Suchdols öffentliches Kunstwerk: Hunderte Hände basteln Weihnachtskrippe

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Suchdol ist ein Ort, wo lauter Künstler leben. Dies könnte man meinen, wenn man die Weihnachtskrippe auf dem Marktplatz in diesem Prager Stadtteil besichtigt. Die Weihnachtskrippe mit Hunderten von Figuren ist nämlich ein gemeinsames Werk der Bewohner von Suchdol.

Die Gemeinde Suchdol wurde, ähnlich wie die Nachbargemeinde Sedlec, vom Herrschergeschlecht der Premysliden im 10. Jahrhundert auf dem Weg zwischen Prag und dem historischen Premyslidensitz Levý Hradec gegründet. Vom 11. Jahrhundert bis zu den Hussitenkriegen gehörte Suchdol den Benediktinerinnen des Prager Klosters St. Georg. Damals hatte die Gemeinde etwa 100 Einwohner. Danach wechselte Suchdol seine Besitzer, unter ihnen war auch das berühmte böhmische Adeligengeschlecht der Budovec. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Gemeinde ausgeplündert und niedergebrannt. In den Jahren 1679 bis 1930 war Suchdol im Besitz der Benediktinerabtei Emaus. Suchdol wurde erst 1968 von Prag eingemeindet. Heute bilden Suchdol und die bis 1922 selbständige Gemeinde Sedlec einen gemeinsamen Prager Stadtteil.

Am Samstag, dem 1. Dezember, ist es wieder so weit. Kleine Flötenspieler begleiten die feierliche Eröffnung der Weihnachtskrippe auf dem Marktplatz in Suchdol. Vor dem Gebäude des Gemeindeamtes unter großen Fichten stehen auf Sockeln Hunderte von größeren und kleineren Krippenfiguren aus Schamottenton. Der Bürgermeister von Suchdol, Petr Hejl, begleitet einen kleinen Teilnehmer der Feier, der das Jesuskind in die Krippe legt. Damit wird die diesjährige Weihnachtskrippe eröffnet, sagt Petr Hejl:

„Die Tradition ist sieben Jahre alt. Die Weihnachtskrippe ist dadurch interessant, dass sie von Kindern in der Schule, aber auch von erwachsenen Bewohnern von Suchdol während des Jahres hergestellt wurde. Diese Weihnachtskrippe wird auf dem Marktplatz zu Adventbeginn installiert und bleibt hier bis Anfang Januar stehen.“

Petr Hejl
Petr Hejl zufolge fördert das Gemeindeamt die Tradition, die Adventszeit mit der Installation der einzigartigen Weihnachtskrippe zu eröffnen. Aber auch in der Vorweihnachtszeit kann der Bürgermeister zwei dringende Probleme nicht vergessen:

„Was uns am meisten Sorgen macht, ist das Projekt des Verkehrsministeriums zur Autobahnführung um die Stadt Prag. Dem Plan zufolge soll die Autobahn durch den Stadtteil Suchdol führen. Wir stimmen dem Vorhaben nicht zu und hoffen, dass die Autobahn das bebaute Gebiet umgehen wird. Eine weitere Gefährdung unserer Umwelt stellt für uns in Suchdol die geplante Erweiterung des Flughafens Ruzyne um eine weitere Start- und Landebahn dar. Dies würde unter anderem bedeuten, dass sich dann ganz Suchdol in der Lärmzone über 60 und 65 Dezibel befindet.“

Die Aussichten sind dem Bürgermeister zufolge nicht rosig, aber die Hoffnung auf eine zufrieden stellende Lösung wolle er nicht aufgeben, erzählte er vor dem Weihnachtsbaum.

Eine der Initiatorinnen der einzigartigen Weihnachtskrippe ist die Malerin Magdalena Vovsová, die an der Akademie der bildenden Künste in Prag unterrichtet. Auf die Idee, eine solche Weihnachtskrippe herzustellen, ist sie zusammen mit einigen Freunden vor etwa acht Jahren gekommen.

„Das Schwierigste war, einen geeigneten Ort für die Weihnachtskrippe zu finden. Unter uns waren damals einige bildende Künstler, die Erfahrungen mit dem Modellieren mit Ton hatten. Aber wohin mit den Figuren, das war unklar. Damals wurde in Dobrichovice – einer Stadt etwa 40 Kilometer von Prag entfernt – eine alte Brücke aus dem 19. Jahrhundert abgerissen. Es gelang uns, Sandstein- und Granitquader aus den Brückenpfeilern zu bekommen. Und diese sind zu Grundsteinen für die Installierung unserer Weihnachtskrippe geworden. Später sind noch einige Sockel aus Eichenholz hinzugekommen. Zu uns gehören Pavla Štěpánková, die im Haus der Kinder unterrichtet, Pavla Lenertová, die eine Keramikwerkstatt an der hiesigen Schule leitet oder auch die akademische Malerin Adriana Skálová. Aus dem Grund war es dann kein Problem mehr, gemeinsam und später noch mit weiteren Mitarbeitern zu modellieren.“

Gebrannt wurden die Figuren an drei Orten. Einige von ihnen wurden im Jahr 2003 im Palais Nostitz in Prag ausgestellt. Nicht nur Kinder modellieren die Krippenfiguren, sondern auch interessierte Erwachsene, die am öffentlichen Modellieren teilnehmen. Das Alter der Schöpfer bewegt sich der Malerin zufolge zwischen 3 und 83 Jahren.

„Das ist so eine Puppe, die einen Vogel mitbringt“, zeigt der etwa der dreijährige Zdenda Jirásek stolz auf ein kleines Kunstwerk, das er mit Mamas Hilfe gebastelt hat.

Angefangen haben die Suchdoler einst mit etwa 200 Figuren. Jedes Jahr werden weitere Figuren modelliert. Es wurden schon mehr als 900 Figuren ausgestellt, sagt Magda Vovsová und fügt hinzu, es komme aber nicht auf die Zahl der Figuren an. In diesem Jahr hat sie mit ihren Mitarbeitern zusammen ein Modellieren für die Öffentlichkeit organisiert.

„Es kamen etwa 25 Leute. Unter ihnen war auch eine Frau, die ihre Kinder begleitete. Sie sagte, sie habe so etwas noch nie gemacht und wolle es nicht probieren. Wir haben sie überredet, und sie hat eine so wunderbare Katze gebastelt, dass sie selbst überrascht war. Die Leute können das schon, nur glauben sie nicht daran. Jeder kann modellieren. Wir zeigen den Leuten nur, wie sie das schaffen können.“

Das Beispiel von Suchdol hat inzwischen auch Bewohner an anderen Orten Tschechiens dazu inspiriert, eine sozusagen öffentliche Weihnachtskrippe herzustellen. Krippenfiguren aus Suchdol fanden inzwischen auch den Weg ins Ausland: Ihrer italienischen Partnergemeinde Sarmede schenkten die Bewohner von Suchdol dieses Jahr einige Figuren. Einige ihnen geschenkte Suchdoler Figuren haben die Bewohner der oberösterreichischen Stadt Grein dazu bewegt, ihre eigene Weihnachtskrippe zu basteln, erzählt Magda Vovsová.

„Wir bemühen uns, den Gedanken, gemeinsam Weihnachtskrippen zu basteln und die Adventszeit gemeinsam zu eröffnen, zu verbreiten.“

Im Mittelpunkt des Platzes auf einem höheren Sockel steht natürlich die Heilige Familie, aber sonst findet man neben den typischen Krippenfiguren auch weniger übliche Gestalten in der Weihnachtskrippe von Suchdol. Die Figuren werden auf die Unterlage geklebt, aber nur mit Silikon. Nach dem Dreikönigsfest werden die Figuren wieder eingesammelt, geputzt und in Kisten gelagert. Sie schlafen dann auf dem Dachboden des Gemeindeamtes bis zum nächsten Advent, sagt Magda Vovsová. Es kommt ihren Worten zufolge natürlich auch vor, dass eine Figur beschädigt wird oder dass sie verschwindet.

„Wir werden aber eine größere Geduld als die Diebe haben. Wenn etwas verschwindet, dann modellieren wir es wieder neu. Und wir werden noch sehen, wer von uns den längeren Atem hat.“

Fotos: Autorin