Teures Balkangeschäft: Energiekonzern ČEZ in Albanien gescheitert

Foto: Barbora Kmentová

ČEZ war einer der ersten Energiekonzerne, die den Gang auf den Balkan gewagt haben. In mehreren Ländern erwarb das tschechische Unternehmen in den vergangenen neun Jahren unter anderem Stromverteilungsgesellschaften – so auch in Albanien. Doch nun ist das dortige Engagement gescheitert und den Tschechen drohen hohe Verluste im Land der Skipetaren.

ČEZ-Büro in Albanien (Foto: ČTK)
Die Geschichte des Albaniengeschäfts von ČEZ klingt wie aus einem modernen Roman von Karl May. 2009 erwirbt man dort die staatliche Stromverteilungsgesellschaft und kann auf viel Erfahrung aus anderen Balkanländern bauen. Dennoch gerät der tschechische Investor im vergangenen Jahr in einen schweren Streit mit den albanischen Behörden und der Regierung in Tirana. Der Wirtschaftsanalytiker Jiří Gavor von der Beraterfirma Ena:

„Das Hauptproblem entstand dadurch, dass ČEZ gezwungen wurde, teuren Strom zu kaufen. Zugleich verbot die albanische Regulierungsbehörde, diese Mehrkosten auf die Endabnehmer umzulegen. ČEZ entstanden mit jeder Kilowattstunde Schulden, und die wuchsen zu einer untragbaren Gesamtsumme an.“

Foto: Barbora Kmentová
Zur Strompreiserhöhung zu Jahresbeginn 2012 kommt noch die schlechte Zahlungsmoral in Albanien hinzu: Wegen der hohen Verluste entschließt sich ČEZ im November vergangenen Jahres, die staatlichen Wasserwerke nicht mehr mit Strom zu versorgen. Umgerechnet fast 40 Millionen Euro sollen die Werke dem tschechischen Konzern zu dem Zeitpunkt bereits geschuldet haben. Die Sperrung des Stromnetzes für die öffentliche Versorgung bringt die Menschen im Land auf, sie demonstrieren sogar wütend vor dem Sitz der Firma. Kurz darauf ordnet ein Gericht in Tirana an, dass die Wasserwerke wieder ans Netz angeschlossen werden müssen.

Nun drehen die Behörden den Spieß um und beschuldigen ČEZ, seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen zu sein. Die albanische Regierung fordert eine Milliarde Dollar für angeblich entstandene Schäden. Die Tschechen haben da bereits entschieden, ihre Tochterfirma zu verkaufen. Als vorläufigen Schlusspunkt im Streit entzieht die Regulierungsbehörde nun ČEZ die Lizenz zur Stromverteilung. Am Montag sagte ČEZ-Sprecherin Barbora Půlpánová gegenüber den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Barbora Půlpánová (Foto: Archiv ČEZ)
„Ich kann bestätigen, dass die albanische Regulierungsbehörde heute entschieden hat, der Stromverteilungsgesellschaft die Lizenz zu entziehen. Zugleich hat die Behörde einen Verwalter bestimmt, der unter Aufsicht jetzt die Verteilungsgesellschaft leitet, was einer Enteignung gleichkommt. ČEZ lehnt solch ein Vorgehen grundsätzlich ab, deswegen reichen wir unmittelbar eine Klage ein. Zudem informieren wir die albanische Regierung, dass wir ein Schiedsverfahren einleiten wollen.“

Albanien stellt ČEZ mit dem Lizenzentzug vor schwere Probleme. Laut Analytiker Gavor sei es nun fast unmöglich, die erfolglose Tochterfirma noch an einen anderen ausländischen Investor zu verkaufen:

„Meiner Meinung nach kann ČEZ nun nur noch versuchen, den drohenden Verlust von fünf Milliarden Kronen (200 Millionen Euro, Anm. d. Red.) zu minimalisieren. Die Summe ist für die Firma nicht gerade wenig. Zum einen wird man versuchen, die für die Investition gestellte Garantie bei der Weltbank einzulösen, und zum anderen, in einem internationalen Schiedsverfahren eine Entschädigung zu erwirken.“

Kraftwerk im albanischen Fierza (Foto: idobi, Wikimedia Creative Commons 3.0)
ČEZ ist übrigens überall auf dem Balkan tätig, außer im Kosovo. Bereits 2004 kauften die Tschechen drei bulgarische Stromverteilungsgesellschaften. Laut den Geschäftsberichten aus den vergangenen Jahren sind die Tochterfirmen auf dem Balkan unterschiedlich erfolgreich, immer wieder gab es Probleme mit Korruption, Zahlungsmoral und der ineffektiven Justiz.

In Tschechien hat ČEZ eine wichtige politische Funktion: Als Staatsunternehmen dient es sozusagen als Goldesel zur Aufbesserung der öffentlichen Bilanzen. 2011 wies der Konzern einen Gewinn von umgerechnet 1,6 Milliarden Euro aus.

Autor: Till Janzer
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