Radio Prag begrüßen. Gleich zu Beginn wollen wir den Gewinner unseres Hörer-Wettbewerbs für den Monat Juni verkünden: Heinrich Keienburg hat für den deutschsprachigen Raum diesmal gewonnen. Er hat uns richtig geschrieben, dass der weltberühmte deutschsprachige Autor, der 1883 in Prag geboren wurde, Franz Kafka war.

Falls Sie auch Ihr Wissen über die Tschechische Republik testen wollen, dann versuchen Sie doch jetzt im Juli die Antwort auf folgende Frage zu finden:

Vor 1150 Jahren kamen zwei griechische Apostel nach Mähren und verbreiteten dort das Christentum. Wie heißen die beiden Brüder?

Ihre Antworten schicken Sie an die E-Mail-Aderesse: [email protected].

Hochwasser an der Donau  (Foto: YouTube)
Und nun zu Ihren Briefen. Aus der österreichischen Stadt Schrems hat sich Franz Schanza gemeldet:

„Die Beiträge waren wieder sehr interessant - vor allem über das Hochwasser, das ja bei uns auch enorme Schäden verursacht hat. Weniger in unserer Region, aber vielmehr entlang der Donau, in Salzburg und Tirol, wo Muren ganze Häuser weggefegt haben. Die Leute dort leben jetzt in Armut, aber die Hilfeleistungen werden so ausfallen, dass wieder alles hergestellt werden kann.“

Foto: Archiv der Schwarzwaldverein
Aus Österreich nach Bayern. Hendrik Leuker aus Bamberg sucht nach historischen Verbindungen zwischen Tschechen und Deutschen:

„Besonders interessiert habe ich mich für den Bericht zu 125 Jahren tschechischer Wanderverein. Solche Vereine gibt es auch vielfach in Deutschland, dem ‚Land der Vereine’. Um 1900 gab es hierzulande eine Wanderbewegung, so dass Tschechien so gesehen die Nase vorn gehabt hätte. Der älteste deutsche Wanderverein ist der Schwarzwaldverein. Er besteht seit 1864.“

Reiner Selle aus Halle an der Saale hat uns nicht nur einen dicken Brief geschickt, sondern auch eine Ansichtskarte mit einem Blick auf die historische Innenstadt beigelegt. In seiner Zuschrift widmet er sich aber einem ganz besonderen Thema:

Tatra-Straßenbahn in Halle  (Foto: Christian Bier,  Wikimedia CC BY-SA 3.0)
„Solange ich denken kann, prägte auch etwas Tschechisches das Bild meiner Heimatstadt Halle. Nämlich die guten alten und unverwüstlichen Tatra-Straßenbahnen vom Typ T4. Schon als ich noch ein kleiner Junge war, fuhren diese Bahnen hier durch die Straßen, und wir Kinder waren begeistert von den schicken roten Straßenbahnzügen mit den Schalensitzen, den Ziehharmonikatüren und dem unverkennbaren heulenden Motorengeräusch. Letzteres haben wir gerne nachgeahmt, wenn wir mit dem Roller auf dem Hof die mit Kreide aufs Pflaster gemalten Linien entlangfuhren - sie sollten Schienen darstellen. Das war Anfang der siebziger Jahre, und bis heute haben die tschechischen Tatra-Bahnen durchgehalten, wenn auch in einer etwas umgebauten und modernisierten Variante. Doch damit soll in diesem Jahr endgültig Schluss sein, denn die Hallesche Verkehrs AG hat angekündigt, dass die alten Tatra-Bahnen im Laufe dieses Jahres vollständig aus Halle verschwinden und durch nagelneue Bahnen der Firma Bombardier ersetzt werden sollen. Ein bisschen schade finde ich das schon, auch wenn viele, vor allem ältere Leute froh darüber sind, da man beim Einsteigen in die alten Tatra-Wagen eine hohe Treppe überwinden muss. Das ist bei den neuen Niederflurwagen nicht mehr der Fall. Es wäre schön, wenn Ihr im Programm von Radio Prag mal etwas ausführlicher über die tschechischen Straßenbahnen berichten könntet. Wie ich auf Bildern im Internet sah, fahren ja Wagen desselben Typs, der in Halle jetzt aussortiert wird, immer noch durch Prag. Werden diese Straßenbahnen eigentlich noch hergestellt?“

Straßenbahn Tatra T3  (Foto: Jan Groh,  Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Nein, lautet die Antwort. Die Straßenbahn Tatra T4 wurde ab Mitte der 1960er bis Mitte der 1980er Jahre hergestellt. Ihre Schwester, die Tatra T3, wurde etwa zehn Jahre länger gebaut, also bis Mitte der 90er Jahre. Im Übrigen wurden insgesamt 14.000 Wagen dieser Baureihe hergestellt, sie konkurrieren daher mit den russischen KTM-5 um den Rang des in größter Stückzahl gebauten Straßenbahnwagens der Welt. Wir möchten in diesem Zusammenhang auf unsere Sendereihe Spaziergang durch Prag hinweisen. In der Ausgabe vom 23. September 2011, die sich in unserem Internetarchiv befindet, ging es um den Abschied Prags von einem seiner Symbole: eben der Straßenbahn T3. Diese Tram ist von der von Herrn Selle erwähnten T4 auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden. Damals im Jahr 2011 wurde beschlossen, bis 2018 rund 500 Wagen der T3 zu verkaufen. Die ursprünglichen Wagen der Straßenbahn verschwinden damit allmählich aus dem Stadtbild Prags, die modernisierte Form der T3 ist aber immer noch in Betrieb. Außerdem wurde im Mai dieses Jahres noch ein weiterer Typ der Prager Straßenbahnen, die Zweirichtungs-Gelenktriebwagen KT8D5 aus dem Verkehr genommen. Herr Selle hat zu dem Thema noch einen Tipp für Radio Prag.

M1C – Sokol  (Foto: Archiv des Nationalen Technikmuseums)
„Ich habe auch gleich eine Anregung für die nächste QSL-Kartenserie. Wie wäre es denn, wenn Radio Prag mal tschechische Straßenbahnen auf den Karten vorstellt?“

Ein guter Tipp, Herr Selle. Danke dafür, wir werden es im Kopf behalten. Nun aber zur diesjährigen QSL-Kartenserie. Auf dieser sind historische Flugzeuge tschechoslowakischer Produktion abgebildet. Wir sind in der Nachkriegszeit angelangt und bei der Maschine M1C – Sokol. Michal Plavec vom Nationalen Technikmuseum:

Michal Plavec  (Foto: Jan Ptáček,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Nach dem Kriegsende, im Jahr 1945, war die tschechoslowakische Flugzeugindustrie mit großen Schwierigkeiten konfrontiert. Es ging vor allem um die Frage, was man produzieren soll, aber auch darum, die Arbeitsplätze zu erhalten. Noch während der Okkupation, im Januar 1945, waren mehr als 120.000 Menschen in jenen tschechoslowakischen Fabriken und Unternehmen angestellt, die sich am Flugzeugbau beteiligten. Im Jahre 1946 waren es nur noch knapp 6500 Menschen - und ein Jahr später 3500 Menschen.“

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es einen großen Überschuss an Flugzeugen, erläutert Michal Plavec.

M1C – Sokol  (Foto: RuthAS,  Wikimedia CC BY 3.0)
„Die Armeen, vor allem die großen wie die US-amerikanische oder die britische, wollten ihre Flugzeuge loswerden und verkauften diese zu einem Bruchteil der Herstellungskosten. In vielen Fällen wurden die Flugzeuge sogar an neu entstandene oder befreite Staaten einfach verschenkt. Deshalb enstand nach der Befreiung ein Sonderberatungsorgan bei der Regierung, der so genannte Flugberatungskorps.“

In diesem Korps saßen sowohl Wirtschaftsfachleute als auch Flugzeugkonstrukteure und Soldaten. Sie versuchten, die weitere Ausrichtung der tschechoslowakischen Flugindustrie zu bestimmen. Ihre Idee war, dass der einzige Typ von Flugzeugen, der fehlt und mit dem man kommerziellen Erfolg haben könnte, ein leichtes Reiseflugzeug für vier bis fünf Personen ist.

M1C – Sokol  (Foto: RuthAS,  Wikimedia CC BY-SA 3.0)
„Kurz darauf wurde in der ehemaligen Fabrik von Ingenieur Mráz in Choceň ein solches Flugzeug gebaut. Es erhielt den Namen M1C – Sokol. Dieses Flugzeug erfüllte alle Voraussetzungen: Es war das erste tschechoslowakische Flugzeug der Nachkriegszeit, das mit Erfolg exportiert wurde.“

Berühmt wurde ein Flug von zwei Maschinen dieses Typs vom Flughafen in Prag-Ruzyně nach Afrika. Sie sollten den Weg über das Mittelmeer nehmen und den ganzen Kontinent bis nach Südafrika überqueren und dann wieder zurückfliegen.

„Geschafft hat es eines beiden Flugzeuge, das von František Mlejnecký gesteuert wurde. Mlejnecký war ein ehemaliger Abfangjäger aus Großbritannien. Das zweite Flugzeug konnte den Flug nicht vollenden, denn die Piloten wollten im Sudan höhere Akrobatenkunst zeigen. Dabei kam es aber zu einem Unfall. Der Flug der Maschine von Mlejnecký brachte aber den erwarteten großen Erfolg. Seine hervorragende Leistung aus dem Jahr 1949 spiegelte sich im Export wider. Die M1C – Sokol wurde zu einem sehr beliebten Flugzeug. Einige Maschinen sind sogar noch heute in Tschechien sowie im Ausland in Betrieb und werden von ihren Besitzern sehr gelobt.“

Foto: ddpavumba,  FreeDigitalPhotos.net
Soweit das heutige Hörerforum. Wir freuen uns weiterhin über Ihre Briefe, Postkarten, E-Mails und Empfangsberichte. Schicken können Sie alles an die bekannten Adressen, also per Post an: Radio Prag – Deutschsprachige Redaktion, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik, oder auf elektronischem Weg an: [email protected].