Streit um Züge und Flugzeuge: Vor 30 Jahren wurde das Staatseigentum der Tschechoslowakei aufgeteilt

Die Teilung der Tschechoslowakei 1993 verlief friedlich und zivilisiert. Trotzdem zog sich der Streit um Teile des Staatseigentums sieben Jahre lang hin.

Foto: Štěpánka Budková,  Radio Prague International

Der Zwist um das Tafelsilber begann, als die Abgeordnetenversammlung am 13. November 1992 das Gesetz Nummer 541 verabschiedete. Es ordnete die Aufteilung des Eigentums der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik (ČSFR) an. Der Schlüssel zur Verteilung des staatlichen Besitzes auf die neu entstehende Tschechische und die Slowakische Republik betrug 2:1. Während Immobilien einfacherweise auf dem jeweiligen Staatsgebiet verblieben, bezog sich das festgelegte Verhältnis auf bewegliches und ausländisches Vermögen. Hier war die Lage nicht immer eindeutig.

Die größten Probleme gab es im Bereich Verkehr. Es wäre anzunehmen, dass etwa Eisenbahnwaggons sich leicht zählen und in drei gleiche Teile trennen ließen. Das vorgegebene Verhältnis von 2:1 berücksichtigte aber nicht das wesentlich umfangreichere Schienennetz der neuen Tschechischen Republik. Daher wurde jene Zahl der Personenwaggons berechnet, die Tschechien für sein größeres Netz nun fehlten, und eine finanzielle Entschädigung festgelegt.

Foto: Archiv von ČSA

Noch komplizierter war die Lage im Flugverkehr. Der Streit drehte sich weniger um die Flugzeuge, als vielmehr um die Beibehaltung der Flugverbindungen wie auch der historischen Marke ČSA (Československé státní aerolinie, zu Deutsch: Tschechoslowakische staatliche Fluggesellschaft). Die Slowakei forderte einen Anteil an der zur Aktiengesellschaft umgewandelten ČSA, die inzwischen zwar ein rein tschechisches Unternehmen war, aber immer noch den Namen beider Länder trug. 1995 wurde der Betrieb dann in České aerolinie (Tschechische Fluggesellschaft) umbenannt.

Das Kapitel der Aufteilung des ehemals föderalen Eigentums wurde erst 1999 abgeschlossen. Damals einigten sich die Regierungschefs Tschechiens und der Slowakei, Miloš Zeman und Mikuláš Dzurina, die noch strittigen Punkte endgültig zu regeln.

Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks